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Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki
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Lechtaler Heil- und Nutzpflanzenwissen
Umgang mit der Natur in Tirol, aufgenommen 2026

Bis heute bündelt sich im Tiroler Lechtal ein umfangreiches Wissen über heimische Heilpflanzen und ihre Anwendung. Die sogenannten „Lechtaler Grasberge“ zählen zu den artenreichsten Bergwiesen der Alpen und bilden die Grundlage für ein über Jahrhunderte tradiertes Wissen über die Heilwirkung von Pflanzen. Weitergegeben werden dabei nicht nur Kenntnisse über die Anwendung von Pflanzen wie der „Bergwolle“ (Samenfäden der Quendelblättrigen Weide) zur Wundheilung oder von „Asthmablättern“ (getrocknete Blätter des Huflattichs) bei Atemwegserkrankungen, sondern auch regionale Pflanzennamen und mundartliche Merksprüche.

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Die außergewöhnliche Vielfalt an Heilpflanzen im Lechtal ist ein Zusammenspiel von Mensch und Natur. Einerseits schaffen Gesteinsschichten, Höhenstufen und Mikroklimate, sowie die besondere Lage zwischen den Allgäuer und Lechtaler Alpen vielfältige Lebensräume. Andererseits war für deren Erhalt die traditionelle Bewirtschaftung durch die bäuerliche Bevölkerung mitunter entscheidend. Durch die Mahd der Bergmähder, die extensive Nutzung der Wiesen und die saisonale Beweidung der Almen entstand allmählich die jetzt vorzufindende Kulturlandschaft. Die daraus hervorgegangene Artenvielfalt bildet bis heute eine wichtige Grundlage für das Heilpflanzenwissen der Region. Bis zur Gründung der Stiftung „Wundarzt“ durch Johann Anton Falger im Jahr 1840, die eine erste provisorische medizinische Versorgung im Tal ermöglichte, war die Anwendung pflanzlicher Heilmittel, insbesondere in den abgelegenen Teilen des Lechtals, ein wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Aus dieser Notwendigkeit entwickelte sich ein umfassendes Wissen darüber, Pflanzen zu erkennen, geeignete Pflanzenteile zu sammeln und daraus Tees, Tinkturen, Öle oder Salben herzustellen. Auch Tieren wurden und werden Kräuter bei bestimmten Krankheitsanzeichen verabreicht. Die Herstellung und Verwendung von Kräuterprodukten und Lebensmitteln aus heimischen Pflanzen steht bis heute für eine Kultur der Selbstversorgung und einen bewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen der Region. Das Heilpflanzenwissen verbindet Kenntnisse über Gesundheit und Ernährung mit Wissen über die heimische Landschaft. Regionale Pflanzennamen, überlieferte Anwendungen und mundartliche Merksprüche verdeutlichen seine kulturelle Verankerung. Ein Beispiel ist der im Lechtal überlieferte Spruch über die Wirkung des Johanniskrauts: „Johanniskraut wia d’Sunna geal, macht ruhiger s’Fuir und friedlig d’Seal.“

Die Weitergabe dieses umfangreichen Natur- und Erfahrungswissens erfolgt mündlich und praktisch innerhalb von Familien und Vereinen wie beispielsweise den „Kräuterhexen“, einem Verein von Kräuterexpertinnen. Aber auch Bezirksbäuerinnen, lokale Produzent*innen und die Lechtaler Kräuter- und Heilpflanzenschule vermitteln in Führungen, Workshops, Kursen und weiteren Bildungsangeboten Wissen über Heilpflanzen, ihre Anwendung und Verarbeitung sowie über geeignete Sammelorte und Erntezeitpunkte.

Kontakt

Josef Wildanger
Hägerau 9
6655 Steeg
j.wildanger@lechmed.at
Elke Klages
Untergiblen 19a
klageselke@aon.at

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Aktuelle Publikation Österreichisches Verzeichnis 2024–2025


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