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Bildung 2030

Inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung für alle  
Foto: © Modell Foto: Colourbox.de

Weltbildungsbericht 2021/22

Weltbildungsbericht 2021/22: Nicht-staatliche Akteure im Bildungswesen: Wer wählt? Wer verliert? UNESCO fordert bessere Aufsicht über private Bildungseinrichtungen, um Ungleichheiten zu verringern.

Der UNESCO-Weltbildungsbericht (GEM Report) warnt vor wachsender Ungleichheit und Ausgrenzung aufgrund hoher Kosten für private Bildungseinrichtungen und schwacher staatlicher Regulierung. Er befürwortet fünf Maßnahmen, um die Bereitstellung einer qualitativ hochwertigen Bildung für alle zu gewährleisten.

40% der Volksschüler*innen, 20% der Schüler*innen der Primarstufe und 30% der Schüler*innen der Sekundarstufe und Studierende werden heute weltweit in nicht-staatlichen Schulen unterrichtet bzw. ausgebildet. Der neue UNESCO-Weltbildungsbericht (GEM) zeigt jedoch, dass es in vielen Ländern an angemessenen Vorgaben für private Einrichtungen oder an der Fähigkeit zu deren Durchsetzung mangelt, was die Qualität untergräbt und die Kluft zwischen Arm und Reich im Bildungsbereich möglicherweise noch vergrößert.

Der Bericht analysiert nicht-staatliche Akteure in allen Bildungssystemen, von Schulen, die von religiösen Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, philanthropischen Organisationen und gewinnorientierten Unternehmen betrieben werden, bis hin zu all jenen, die an der Bereitstellung von Dienstleistungen im Bildungssektor beteiligt sind. Viele Länder lassen diese Schulen, von denen die meisten nicht registriert sind, ohne jegliche Aufsicht arbeiten.

Who Chooses? Who Loses?
Die Studie zeigt, dass nur 27% der Länder die Gewinnerzielung in Primar- und Sekundarschulen ausdrücklich verbieten, was der Vision einer 12-jährigen kostenlosen Bildung für alle zuwiderläuft. In mehr als der Hälfte der Länder gibt es keine Zulassungsverfahren für Schüler*innen und in nur 7% der Länder gibt es Quoten, die benachteiligten Schüler*innen durch Initiativen den Zugang zu Schulen erleichtern. Außerdem hat nur die Hälfte der Länder Vorschriften für den Privatunterricht implementiert.

Folglich zeigt der Bericht mit dem Titel „Who Chooses? Who Loses?“, dass Haushalte in den am wenigsten entwickelten Ländern einen unverhältnismäßig hohen Anteil ihres Einkommens für die Bildung ihrer Kinder ausgeben. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen entfallen 39% der Bildungsausgaben, das inkludiert unter anderem Schuluniformen und Schulmaterialien, auf die Haushalte, während es in Ländern mit hohem Einkommen nur 16% sind. So müssen 8% der Familien in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen einen Kredit aufnehmen, um ihren Kindern den Schulbesuch zu finanzieren.

 „Die Regierungen müssen Mindeststandards für staatliche und nicht-staatliche Schulen festlegen, um sicherzustellen, dass die am stärksten benachteiligten Schüler*innen die gleichen Chancen haben, von einer hochwertigen Bildung zu profitieren“, sagt Audrey Azoulay, Generaldirektorin der UNESCO. „Gerechte Finanzierungsmechanismen sind dringend erforderlich. Diejenigen, die in einem benachteiligten Umfeld leben, dürfen nicht benachteiligt werden“, unterstreicht sie.

Fünf Empfehlungen zur Bereitstellung einer qualitativ hochwertigen Bildung für alle
Die UNESCO fordert die Länder auf, ihre bestehenden Regelungen zu überprüfen und empfiehlt:

  1. Verstärkte Anstrengungen, um allen Kindern und Jugendlichen einen kostenlosen, öffentlich finanzierten Zugang zu einem Jahr Vorschulbildung und 12 Jahren Grund- und Sekundarschulbildung zu garantieren.
  2. Festlegung von Qualitätsstandards, die für alle staatlichen und nicht-staatlichen Bildungseinrichtungen gelten, da sich parallele Systeme mit unterschiedlichen Erwartungen, Materialien und Arbeitsbedingungen negativ auf den Aufbau eines kohärenten Bildungssystems für alle Lernenden auswirken.
  3. Stärkung der staatlichen Kapazitäten zur Kontrolle und Durchsetzung von Vorschriften.
  4. Förderung von Innovationen für das Gemeinwohl und Zusammenführung aller Akteure, die sie entwickeln. Die Regierungen sollten mit allen Akteuren partnerschaftlich zusammenarbeiten, um zu lernen, bewährte Verfahren zusammenzustellen und zu bewerten, Ressourcen bereitzustellen, die den Erfahrungsaustausch zwischen Praktikern ermöglichen, und gute Ideen zu erproben und zu verbreiten.
  5. Bildung vor Eigeninteressen schützen. Die Aufrechterhaltung der Transparenz und Integrität des öffentlichen Bildungswesens trägt zum Schutz der am meisten benachteiligten Lernenden bei.