Welttag der Wissenschaft für Frieden und Entwicklung am 10. November
Der Welttag 2025 steht unter dem Leitthema „Trust, Transformation, and Tomorrow: The Science We Need for 2050“ und möchte zur Reflexion über die Rolle der Wissenschaft bei der Gestaltung einer gerechten, nachhaltigen und friedlichen Zukunft anregen. Für die UNESCO braucht es dazu nichts weniger als einen neuen Gesellschaftsvertrag mit der Wissenschaft.
Seit 2001 begeht die UNESCO jedes Jahr am 10. November den Welttag der Wissenschaft für Frieden und Entwicklung – diesmal im Rahmen der Internationalen Dekade der Wissenschaften für nachhaltige Entwicklung (2024–2033) und unter dem Leitthema „Trust, Transformation and Tomorrow –The Science We Need for 2050“. Der diesjährige Welttag möchte zur Auseinandersetzung mit der Frage anregen, welche Art von Wissenschaft – und welches Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft – notwendig sind, um den Anforderungen der kommenden Jahrzehnte gerecht zu werden.
Vertrauen in die Wissenschaft weiter stärken
Eine umfangreiche aktuelle Studie, die im Rahmen des TISP Many Labs Project entstand, zeigt: Vertrauen in Wissenschafter*innen ist global betrachtet auf einem moderat hohen Niveau. Eine Mehrheit der über 70.000 Teilnehmer*innen der Studie befürwortet zudem, dass Wissenschafter*innen eine aktive Rolle in Politik und Gesellschaft spielen. Dieses Vertrauen muss bewahrt und weiter gestärkt werden. Denn die zunehmende Verbreitung von Des- und Misinformation, insbesondere online, hat das Potenzial, Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse zu untergraben.
Für eine Wissenschaft von Morgen bedeutet das: Der Dialog mit der Gesellschaft und die Wahrnehmung von Wissenschaft als Teil dieser Gesellschaft müssen gestärkt werden. Neben Maßnahmen gegen Des- und Misinformation sind vor allem Wissenschaftskommunikation und Beteiligungsmöglichkeiten, die allen Menschen offenstehen, wirkungsvolle Instrumente hierfür.
Wissenschaft braucht Freiheit und Sicherheit
Forschung gedeiht nur in einem Umfeld von Freiheit und Sicherheit. Wenn Wissenschafter*innen nicht sicher arbeiten können, sei es aufgrund vor Bedrohungen, Druck, Zensur oder mangelnder institutioneller Sicherheit, wird Forschung gehemmt, werden Kooperationen erschwert und bleiben Ergebnisse ungenutzt. Laut einer Umfrage der Organisation Global Witness (2023) berichteten 39 Prozent der befragten Klimaforscher*innen von Online-Belästigung. Der Bericht „Free to Think“ von Scholars at Risk zählt 409 dokumentierte Angriffe auf Hochschulgemeinschaften in 66 Ländern zwischen Juli 2022 und Juni 2023. Eine Wissenschaft für 2050 braucht daher Schutzmechanismen – für offene Debatten, für Forscher*innen und für internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft.
Die Potenziale von Mädchen* und Frauen* nutzen
Trotz Fortschritten machen Frauen weltweit nach wie vor nur etwa ein Drittel aller Forschenden aus, so die UNESCO. In vielen Ländern ist der Anteil sogar deutlich geringer. Diese Unterrepräsentation betrifft nicht nur individuelle Erwerbsbiografien, sondern Forschungsinhalte, Innovationspotenziale und die gesellschaftliche Wirkung von Wissenschaft. Für eine Wissenschaft von Morgen ist es daher zwingend, strukturelle Barrieren, denen sich Mädchen* und Frauen* gegenübersehen abzubauen, um alle Talente zu nutzen und Forschungsergebnisse gesellschaftlich legitimer und wirksamer zu machen.
Transformation durch neue Technologien und die Digitalisierung
Die Digitalisierung und neue Technologien wie künstliche Intelligenz verändern die Wissenschaft und die Gesellschaft. Sie bergen enorme Chancen, aber auch schwerwiegende Risiken: Ohne ein starkes ethisches Fundament und Regulierung kann der Einsatz von derartigen Technologien Ungleichheiten zwischen und innerhalb von Staaten verstärken. In der Wissenschaft können Digitalisierung und KI die Effizienz erhöhen – aber auch die Abhängigkeit von großen Technologieunternehmen. Für 2050 braucht es Technologien, die inklusiv, gerecht und unter Berücksichtigung ethischer Prinzipien gestaltet sind, um die Unabhängigkeit der Wissenschaft zu wahren und das Vertrauen in sie sicherzustellen.
Die Rolle der UNESCO
Die UNESCO betrachtet Wissenschaft als öffentliches Gut. Die genannten Herausforderungen adressiert die Organisation unter anderem über die Entwicklung von Instrumenten des Völkerrechts und die Umsetzung ihrer Programme. Sie setzt dabei auf verschiedenen Ebenen an:
- Mit der Empfehlung für Wissenschaft und wissenschaftliche Forscher*innen (2017) wurden Grundsätze für Freiheit, Verantwortung, Offenheit und Inklusion in der Wissenschaft formuliert.
- Die UNESCO Empfehlung zu Open Science (2021) unterstreicht die Bedeutung des Zugangs zu Daten und Finanzmitteln sowie von internationaler Zusammenarbeit, um das Potenzial von Wissenschaft zu erschließen und Wissenslücken in und zwischen Ländern zu schließen. Wissenschaft soll gemäß der Empfehlung offener, inklusiver und diverser gestaltet werden.
- Mit dem Programm zur Freiheit und Sicherheit von Wissenschafter*innen adressiert die UNESCO die strukturellen Bedingungen, unter denen Wissenschafter*innen tätig sind, und tritt für verbesserte Schutzmechanismen ein.
- Mit der UNESCO Empfehlung zur Ethik der Künstlichen Intelligenz (2021) werden entscheidende Impulse gesetzt, um Wissenschaftssysteme weltweit auf die Herausforderungen und Möglichkeiten von KI vorzubereiten. An der Österreichischen UNESCO-Kommission befasst sich der Fachbeirat Ethik der KI mit der Umsetzung der Empfehlung.
- Als „Global Priority“ steht Geschlechtergerechtigkeit in allen Programmen der UNESCO im Fokus. Die Organisation fördert insbesondere den Weg von Mädchen* und Frauen* in die Wissenschaft und zeichnet exzellente Forscherinnen* für ihre Arbeit aus, beispielsweise im Rahmen des Programms L'Oréal-UNESCO For Women in Science. In Österreich werden jährlich vier L'Oréal Österreich Stipendien an junge Grundlagenforscherinnen vergeben.
- Mit ihren (assoziierten) Forschungsinstitutionen und UNESCO-Lehrstühlen hat die Organisation ein globales Netzwerk von Partner*innen, die Wissenschaft im Sinne der Förderung von Frieden und nachhaltiger Entwicklung betreiben. Auch die 13 UNESCO-Lehrstühle in Österreich leisten einen wesentlichen Beitrag zu wissenschaftlicher Teilhabe, Frieden und Dialog.
Gemäß Artikel 27 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat jeder Mensch das Recht, „[…] am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.“ Auch der Welttag der Wissenschaft für Frieden und Entwicklung ruft dazu auf, Wissenschaft und ihre Ergebnisse zugänglicher zu machen und zum Nutzen aller Menschen einzusetzen („leaving no one behind“) – heute wie in Zukunft.
Veranstaltung zum Welttag 2025
Die UNESCO begeht den Welttag mit einer Veranstaltung zum diesjährigen Leitthema am 10. November von 09:15-10:50 Uhr im Rahmen der 43. Generalkonferenz der Organisation in Samarkand sowie online: Live-Übertragung. Diskutiert werden sollen Grundlagen für einen neuen Gesellschaftsvertrag mit der Wissenschaft, der auf öffentlichem Vertrauen, diversifizierten Finanzierungsquellen, einem transformierten wissenschaftlichen Paradigma, offenen Wissenschaftspraktiken, ethischer Verantwortung und inklusivem Engagement basiert.
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