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Medienvielfalt

 
Foto: © iStock.com

UNESCO-Weltbericht "Freedom of Expression and Media Development" veröffentlicht

Alle vier Jahre veröffentlicht die UNESCO einen umfassenden Bericht zu globalen Entwicklungen im Bereich Meinungsfreiheit und Medienentwicklung. Der aktuell erschienene Bericht umfasst die Jahre 2022-2025 und zeigt weltweit eine deutliche Verschlechterung der Situation. Seit 2012 hat sich der Global Freedom of Expression Index um 10% verschlechtert.

Mit dem im Dezember 2025 veröffentlichten Weltbericht zu Meinungsfreiheit und Medienentwicklung 2022/2025 legt die UNESCO eine umfassende, datenbasierte Analyse zur globalen Lage von Pressefreiheit, Informationszugang und journalistischer Arbeit vor. Der Bericht steht unter dem Titel „Journalism: Shaping a World at Peace“ und macht deutlich: Freier, unabhängiger und pluralistischer Journalismus ist unverzichtbar für Demokratie, Menschenrechte und die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. 

Alarmierender globaler Trend

Der Bericht zeigt eine historisch beispiellose Verschlechterung der Meinungs- und Pressefreiheit. Der globale Freedom of Expression Index ist seit 2012 um 10 % gesunken – ein Rückgang, der laut UNESCO nur mit außergewöhnlichen Krisenphasen wie den Weltkriegen oder der Hochphase des Kalten Krieges vergleichbar ist. Besonders seit 2020 hat sich diese Entwicklung deutlich beschleunigt. Diese Erosion geht einher mit einer Schwächung demokratischer Institutionen, wachsender Polarisierung, sinkendem Vertrauen in Medien sowie zunehmendem Druck auf Journalist*innen weltweit. Rund 85 % der Weltbevölkerung leben heute in Ländern, in denen sich die Pressefreiheit in den vergangenen Jahren verschlechtert hat. 

Gewalt, Einschüchterung und Exil

Ein zentrales Thema des Berichts ist die Sicherheit von Journalist*innen. Zwischen 2022 und 2025 wurden weltweit hunderte Medienschaffende getötet, mehr als die Hälfte davon in Konflikt- und Kriegsgebieten. In über acht von zehn Fällen bleiben diese Verbrechen straflos, was Gewalt weiter begünstigt und sogenannte „Zonen des Schweigens“ entstehen lässt. 

Besonders betroffen sind Journalistinnen, die überproportional häufig Ziel von digitaler Gewalt, Einschüchterung und sexualisierter Bedrohung sind. Gleichzeitig nimmt die Zahl jener Journalist*innen zu, die gezwungen sind, ihre Heimatländer zu verlassen, um weiter frei berichten zu können. 

Digitalisierung, KI und Desinformation

Der Bericht analysiert ausführlich die Rolle digitaler Plattformen und neuer Technologien. Generative künstliche Intelligenz verändert Informationsproduktion und -verbreitung grundlegend. Während technologische Innovationen neue Zugänge zu Information ermöglichen, verstärken sie zugleich Desinformation, Hassrede und ökonomischen Druck auf Qualitätsmedien 

Der Bericht betont, dass die Sicherung von Informationsintegrität – also verlässlicher, überprüfbarer und öffentlicher Information – eine zentrale Zukunftsaufgabe darstellt. Dazu zählen transparente Regulierung von (großen) Online-Plattformen, nachhaltige Absicherung unabhängiger Medien, Stärkung von Medien- und Informationskompetenz sowie Verantwortungsübernahme durch Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. 

Medienvielfalt und positive Gegenbewegungen

Trotz der besorgniserregenden Entwicklungen identifiziert der Bericht auch ermutigende Gegenströmungen. Dazu zählen der Ausbau von Community-Medien, die Entwicklung neuer Finanzierungsmodelle sowie internationale Initiativen zur Stärkung von Medienfreiheit und journalistischer Sicherheit. Zwischen 2020 und 2025 erhielten zudem rund 1,5 Milliarden Menschen erstmals Zugang zu sozialen Medien, was prinzipiell neue Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe eröffnet – immer vorausgesetzt, diese Informationsräume werden verantwortungsvoll gestaltet. 

Information als öffentliches Gut

Der Bericht knüpft an die Windhoek+30-Erklärung an, mit der UNESCO-Mitgliedstaaten Information ausdrücklich als öffentliches Gut anerkannt haben. Freier Zugang zu verlässlicher Information ist demnach eine Voraussetzung für Frieden, nachhaltige Entwicklung und gesellschaftlichen Zusammenhalt – und ein Kernanliegen der UNESCO seit ihrer Gründung. 

Bedeutung für Österreich & Initiative Plattform Medienvielfalt 

Für Österreich unterstreicht der Bericht die Notwendigkeit, Medienfreiheit, journalistische Unabhängigkeit und Medien- und Informationskompetenz auch im internationalen Kontext weiterhin aktiv zu unterstützen. Als UNESCO-Mitgliedsstaat trägt Österreich Verantwortung, globale Standards zu verteidigen und den freien Austausch von Ideen als Grundlage demokratischer Gesellschaften zu fördern. In diesem Sinne hat die Österreichische UNESCO-Kommission im Jahr 2024 die Initiative Plattform Medienvielfalt gestartet. In bislang sechs medienpolitischen Round Tables haben knapp 80 Expert*innen Empfehlungen für die nachhaltige Absicherung pluralistischer und demokratischer Medienlandschaften in Österreich entwickelt. 

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