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UNESCO

United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization  
Foto: © UNESCO / N. Houguenade

Internationaler Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft: Forscherinnen im Kampf gegen COVID-19

Jährlich wird am 11. Februar der UN-Welttag “International Day of Women and Girls in Science” begangen, um Frauen und Mädchen in den Wissenschaften zu fördern. Weltweit sind Wissenschaft und Forschung – allen voran die MINT-Fächer – weiterhin stark männlich dominiert. Um der globalen COVID-19 Pandemie zu begegnen, brauchen wir die hellsten Köpfe - und das wertvolle Potenzial der weiblichen Forscherinnen auf der ganzen Welt.

Sexistische Vorurteile und traditionelle Geschlechterrollen tragen dazu bei, dass Frauen auf dem Weg in ihre wissenschaftliche Karriere Hürden gestellt werden, oder dass junge Mädchen überhaupt nicht auf die Idee kommen, eine solche ernsthaft zu verfolgen. Die UNESCO sowie UN Women haben daher gemeinsam mit weiteren Institutionen und zivilgesellschaftlichen Partnern den Welttag ausgerufen, um auf diesen Missstand hinzuweisen und Mädchen und Frauen zu ermutigen und zu fördern. Anlässlich des Welttages melden sich herausragende Forscherinnen und Preisträgerinnen des UNESCO-L'ORÉAL Österreich FOR WOMEN IN SCIENCE Stipendiums zu Wort.

Forscherinnen gegen COVID-19

Der Ausbruch der COVID-19 Pandemie hat klar gezeigt, dass Forscherinnen in den unterschiedlichsten Aspekten im Kampf gegen die Pandemie eine bedeutende Rolle spielen – von der Vertiefung des Wissens über das Virus, über das Entwickeln von Techniken für das Testen bis hin zur Schaffung von Impfstoffen. Gleichzeitig hat die Pandemie Frauen in Wissenschaft und Forschung zurückgeworfen. Vor allem jene Forscherinnen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen, sind massiven Benachteiligungen ausgesetzt.

Weltweit sind nach wie vor weniger als 30 % der Forschenden weiblich. Obwohl weltweit mehr Mädchen denn je die Schule besuchen, sind Frauen in den zukunftweisenden MINT-Fächern – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik – noch immer stark unterrepräsentiert. Diese Bereiche können maßgeblich dazu beitragen, in Zeiten der weltweiten COVID-19 Gesundheitskrise neue Antworten zu finden und Leben zu retten.

Um den großen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen – sei es der Ausweg aus der COVID-19-Krise, der Klimakrise, dem Umgang mit Globalisierung oder anderen aktuellen Themen – brauchen wir den Einsatz und die Expertise der hellsten Köpfe. Dazu muss der Pool an talentierten Forscher*innen erweitert werden, um frische Ideen und neue Perspektiven einzubringen.

Vielfalt in der Forschung ist eine wichtige Ressource, von der wir alle profitieren. Damit Mädchen und Frauen der Weg zu innovativen und zukunftsweisenden Forschungsgebieten offensteht, müssen wir Vorurteile bekämpfen, Investitionen im Bereich der Lehrer*innenbildung tätigen und Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung vorantreiben.

Mehr Frauen in die Wissenschaft

In Österreich haben  Frauen hinsichtlich des Ausbildungsniveaus stark aufgeholt: Die aktuellsten Zahlen von Statistik Austria belegen, dass 57,3% der Maturaabschlüsse von Frauen abgelegt und 54,8% der Studienabschlüsse an österreichischen Universitäten von Frauen erworben wurden. Dennoch sind Frauen in Wissenschaft und Forschung deutlich unterrepräsentiert. Während an den heimischen Hochschulen heutzutage mehr Frauen als Männer studieren, ist das Geschlechterverhältnis unter Absolventinnen und Absolventen eines PhD- oder Doktoratsstudiums mit einem Frauenanteil von 42,3% noch nicht ausgeglichen. Österreich liegt im EU-Ranking an drittletzter Stelle und weist zudem einen geringeren Anstieg des Frauenanteils auf. In den MINT-Fächern ist die Situation noch problematischer; hier liegt der Frauenanteil bei nur 29,5%.
Der Abbau von Hindernissen im privaten Umfeld sowie im Unterricht und am Arbeitsplatz, sind wichtige Instrumente zur Bekämpfung der geschlechtsspezifischen Ungleichheit in den Wissenschaften. Starke Vorbilder spielen eine zentrale Rolle beim Hinterfragen von Stereotypen und Einstellungen.

For Women in Science

Im Jahr 1998 hat die UNESCO gemeinsam mit L’ORÉAL die internationale Initiative For Women in Science ins Leben gerufen. Seit nunmehr 23 Jahren werden jährlich fünf herausragende Forscherinnen aus der ganzen Welt für ihre exzellente Arbeit in der Grundlagenforschung geehrt. Die Initiative will damit Frauen vor den Vorhang holen, um die öffentliche Aufmerksamkeit und das Bewusstsein für die bedeutenden Leistungen der Forscherinnen zu stärken.
Eine der For Women in Science-Preisträgerinnen wurde letztes Jahr besonders geehrt: Der französischen Mikrobiologin, Genetikerin und Biochemikerin Emanuelle Charpentier wurde 2020 für die Entwicklung der „Genschere“ CRISPR/Cas9 zusammen mit Jennifer A. Doudna der Nobelpreis für Chemie zugesprochen. Zum Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft sagt die Forscherin:

"Ich wünsche mir, dass dieser Tag eine positive Message an all die jungen Mädchen sendet, die den Weg in die Wissenschaft wagen möchten, damit sie sehen: Frauen können in der Wissenschaft etwas bewegen!“

Emanuelle Charpentier
(Nobelpreisträgerin der Chemie)
 

UNESCO-L'ORÉAL-Stipendien

Die Österreich-Initiative der UNESCO-L'ORÉAL Österreich FOR WOMEN IN SCIENCE Stipendien versteht sich als nationale Erweiterung des gemeinsamen, weltweiten Engagements von L’ORÉAL und UNESCO zur Würdigung des Beitrags von Frauen für die Forschung und zum Abbau von Karriere-Hindernissen für heimische Wissenschaftlerinnen. Seit 2007 vergibt L’ORÉAL Österreich in Kooperation mit der Österreichischen UNESCO-Kommission, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung jährlich vier Stipendien für junge Grundlagen-Forscherinnen in den Bereichen Medizin, Naturwissenschaften, Mathematik.

Mein Weg in die Forschung: Stipendiatinnen melden sich zu Wort

Wir haben die aktuellen Stipendiatinnen des Jahres 2020 gefragt, wie sie ihren Weg in die Forschung gefunden haben, was sie dabei erleben und was sie jungen Mädchen und Frauen raten würden, die sich für Wissenschaft und Forschung interessieren.

An dem heutigen Tag möchte ich mich erst bei allen Frauen bedanken, die mir in meinem Leben bis jetzt Vorbild waren und sind. Während meines Studiums habe ich die Wissenschaft als ein aufregendes Gebiet kennen gelernt, in dem es noch so vieles zu erkunden und entdecken gilt. Auch wenn vieles sehr herausfordernd sein kann, mit Neugier, Begeisterung und Durchhaltevermögen ist die Arbeit als Forscherin sehr erfüllend, spannend und abwechslungsreich! Liebe Mädchen, manchmal ist es schwer zu sehen, aber euch stehen alle Türen in der Forschung offen. Nutzt Sie, folgt eurem Interesse und schafft eure Rahmenbedingungen, um euch selbst zu verwirklichen. Sollten die Herausforderungen einmal zu groß scheinen, haltet inne und sucht euch Unterstützung! Denn schließlich gibt es für jedes Problem eine Lösung. 

Veronika Pedrini-Martha
(Biologin, Spezialgebiet: Molekulare Ökophysiologie)

Bereits in der Schule konnte ich mich für Mathematik und Informatik begeistern. Die Tatsache, dass es in diesen Bereichen kaum andere Mädchen gab, war für mich dabei nicht wichtig. Ich hatte dies zunächst sogar gar nicht wirklich wahrgenommen und daher auch die Wahl meiner Studienfächer diesbezüglich nicht hinterfragt. Im Studium hatte ich dann die merkwürdige Situation, dass ich in einer Informatikvorlesung mit etwa 100 Studierenden meine Klausur bei der Einsicht einfach so ausgehändigt bekommen habe, ohne nach dem Namen gefragt zu werden. Auf meine Verwunderung sagte mir der Dozent: „Ihr Geschlecht identifiziert Sie eindeutig“.
Seit diesem Erlebnis habe ich mich eingehender mit der Situation von Frauen in MINT-Fächern beschäftigt und meine Vorbildfunktion für andere Mädchen und Frauen bewusster wahrgenommen. Ich freue mich zu sehen, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Studentinnen sehr erfolgreich an meinen Vorlesungen teilgenommen haben. Dies zeigt meiner Meinung nach, dass sich die unermüdliche Arbeit, welche unter anderem von Programmen wie „For Women in Science“ geleistet wird, lohnt und das Potenzial von hochqualifizierten Frauen in den MINT-Fächern noch lange nicht ausgeschöpft ist.

Sandra Müller
(Logikerin, Spezialgebiet: Mengenlehre)

Egal wofür man sich als junge Frau interessiert, ich würde jeder raten dem eigenen Bauchgefühl zu folgen und ihrer Leidenschaft nachzugehen. Oft sind es nicht einmal offensichtliche Dinge, die einem vielleicht vermitteln, dass man für ein gewisses Fachgebiet nicht gut geeignet ist, sondern es sind unscheinbare Details. Wenn man als junge Frau Hemmungen spürt einen gewissen Beruf anzustreben, sollte man sich gründlich überlegen woran das liegen könnte. Meiner Meinung nach fehlen meistens einfach Vorbilder mit denen man sich identifizieren kann!
Zum Glück ändern sich die Dinge aber spürbar und jede junge Frau, die sich für MINT Fächer interessiert, kann selbst zu einem Vorbild für andere werden und ihren Traumberuf ausüben. Ich will ehrlich sein, es gibt noch viel zu tun, so startet man im Studium vielleicht mit einer ganz ausgeglichenen Geschlechterrate, aber je weiter nach oben die Karriereleiter geht, desto weniger Frauen findet man, und ich habe auch das Gefühl, dass der Weg für Frauen steiniger ist. Meine persönliche Erfahrung ist aber, dass man nie allein ist und ich hatte das Glück sehr engagierte und mitfühlende Vorgesetzte und Kolleginnen zu haben die ich mir immer wieder zum Vorbild nehme konnte.
Ich bin mir sicher, dass man gerade dann, wenn man das Gefühl hat, wo nicht dazu zu passen, in Wirklichkeit sehr viel in diesem Gebiet beitragen kann. Die Forschung lebt nämlich von der Vielfalt! 

Alexandra Franziska Gülich
(Biologin, Spezialgebiet: Immunologie)
 

Mein Interesse an Chemie und Physik wurde durch meinen Bekanntenkreis geweckt. zusätzlich bekam ich als Schülerin die Chance, mir durch zwei "Frauen in die Technik"-Ferialpraktika ein erstes Bild vom Arbeitsumfeld auf der Technischen Universität zu machen. Ich habe meine Entscheidung für ein naturwissenschaftliches Studium nie bereut – im Gegenteil.
Meine Arbeit ist sehr interessant und immer wieder aufs Neue spannend. Man hat die Möglichkeit, an gesellschaftlich wichtigen Themen zu forschen, beispielsweise an klimarelevanten Problemstellungen wie der künstlichen Photosynthese, wie ich es im Rahmen einer transregionalen Kollaboration tun konnte. Derzeit erforsche ich – dank des L'Oréal-UNESCO-Stipendiums – energieeffiziente lichtemittierende Moleküle für OLEDs. Ich kann jedem Mädchen nur raten, den Mut zu haben, die eigenen Ziele zu verfolgen und sich an eine wissenschaftliche Karriere zu wagen.

Anna Maria Wernbacher
(Chemikerin, Spezialgebiet: Theoretische Chemie)

UNESCO-Event: Women scientists at the forefront of the fight against COVID-19

Die UNESCO begeht den Welttag mit einem öffentlichen Online-Event, das Forscherinnen vorstellt, die sich im Kampf gegen die Pandemie verdient gemacht haben. Anschließend werden in einer Podiumsdiskussion die Auswirkungen der Pandemie auf Forscherinnen thematisiert. Die Registrierung ist offen: Zur Anmeldung.

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