Springe zum Hauptinhalt

Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki

Staner Anklöpfeln
Gesellschaftliche Praktiken in Tirol, aufgenommen 2021

Das Anklöpfeln in Stans ist ein, seit der Mitte des 19. Jahrhunderts überlieferter Klöpfelnachtbrauch in eigentümlicher und dramaturgischer Form. Er findet alle 10 Jahre an den Samstagen im Advent statt. Dabei gehen verschiedene Figuren, wie der Hohen Priester, Bacchus, Ministrant*innen, Spendensammler*in und ca. 25 Leviten prozessionsartig in bestimmte Bauernhöfe und Gasthäuser, um ihre Lieder vorzubringen.

Das „Anklöpfeln“, in anderen Regionen/Dialekten auch „Anklöckeln“ oder nur „Klöckeln“ genannt, ist ein Adventbrauch, der in verschiedenen Erscheinungsformen im mehreren Orten des historischen Tirol sowie in angrenzenden Ländern zur Aufführung gelangt. Dabei unterschiedet sich das Anklöpfeln in Stans in einigen Punkten maßgeblich, indem der Brauch nur alle 10 Jahre stattfindet. Außerdem sind ungewöhnliche Figuren bzw. Masken involviert: der insgesamt ca. 30-köpfige Tross wird vom „Urbal“ angeführt, der eine*n stereotype*n Tiroler*in darstellt. Ihm/ihr folgen die etwa 25 Leviten mit weißem Talar, hohen spitzen Hüten und langen Bärten aus Baumbart. Zur Gruppe gehören außerdem ein Bacchus, zwei Ministrant*innen sowie der Hohe Priester mit Krummstab und zweigeteilter Mitra. Diese ziehen von Haus zu Haus und bringen zuerst das „Anklöpflerlied“ und anschließend das „Bettlerlied“ vor. Der Hohe Priester eröffnet den Gesang. Das aus zwölf Strophen bestehende Klöckellied ist eine musikalische Satire und spielt auf biblische Geschehnisse an, aber vor allem auf das Liebesleben der Jugend. Das profane Leben wird in den nachfolgenden Strophen des Bettlerliedes weiter parodiert. Durch diese Lieder wurde vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Kritik an bestehenden Verhältnissen ausgeübt. Die Vorführung der Anklöpfler, die sich an einem Abend mehrmals wiederholt, dauert etwa 12-14 Minuten.

Trotz der langen Zeitspanne sind viele Vereine und Dorfmitglieder bzw. Institutionen in der Vorbereitung und Ausübung des Brauches eingebunden und halten die Tradition lebendig. Das gesamte Dorf ist direkt oder indirekt aktiv und Garant für eine kontinuierliche Weitergabe. Beispielsweise bewahrt die Gemeinde Stans das Gesangsbuch auf, die aktuellen Darsteller*innen ihre Kostüme. Vereine wie der Chor (zur Einübung der Lieder) oder die Feuerwehr (zur Besorgung der Baumbärte) sind ebenfalls an den Vorbereitungen beteiligt. Ablauf und Brauchspezifika werden vor allem mündlich von einer Generation an die nächste weitergegeben.

Kontakt

Helmut Gschwentner
Am Rain 370
6153 Stans
helmut.gschwentner@gmx.at

Downloads

1 && 0==1

Galerie

Suche im Verzeichnis