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Welterbe

Kultur- und Naturerbestätten mit außergewöhnlichem universellem Wert  
Foto: © Alexander Eugen Koller

Semmeringeisenbahn

© Haeferl @flickr.com
© ÖW

Revolutionäre Bahnstrecke

Als erste Hochgebirgseisenbahn der Welt revolutionierte die Semmeringeisenbahn den Schienenverkehr und stellt damit einen bedeutenden Meilenstein in der Geschichte des Schienenverkehrs und der Industrialisierung dar. Erbaut zwischen 1848 und 1853, überwindet die Semmeringeisenbahn die Nördlichen Kalkalpen auf 894m Seehöhe. Durch die damit verbundene Erschließung der Region entwickelte sich das Gebiet zu einer beliebten Ausflugs- und Erholungsdestination mit charakteristischer Villen- und Hotelarchitektur der Jahrhundertwende in harmonischem Wechselspiel mit der umgebenden, hochalpinen Landschaft.

Allgemeines

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts, im Zuge der weitreichenden Industrialisierung in Europa, wurde die verkehrstechnische Erschließung der österreichisch-ungarischen Monarchie mithilfe der noch jungen Technologie der Eisenbahn vorangetrieben. Der Bau einer Bahnverbindung zwischen der Hauptstadt Wien und der Hafenstadt Triest via Graz und Ljubljana war dabei nicht nur von besonderer Bedeutung, sondern vor allem auch mit einer großen Herausforderung verbunden, nämlich der Überquerung der Alpen.  

Zwischen 1848 und 1853 gelang dem italienischstämmigen Ingenieur Carl Ritter von Ghega der Bau des fehlenden Teilstücks über den Semmering zwischen Gloggnitz (NÖ) und Mürzzuschlag (Stmk). Mithilfe innovativer Planung und der Errichtung von 14 Tunneln, 16 Viadukten und über 100 Überführungen gelang es Ghega einen Höhenunterschied von mehr als 450m zu überwinden – im 19. Jahrhundert eine noch nie dagewesene technische Pionierleistung. Auch die dafür notwendigen Lokomotiven mussten erst im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs eigens für diese Strecke entwickelt und gefertigt werden. Die erhaltenen, historischen Dokumente, die bis heute Aufschluss über Planung und Bau der Semmeringeisenbahn geben, sind Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes.

Die neue Form des Reisens und die damit verbundene leichte Erreichbarkeit dieser landschaftlich und klimatisch reizvollen Region führten dazu, dass sich der Semmering rasch zu einer bedeutenden Destination für Bourgeoisie und Adel aus der gesamten Habsburgermonarchie entwickelte. Entlang der neuen Bahnstrecke wurde der Semmering für touristische Zwecke erschlossen, Luxushotels wurden ebenso im charakteristischen „Semmeringstil“ errichtet wie private Landhäuser und Villen. Nicht zuletzt die illustren Gäste, Aristokraten, Künstler und Literaten, etwa Johannes Brahms, Gustav Mahler, Franz Werfel, Oskar Kokoschka oder Josephine Baker, formten und festigten Ruf und Berühmtheit der Region Semmering.

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© Südbahn Museum
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Das Welterbe

Kriterien: (ii), (iv)

Die Semmeringbahn wurde 1998 mit einer Kernzone von 156 ha Fläche und einer umgebenden Pufferzone von 8,581 ha Fläche in die Liste des UNESCO Welterbes aufgenommen. Dies umfasst eine Strecke von 41 km von Mürzzuschlag, über den Semmering bis Gloggnitz mitsamt dazugehörigen Viadukten, Brücken und Tunneln und Bahngebäuden.

(ii) Die Semmeringeisenbahn steht für eine herausragende technische Lösung eines physikalischen Problems in der Konstruktion von früheren Eisenbahnen.

(iv) Mit der Errichtung der Semmeringeisenbahn wurden Gebiete von großer Naturschönheit leichter zugänglich und für Wohnbau und Erholung erschlossen; dies führte zu einer Schaffung einer neuen Landschaftsform.

© Technisches Museum Wien, Archiv (Weltdokumentenerbe)
© Technisches Museum Wien, Archiv (Weltdokumentenerbe)
© Technisches Museum Wien, Archiv (Weltdokumentenerbe)

GHEGA, Carl Ritter von: Malerischer Atlas der Eisenbahn über den Semmering. Wien 1854.
KOS, Wolfgang: Über den Semmering. Kulturgeschichte einer künstlichen Landschaft. Wien 1984.
KOS, Wolfgang (Hg.): Ausstellungskatalog: Die Eroberung der Landschaft, Semmering-Rax-Schneeberg. Wien 1992.
PUSCH, Eva/SCHWARZ, Mario: Architektur der Sommerfrische. St. Pölten/Wien 1995.


Weiterführende Links

UNESCO World Heritage List Semmeringeisenbahn