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Österreichische UNESCO-Kommission

 

Rückschau: Welterbe-Expert*innentreffen europäischer UNESCO-Kommissionen in Wien

Von 4. bis 6. Februar 2026 fand in Wien das erste Vernetzungstreffen europäischer UNESCO-Kommissionen zum Thema UNESCO-Welterbe statt.

Auf Einladung der Österreichische UNESCO-Kommission und der Netherlands Commission for UNESCO trafen sich Expert:innen 22 Expert*innen aus 17 europäischen Staaten unter dem Motto „Connect – Share – Learn“, um sich auf operativer Ebene zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Strategien im Rahmen der Umsetzung der Welterbekonvention zu entwickeln. Im Mittelpunkt standen Fragen der Zusammenarbeit, der Einbindung lokaler Gemeinschaften sowie der Rolle der Nationalkommissionen im internationalen Kontext des Welterbes.

Kompetenzen sichtbar machen – Expertise vernetzen

Die erste thematische Session widmete sich der Frage, wie vorhandene Kompetenzen innerhalb der Nationalkommissionen besser erfasst und genutzt werden können. Mehrere Delegierte wiesen darauf hin, dass viele Kommissionen personell klein aufgestellt sind, was die Erfüllung der vielfältigen Aufgaben im Rahmen der verschiedenen UNESCO-Konventionen und Programme – vom Welterbe über Geoparks bis zu Biosphärenreservaten – vor Herausforderungen stellt.

Dabei zeigte sich ein gemeinsames Bedürfnis nach besserer Koordination zwischen Behörden, nationalen Focal Points, zuständigen Stellen und den Nationalkommissionen selbst, um Kommunikationsprozesse zu stärken und die Zusammenarbeit effizienter zu gestalten. Häufig fungieren Nationalkommissionen als erste Anlaufstelle für Anliegen aus der Zivilgesellschaft und vermitteln zwischen lokalen Akteur*innen und staatlichen Institutionen.

Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass die Kooperation über Programmbereiche hinweg – etwa zwischen Welterbe, UNESCO-Schulen, Biosphärenreservaten und Geoparks – von großer Bedeutung ist, um Synergien zu schaffen und Ressourcen sinnvoll zu bündeln.

Lokale Gemeinschaften einbinden: Best Practices aus Europa

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der aktiven Einbindung lokaler Gemeinschaften („communities“). Präsentationen aus Tschechien, Deutschland, Spanien, Zypern, Litauen, Lettland, Polen, den Niederlanden, Luxemburg, der Slowakei und der Ukraine zeigten die Vielfalt an Herangehensweisen.

Die Bandbreite der Aktivitäten und Maßnahmen der verschiedenen Nationalkomissionen spricht für sich: Neben Freiwilligenprojekte, Aktionstagen und -wochen, themenspezifischen Publikationen oder Essaywettbewerben wurden auch niederschwellige Formate wie Quiz-Abende oder Kinderbücher präsentiert, die unterschiedlichste Zielgruppen für das Thema aktivieren sollen. Thematisiert wurden darüber hinaus auch Ansätze für Unterrichtsmaterialien, künstlerische Projekte an der Schnittstelle von Welterbe zu zeitgenössischer Kunst oder strategische Partnerschaften, die neue Zielgruppen erschließen und den Aktionsradius von Nationalkommissionen erhöhen können.

Ein gemeinsamer Nenner aller Beiträge: UNESCO-Nationalkommissionen schaffen Räume für Dialog. Sie vermitteln Konzepte wie den „Outstanding Universal Value“ und tragen dazu bei, ein gemeinsames Verständnis von Kultur- und Naturerbe und geteilter Verantwortung zu fördern.

Arbeiten in komplexen Netzwerken

Die vierte thematische Einheit widmete sich den Herausforderungen in vielschichtigen Stakeholder-Landschaften. Eine Vielzahl an Teilnehmenden betonte die Notwendigkeit starker Kommunikation zwischen Behörden, Site Manager:innen, lokalen Gemeinschaften und NGOs. Die Erfahrungen aus verschiedenen Ländern, wo UNESCO-Nationalkommissionen aktiv Dialogräume schaffen, öffneten den Blick auf unterschiedliche Ansätze. 

Insgesamt verstehen sich Nationalkommissionen in diesem Kontext als „Safe Space“ für Austausch und Moderation. Erfolgsfaktoren sind klare Kommunikation, kontinuierliche Zusammenarbeit, die Einbringung qualitativer Expertise und die frühzeitige Einbindung aller relevanten Akteur*innen.

Insgesamt kristallisierte sich heraus, dass Nationalkommissionen durch kontinuierliche Moderation und Vernetzung dazu beitragen können, Konflikte zu entschärfen und UNESCO-Werte wie Schutz, Nachhaltigkeit und Dialog in den Mittelpunkt zu stellen.

Kulturelles Rahmenprogramm: Welterbe erleben

Neben den fachlichen Diskussionen bot das Treffen Raum für persönlichen Austausch. Eine Exkursion in das Naturhistorisches Museum Wien eröffnete Perspektiven auf natur- und kulturhistorische Zusammenhänge. Den informellen Abschluss bildete ein gemeinsamer Besuch der Welterbestätte Schloss und Gärten von Schönbrunn im Austausch mit Expert*innen vor Ort zu Themen der Forschung, Vermittlung und des Managements. 

Das Meeting hat deutlich gezeigt: Trotz unterschiedlicher nationaler Rahmenbedingungen verbindet die europäischen Nationalkommissionen ein gemeinsames Ziel – die Stärkung der UNESCO-Werte und der Schutz des Kultur- und Naturerbes als Beitrag zu Frieden, Dialog und nachhaltiger Entwicklung.

Die Teilnehmenden verständigten sich darauf, das informelle Netzwerk weiterzuführen, digitale Austauschformate auszubauen und die Zusammenarbeit strukturell zu festigen.

Ziel ist es, Kompetenzen zu bündeln, Brücken zwischen Regionen zu schlagen und Kooperationen – auch mit Partnern des Globalen Südens – zu vertiefen.

Im Zentrum steht die Frage, wie Nationalkommissionen ihre Rolle als Brückenbauerinnen zwischen Politik, Fachwelt und Zivilgesellschaft weiter stärken können. „Connect – Share – Learn“ bleibt damit nicht nur das Motto des Treffens, sondern Leitprinzip für die künftige Kooperation im europäischen Welterbekontext.

© ÖUK/Meixner
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