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Querschnittsthemen

 

Treffen des Europäischen Nachhaltigkeitsnetzwerks in Brüssel – Ein Rückblick

Gemeinsam mit der österreichischen Delegation nahm ÖUK-Jugenddelegierter Jakob Mohl von 20.–22. Mai 2026 an der 11. Peer Learning Plattform des Europäischen Nachhaltigkeitsnetzwerks (ESDN) in Brüssel teil. Das Netzwerk unterstützt mit den jährlichen Plattformtreffen den Austausch und die Vernetzung europäischer Verwaltungsbediensteter und Fachleute zu wesentlichen Fragen der Umsetzung der Agenda 2030. Ein Nachbericht von Jakob Mohl.

Die diesjährige ESDN Peer Learning Plattform fand unter dem Titel „Europe’s Narrative for a Sustainable Future: Foresight and Governance Processes Enabling Robust Sustainable Development Beyond 2030” statt und widmete sich der Zukunft der UN-Nachhaltigkeitsziele nach 2030, zukunftsfähigem Denken („Future Literacy“) und der Notwendigkeit eines europäischen Narrativs für nachhaltige Entwicklung. Jakob betreute als ÖUK Youth Representative und MAB Youth Focal Point einen Workshop zur Lokalisierung der SDG-Umsetzung in österreichischen Biosphärenparks. 

Status Quo

Die Erde befindet sich in einem kritischen Zustand: Sieben von neun planetaren Grenzen wurden bereits überschritten und der Fortschritt bei den SDGs bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück; weniger als 20 Prozent der messbaren SDG-Ziele sind laut dem UN SDG-Bericht 2024 auf Kurs. Obwohl die EU die SDGs umfassend in ihre Politik integriert hat und besonders bei Wirtschaftswachstum und Armutsbekämpfung Fortschritte erzielt, bestehen erhebliche Defizite bei Klimaschutz, Biodiversität und Wasserressourcen. Mit dem „Pact for the Future“ der UN von 2024 wurde dem SDG-Gipfel 2027 das Mandat übertragen, formelle Beratungen über eine Post-2030-Agenda einzuleiten. Diese Agenda muss angesichts der veränderten globalen Lage ambitionierter und transformativer sein als das bisherige Framework.

Futures Literacy

Für die Entwicklung der Post-2030 Agenda ist zukunftsfähiges Denken Voraussetzung. Die UNESCO betrachtet Futures Literacy – Zukünftekompetenz – als eine wesentliche Kompetenz des 21. Jahrhunderts. Das Konzept beschreibt die Fähigkeit, unterschiedliche Zukünfte zu antizipieren, kritisch zu reflektieren und als Ressource für gesellschaftliche Gestaltung zu nutzen. Zukunft wird dabei nicht als feststehender Endpunkt verstanden, sondern als offener Möglichkeitsraum mit vielfältigen Entwicklungspfaden. Strategic Foresight ist dabei ein systematischer Ansatz, der angewandt werden kann, um zukünftige Unsicherheiten zu analysieren und gegenwärtige Strategien darauf auszurichten. Foresight-Prozesse durchlaufen typischerweise fünf Phasen (Pre-Foresight, Rekrutierung, Generierung, Aktion und Erneuerung) und bedienen sich qualitativer, quantitativer sowie kreativitätsbasierter Methoden. Im Rahmen der Plattform gab Yannick Dujardin vom Joint Research Center der EU-Kommission eine interaktive Session, in der er Futures Literacy als Kompetenz und Strategic Foresight als Methode vorstellte.

Die Nachhaltigkeitsagenda der EU nach 2030

Um die nötige systemische Transformation zu erreichen, braucht es Eingriffe an den bedeutendsten Punkten komplexer Systeme. Donella Meadows Modell der Leverage Points von Systemen zeigt auf, dass es unterschiedliche Hebel eines Systems gibt, deren Betätigung unterschiedliche Grade an Transformation bedeuten; von Paradigmenwechseln bis hin zu veränderten Systemzielen. Europa muss zunächst ein gemeinsames Dringlichkeitsgefühl, eine klare Vision und eine schlagkräftige Koalition für nachhaltige Entwicklung aufbauen. Dem stehen erhebliche Herausforderungen gegenüber: geopolitische Spannungen, der Bedeutungsverlust von Nachhaltigkeit gegenüber kurzfristigen Sicherheitsinteressen, die unbedingte Betonung wirtschaftlichen Wachstums, sich verschärfende Ungleichheit und eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung. Dennoch bietet das europäische Projekt eine einzigartige Grundlage, um die Führungsrolle bei der Gestaltung eines transformativen Post-2030-Rahmens zu übernehmen.

SDG-Lokalisierung in Biosphärenparks

Die Einbindung der SDGs in übergeordnete politische Ziele und das Big Picture der nachhaltigen Entwicklung ist entscheidend. Es gibt jedoch eine enorme Kluft zwischen weit entfernten internationalen Abkommen und der gelebten Realität der Menschen vor Ort. Jakob stellte das UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre” (MAB) und konkrete Projekte aus österreichischen Biosphärenparks vor. Dabei kam er in Austausch mit Verwaltungsbediensteten aus verschiedenen EU-Ländern. Das MAB-Programm bietet seit 1971 ein kohärentes strategisches Governance-Framework für nachhaltige Entwicklung; lange vor den MDGs oder den SDGs. Biosphärenparks sind nicht bloß Schutzgebiete, sondern Modellregionen, in denen Nachhaltigkeitsziele konkret erprobt und umgesetzt werden. SDG-Lokalisierung ist entscheidend, weil internationale Vereinbarungen nur dann Wirkung entfalten, wenn sie in lokale Strukturen, Praktiken und Gemeinschaften eingebettet werden. Mit 759 Standorten in 136 Ländern bildet das Weltnetznetzwerk der Biosphärenreservate eine globale Struktur mit enger Anbindung an die Wissenschaft, deren strategischer Rahmen (zuletzt durch den Hangzhou Strategic Action Plan 2025–2036) gezielt auf die Zeit nach 2030 ausgerichtet ist.

5-Länder-Biosphärenpark Mura-Drava-Donau (MDD)

Als weltweit erster Fünf-Länder-Biosphärenpark verbindet der MDD Österreich, Slowenien, Kroatien, Ungarn und Serbien entlang eines 700 km langen einzigartigen ökologischen Korridors, der „Amazonas Europas" genannt wird. Das Projekt LIFE RESTORE for MDD (2023–2028) stellt das Kernstück der Umsetzungsarbeit dar: an 29 Standorten werden 336 Hektar Auwälder, 54 km Gewässer und knapp eine Million Kubikmeter Sediment renaturiert. Durch ein Trainingsprogramm werden zudem Anwohner*innen aktiv in das Management des Parks eingebunden.

Biosphärenpark Wienerwald

Als teilweise urbaner Biosphärenpark verbindet der Wienerwald die Bedürfnisse von 815.000 Anwohner*innen mit dem Schutz sensibler Ökosysteme. Ein wichtiger Teil der SDG-Umsetzung ist ein Kriterienkatalog für Partnerbetriebe, der in einem partizipativen Prozess entwickelt wurde und 120 konkrete Maßnahmen auf die 17 SDGs abbildet; mit verpflichtenden und freiwilligen Elementen. Das EU-kofinanzierte Projekt zur Biodiversitätsförderung (2025–2027) stärkt darüber hinaus die ökologische Resilienz des Parks durch Maßnahmen im Offenland, Wald und Gewässer.

Biosphärenpark Großes Walsertal

Das Große Walsertal verbindet jahrhundertealte Kulturlandschaftspflege mit einer SDG-Integration auf allen Ebenen der Regionalentwicklung. Die SDGs werden nicht als retrospektiv aufgesetztes Label genutzt, sondern bilden den inhaltlichen Ausgangspunkt des regionalen Entwicklungsplans; von der Klimaanpassung des Gebäudebestands bis zur angestrebten Energieautonomie bis 2035. Besonders hervorzuheben ist das BNE-Programm, das SDG-Inhalte in die Curricula von Kindergärten, Volksschulen und Mittelschulen verankert und durch ein Punktesystem begleitet wird.

Hintergrund

Die Position der Jugenddelegierten für Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Global Citizenship Education wurde im Jahr 2023 im Rahmen einer Kooperation zwischen der Österreichischen UNESCO-Kommission und dem (damaligen) Klimaministerium, nunmehr Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft eingerichtet. Ziel ist es, Entwicklungen im Kontext von SDG 4.7 aus einer Jugendperspektive zu reflektieren und Akteur*innen dabei zu unterstützen, diese Sichtweise bei Umsetzungsmaßnahmen besser zu berücksichtigen. Die Position wird von den Jugenddelegierten der Österreichischen UNESCO-Kommission bekleidet.

Kontakt: youthrep@unesco.at

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