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UNESCO

 
Foto: © UNESCO / M. Ravassard

Internationaler Tag der Bildung: UNESCO-Bericht zeigt große Lücke bei der Beteiligung junger Menschen an Bildungsentscheidungen

Der neue UNESCO-Bericht macht deutlich, dass junge Menschen weltweit nur unzureichend an bildungspolitischen Entscheidungsprozessen beteiligt sind. Zwar verfügen viele Länder über formale Konsultationsmechanismen, doch diese führen selten zu echter Mitsprache oder messbarem Einfluss auf Bildungsgesetze und -politiken, die die Zukunft junger Generationen prägen.

Der Bericht Lead with Youth, veröffentlicht zum Internationalen Tag der Bildung, wurde vom UNESCO-Weltbildungsbericht-Team (GEM Report) in Zusammenarbeit mit dem UN-Jugendbüro erstellt. Er reagiert auf die Jugenddeklaration des „Transforming Education Summit 2022“ und liefert erstmals eine globale Bestandsaufnahme zur Einbindung von Jugend- und Studierendenorganisationen in bildungspolitische Entscheidungsprozesse.

Grundlage der Analyse sind Umfragen unter Regierungen sowie unter rund 500 Jugend- und Studierendenorganisationen weltweit. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz: Während etwa 60 Prozent der befragten Jugendorganisationen angaben, in politische Prozesse einbezogen worden zu sein, berichteten nur 35 Prozent, dass ihre Rückmeldungen tatsächlich in die finalen Entscheidungen eingeflossen seien. Insgesamt fühlen sich lediglich 20 Prozent als echte, gleichwertige Partner*innen in der Bildungspolitik – Schüler*innenvertretungen äußerten die geringste Zufriedenheit.

Auch auf staatlicher Ebene offenbart der Bericht strukturelle Defizite. Von 93 antwortenden UNESCO-Mitgliedstaaten verfügt nur etwa ein Drittel über Gesetze oder verbindliche Regelungen, die Jugendbeteiligung formell verankern. Zwar haben vier von fünf Ländern Konsultationsmechanismen eingerichtet, doch diese bleiben häufig symbolisch. Besonders verbreitet sind verbindliche Beteiligungsstrukturen in wohlhabenden Ländern, liberalen Demokratien und überraschenderweise in alternden Gesellschaften.

Gleichzeitig dokumentiert der Bericht positive Beispiele, in denen echte Jugendbeteiligung zu wirksamen politischen Ergebnissen geführt hat – etwa in den Bereichen psychische Gesundheit, indigene Bildung, Handynutzung an Schulen oder Stipendienprogramme. Erfolgreiche Mitgestaltung zeigt sich zudem in Schüler*innen- und Studierendenvertretungen, Jugendbewegungen, zivilgesellschaftlichen Initiativen und politischen Gremien.

Vor dem Hintergrund der anstehenden Debatten über die Bildungsagenda nach 2030 betont die UNESCO die zentrale Rolle junger Menschen als wichtigste Stakeholder des Bildungssystems. Der Bericht spricht sich für verbindliche rechtliche Rahmenbedingungen, transparente und inklusive Beteiligungsprozesse sowie eine stärkere Einbindung junger Menschen auch in der Umsetzung von Bildungspolitik aus. Zudem seien Investitionen in politische Bildung, Organisationsstrukturen und institutionelle Unterstützung notwendig.

Der Internationale Tag der Bildung, der unter dem Motto „Die Kraft der Jugend bei der Mitgestaltung von Bildung“ steht, soll diesen Ansatz sichtbar machen: Bildungspolitik soll künftig nicht nur für junge Menschen, sondern gemeinsam mit ihnen entwickelt werden.

Internationaler Tag der Bildung 2026

Der Internationale Tag der Bildung 2026 stellt die Rolle junger Menschen als Mitgestaltende von Bildungssystemen in den Mittelpunkt. Er betont, dass Jugendliche und Studierende nicht nur Empfänger*innen von Bildung sein sollen, sondern aktive Partner*innen bei der Entwicklung, Gestaltung und Umsetzung von Bildung auf allen Ebenen – von der Schule über nationale Politiken bis hin zu internationalen Programmen. 

1. Jugend als zentrale Akteur*innen der Bildungszukunft
Junge Menschen unter 30 machen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung aus und tragen erheblich zu Innovation, sozialem Wandel und nachhaltiger Entwicklung bei. Trotz dieser Bedeutung erleben viele Jugendliche sozioökonomische Barrieren, die ihren Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung und guten Arbeitsmöglichkeiten einschränken. 

2. Mitgestaltung statt bloßer Teilhabe
UNESCO plädiert dafür, dass Jugendliche nicht nur konsultiert werden, sondern echte Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsrechte bei Bildungsfragen erhalten. Das bedeutet:

  • Beteiligung bei Curriculum-Design, Bildungspolitik und Entscheidungsprozessen,
  • Transparente Strukturen zur Einbindung junger Menschen,
  • Ressourcen und Feedback-Mechanismen, um ihre Beiträge wirkungsvoll umzusetzen. 

3. Relevanz in einer transformierten Welt
In einer Zeit tiefgreifender technologischer, sozialer und ökonomischer Veränderungen müssen Bildungssysteme neu gedacht werden – mit Blick auf Zukunftskompetenzen wie kritisches Denken, digitale Fähigkeiten und Nachhaltigkeitsbewusstsein. Jugendbeteiligung wird als Schlüssel verstanden, um Bildungssysteme zukunftsfähig, relevant und gerecht zu machen. 

4. Verknüpfung mit globalen Zielen
Das Thema „Youth in Co-Creating Education“ steht im Einklang mit der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, insbesondere mit Ziel 4 (inklusive, gerechte, hochwertige Bildung für alle). Die UNESCO sieht die Jugend als Agent*innen des Wandels, die bei der Erreichung dieser globalen Ziele eine tragende Rolle spielen. 

FULL Report: https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000396964 

© (c) GEM Report