Springe zum Hauptinhalt

Welterbe

Kultur- und Naturerbestätten mit außergewöhnlichem universellem Wert  
Foto: © Alexander Eugen Koller

Historisches Zentrum von Wien

© pixabay.com
© unsplash.com

Kaiserliche Metropole im Herzen Europas

Die Stadt Wien bildet einen Knotenpunkt der europäischen Geschichte: ob als römisches Legionslager oder als Residenz- und später Hauptstadt der Habsburger spielte Wien über Jahrhunderte hinweg eine zentrale Rolle im historischen und politischen Gefüge Europas. Das reiche architektonisches Erbe, mit mittelalterlicher Stadtstruktur, barocken Palais, Schlössern und Gärten, bis hin zur den gründerzeitlichen Prachtbauten der Ringstraße sowie die Rolle der Stadt als musikalisches Zentrum von der Wiener Klassik bis ins 20. Jahrhundert, begründen Wiens außergewöhnlichen universellen Wert für die Menschheit.  

Allgemeines

Die römischen Ursprünge der Stadt sind nicht nur anhand von Ausgrabungen sichtbar, sondern spiegeln sich auch in der Struktur der Altstadt wider. Das an den Ufern der Donau, und damit an der Grenze des antiken Römischen Reichs gelegene Militärlager Vindobona bildete das Fundament der mittelalterlichen, von Stadtmauern umgebenen Stadt, die sich zunächst unter den Babenbergern und später unter Habsburgischer Herrschaft aufgrund ihrer günstigen Lage zu einem florierenden Handelszentrum entwickelte. In der Frühen Neuzeit Schauplatz der Gegenreformation und zweier Belagerungen durch die Türken, wurde Wien nach dem endgültigen Sieg über das osmanische Heer 1683 zu einer barocken Metropole ausgebaut, deren Gesamtanlage mit ihren Palästen und Gärten noch heute das Erscheinungsbild prägt. Das 19. Jahrhundert brachte mit dem Abbruch der massiven Befestigungsanlagen, der damit einhergehenden Stadterweiterung und der Errichtung der Ringstraße als geschlossener, repräsentativer Prachtboulevard mit ihren Monumentalbauten sowie der beginnenden Moderne die nächste signifikante städtebauliche Veränderung mit sich. 

Untrennbar verbunden ist die Geschichte der Stadt Wien mit der Herrscherdynastie der Habsburger, die zunächst als Herzöge bzw. Erzherzöge, später als Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs sowie letztlich als österreich-ungarische Könige bzw. Kaiser die Stadt zu ihrer Residenz und damit zum Zentrum Ihrer Herrschaft machten. Der Bau des gotischen Stephansdoms, des städtebaulichen wie symbolischen Zentrums der historischen Stadt, ist ebenso mit dem Wirken der Habsburger verbunden, wie etwa die Hofburg als städtischer Palast- und Residenzbau, die zahlreichen Kirchen oder die barocken Stadtpaläste des Adels als Teil der höfischen Kultur. 

Aufgrund seiner Rolle als höfische Residenz konnte sich Wien bereits früh, insbesondere im Bereich der Musik, als kulturelles Zentrum etablieren, dessen Ruf bis heute andauert. Insbesondere die Wiener Klassik und die Romantik verfestigten Wiens Ruf als Musikhauptstadt Europas, vor allem durch das Wirken Wolfgang Amadeus Mozarts, aber auch Joseph Haydns, Ludwig van Beethovens, Franz Schuberts und Arnold Schönbergs. Auch die Wissenschaften fanden in Wien reichen Nährboden – etwa die Psychologie und Psychiatrie rund um Sigmund Freud oder Viktor Frankl.

© pixabay.com
© pixabay.com
© pixabay.com

Das Welterbe

Kriterien: (ii), (iv), (vi)

Das historische Zentrum von Wien wurde 2001 mit einer Kernzone von 371 ha und einer Pufferzone von 462 ha Fläche in die UNESCO-Welterbeliste eingeschrieben. Konkret handelt es sich dabei um den gesamten 1. Bezirk sowie das Ensemble Schloss Belvedere, Palais Schwarzenberg und Salesianerinnenkloster samt Gärten und umfasst rund 1600 Objekte der Inneren Stadt, der Ringstraße und daran angrenzender Gebiete.

(ii) Die urbanen und architektonischen Qualitäten des historischen Zentrums von Wien legen ein außergewöhnliches Zeugnis von einem anhaltenden Werteaustausch im Laufe des zweiten Jahrtausends ab.

(iv) Drei Schlüsselperioden in Europas kultureller und politischer Entwicklung – Mittelalter, Barock und Gründerzeit – werden im urbanen und architektonischen Erbe des historischen Zentrums von Wien außerordentlich gut veranschaulicht.

(vi) Seit dem 16. Jahrhundert ist Wien universell als musikalische Hauptstadt Europas anerkannt.

Seit 2017 befindet sich das historische Zentrum von Wien auf der "Roten Liste" des gefährdeten Welterbes. Grund dafür sind die städtebaulichen Entwicklungen seit der Einschreibung, die den außergewöhnlichen universellen Wert bedrohen - allen voran das Bauprojekt am sogenannten "Heumarkt".

© pixabay.com
© pixabay.com
© pixabay.com

LORENZ, Helmut: Barockarchitektur in Wien und im Umkreis der kaiserlichen Residenzstadt. In: GUTKAS, Karl (Hg.): Prinz Eugen und das barocke Österreich. Salzburg 1985.
SCHWARZ, Mario/WEHDORN,Manfred: 101 Restaurierungen in Wien. Arbeiten des Wiener Altstadterhaltungsfonds 1991-1999. Wien 2000.
SWOBODA, Hannes (Hg.), Wien. Identität und Stadtgestaltung. Wien/Graz/Köln 1990.VOCELKA, Karl: Wiens Trümmerjahre, Wien/München 1985.


Weiterführende Links

UNESCO World Heritage List Historisches Zentrum von Wien