Salzkammergut Vogelfang
Umgang mit der Natur in Oberösterreich, aufgenommen 2010
Die Tradition des Vogelfangs im Salzkammergut umfasst den Fang einzelner heimischer Waldvögel im Herbst, die Haltung der Vögel außerhalb der Fangzeit in Volièren, und die Waldvogelausstellung am Sonntag vor Kathrein (Ende November). Dann werden die schönsten Vögel aufgrund ihrer Farbenpracht, Unversehrtheit und ihres einwandfreien Pflegezustands prämiert. Im Frühjahr werden die Vögel mit Ausnahme der Lockvögel wieder freigelassen.
Das Wissen um das Verhalten der Vögel wurde über Jahrhunderte und Generationen gesammelt und weitergegeben, was zur Entwicklung eines eigenen Sprachschatzes für die jeweiligen Futter-, Vogel- und Ablaufbegriffe führte. Die Salzkammergut Vogelfänger*innen unterscheiden einige Vogelarten differenzierter als die Wissenschaft und kennen u.a. "Grobschreier", "Guatschreier" und "Hellschreier", bei den Kreuzschnäbel, den "Bliahstieglitz" bei den Stieglitzen, oder "Stoagimpal" bei den Gimpeln.
Für die Haltung der Vögel ist es notwendig, das ganze Jahr über entsprechendes Futter zu sammeln. Verwendet werden natürliche Sämerein, Kräuter und Knospen. Nicht nur die Art des Vogelfangs hat sich geändert – gefangen wurde ursprünglich u.a. mit Leimruten und Kloben in Verbindung mit Lockvögeln, heute mittels „Netzkloben“ – sondern auch der Fang bestimmter Vogelarten: Waren um 1910 noch 16 Vogelarten auf den Erlaubnisscheinen angegeben, etablierte sich im 20. Jahrhundert der Fang von vier Vogelarten (Erlenzeisig, Stieglitz, Gimpel und Fichtenkreuzschnabel).
Die Vogelfänger*innen sind seit mehr als 150 Jahren in Vereinen organisiert, die aktiv am dörflichen Leben teilnehmen. Rund um die Waldvogelausstellung organisieren sie zahlreiche Aktivitäten. Fast jede Heimatkrippe weist entweder ein „Vogelfängereck" oder eine der vier genannten Vogelarten auf. Das Vogelfängermotiv fehlt auch nicht bei Glöcklerkappen oder bei Faschingsumzügen. Im heimischen Lied- und Dichtgut ist der Vogelfang ebenso integriert.
Aus Sicht von Tierschutzvereinen ist der Vogelfang im Salzkammergut, insbesondere das Fangen und Halten wildlebender Vögel, tierethisch problematisch.
Aktuelles Monitoring
2025-2026 wurde an die Österreichische UNESCO-Kommission ein offener Brief sowie eine Petition gerichtet, in der eine Überprüfung der Eintragung des „Vogelfangs im Salzkammergut“ in das nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes gefordert wird. Vor dem Hintergrund der damit verbundenen tierethischen Fragestellungen und der öffentlichen Diskussionen wird das Element derzeit im Rahmen eines laufenden Monitorings behandelt. Mehr Informationen hier.
Kontakt
Alfred Lichtenegger
Grabenbachweg 1
4820 Bad Ischl
obmann@vogelfreunde.eu
Downloads
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