Welttag der Philosophie am 20. November
Die Philosophie ist nicht nur eine jahrtausendealte Wissenschaft, sie ist auch eine lebendige Praxis, die zu kritischem und unabhängigem Denken anregt und dadurch zu interkulturellem Dialog, Frieden und Toleranz beiträgt.
Die UNESCO begeht den Welttag der Philosophie seit 2005 jedes Jahr am dritten Donnerstag im November. Mit dem Welttag öffnet die UNESCO den Blick für die Vielfalt des menschlichen Denkens und macht auf globale Denktraditionen aufmerksam. Gemeinsam mit anderen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen trägt die Philosophie dazu bei, Denkmuster zu hinterfragen und sich kritisch mit dem Menschsein auseinanderzusetzen. Auf der Suche nach Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit und die vielfältigen Transformationsprozesse in Technologie, Politik, Umwelt und Gesellschaft kann sie gerade heute eine wichtige Orientierungshilfe bieten. Der Philosophie kommt auch eine zentrale Rolle bei der Definition ethischer Grundsätze zu, an denen Menschen ihr Handeln orientieren können.
"In order to build a better world, to move towards an ideal of peace, we know that we must adopt a philosophical approach – namely, we must question the flaws of our world, beyond the tumult of crises. Philosophy is therefore essential when it comes to defining the ethical principles that should guide humanity [...]"
Audrey Azouley, UNESCO-Generaldirektorin (2017-2025)
Ethik in Wissenschaft und Technologie
Die UNESCO engagiert sich seit jeher für einen breiten Dialog zu ethischen und sozialen Fragen wie auch Normsetzungen. Ihr erklärtes Ziel ist die Förderung verantwortungsvollen Handelns in Wissenschaft und Forschung auf Basis der Menschenrechte und die internationale Abstimmung über entsprechende Werte und Prinzipien. Im Bereich der Lebenswissenschaften wurden hierzu der Internationale Ausschuss für Bioethik (IBC) und der Zwischenstaatliche Ausschuss für Bioethik (IGBC) eingerichtet. Der IBC erarbeitete zuletzt die „Allgemeine Erklärung über Bioethik und Menschenrechte“ (2005). Vorangegangen waren die „Allgemeine Erklärung über das menschliche Genom und Menschenrechte“ (1997) und die „Internationale Erklärung über humangenetische Daten“ (2003). Österreichs langjährige aktive Teilnahme an den UNESCO-Bioethikprogrammen ist für die internationale Vernetzung sowie den nationalen wissenschaftlichen Diskurs im Bereich der Biowissenschaften von großer Bedeutung. Im IBC war Österreich zwei Mal durch Dr. Christiane Druml vertreten. Seit 2015 ist sie Inhaberin des UNESCO-Lehrstuhls für Bioethik an der Medizinischen Universität Wien.
Neben dem UNESCO-Bioethik-Programm zählt die Weltkommission für Ethik in Wissenschaft und Technologie (COMEST) zu den wichtigsten Programmen und Gremien der Organisation im Bereich der Ethik. Philosophie bildet auch eine der zentralen Säulen des UNESCO-Programms für das Management sozialen Wandels (MOST), das die Schnittstelle von Wissenschaft und Politik stärken möchte.
Zuletzt griff die UNESCO globale Entwicklungen im Bereich neuer Technologien auf. Um zu gewährleisten, dass diese Technologien dem Gemeinwohl dienen – ganz im Sinne des Diktums „leaving no one behind“ – verabschiedeten die Mitgliedstaaten der UNESCO im Jahr 2021 die Empfehlung zur Ethik der Künstlichen Intelligenz (KI). Die Empfehlung ist der erste global ausverhandelte Völkerrechtstext seiner Art und unterstützt als ethischer Leitfaden dabei, die Menschenrechte in allen Lebensbereichen, die von KI berührt werden, zu schützen und aktiv zu fördern. Im Rahmen ihrer 43. Generalkonferenz im November 2025 beschloss die UNESCO zudem eine Empfehlung zur Ethik der Neurotechnologie, mit der die Organisation dafür eintritt, das Potenzial dieser Technologie zum Wohl aller Menschen nutzen.
Veranstaltungen am Welttag der Philosophie
Die UNESCO feiert den Welttag der Philosophie am 20. November in Paris mit einer Keynote von Prof.in Ingrid Robeyns (Universität Utrecht, Niederlande) über die Ethik der Ungleichheit und über Werte, die zukünftige Gesellschaften prägen. Die UNESCO überträgt die Veranstaltung online: Link zur Übertragung
Die Österreichische UNESCO-Kommission tritt dieses Jahr erneut als Schirmherrin über die Leibniz Lecture der Österreichischen Akademie der Wissenschaften auf. Der Philosoph Ali Benmakhlouf (Mohammed VI Polytechnische Universität, Marokko) wird im Rahmen der diesjährigen Lecture über die heutige Relevanz der Klassischen Arabischen Philosophie sprechen. Die öffentliche Veranstaltung findet am 20. November ab 18.00 Uhr an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien statt. Alle Details sowie die Einladung finden sie auf der Veranstaltungsseite: Link zur Veranstaltungsseite