ÖUK-Jugenddelegierter beim UNECE-Steuerungskomitee für Bildung für Nachhaltige Entwicklung in Genf
Jakob Mohl nahm von 20.–22. Mai 2026 als Mitglied der österreichischen Delegation an der Komiteesitzung teil. Das Forum wird seit 2005 jährlich von der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) ausgerichtet. Ein kritischer Rückblick.
Die Wirtschaftskommission für Europa ist eine von fünf Regionalkommissionen des UN-Wirtschafts- und Sozialrats. Deren Hauptziel ist es, die gesamteuropäische wirtschaftliche Integration zu fördern. Das beinhaltet auch die Formulierung von Lösungsvorschlägen für wirtschaftliche und soziale Fragen. In diesem Rahmen agiert das Steuerungskomitee zu Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) als wichtigstes Entscheidungsgremium für Aktivitäten im Rahmen der BNE-Strategie der UNECE-Region und ist dafür zuständig, Leitlinien und strategische Vorgaben für die Umsetzung der Strategie festzulegen. Außerdem überprüft es den Fortschritt der Umsetzung und schafft einen Raum für Austausch zu Best-Practices.
Die BNE-Strategie der UNECE
Das Hauptziel der BNE-Strategie der UNECE besteht darin, die Mitgliedstaaten dazu anzuregen, BNE in alle Bereiche ihrer Bildungssysteme zu integrieren, einschließlich der beruflichen Bildung und der Erwachsenenbildung. Zu diesem Zweck soll die Strategie sicherstellen, dass:
- politische und rechtliche Rahmenbedingungen BNE unterstützen,
- nicht-formale Lernkontexte berücksichtigt werden,
- Werkzeuge und Materialien für BNE zugänglich sind sowie
- Forschung, Entwicklung und Zusammenarbeit innerhalb der UNECE-Region gefördert werden.
Der politische Kontext junger Menschen
Jakob bekam die Möglichkeit, Österreichs Intervention zu verfassen und vor dem Gremium vorzutragen. In seiner Rede beschrieb er zunächst den politischen Kontext, in dem junge Menschen leben und sich engagieren, um den Delegierten anschließend Bildungsinitiativen aus Österreich vorzustellen und Prioritäten für die Post-2030-Agenda zu skizzieren.
Dabei prangerte er den fehlenden Fortschritt bei der Umsetzung der SDGs in Europa an und kritisierte die selektive Betonung von Wirtschaftswachstum auf Kosten intakter Ökosysteme und eines gesunden Klimas. Diese Position steht in Einklang mit den Forderungen der Vereinten Nationen. UN-Generalsekretär António Guterres hatte erst zu Beginn des Jahres im Rahmen der „Beyond GDP“-Konferenz darauf hingeweisen, dass die Zukunft der Menschheit davon abhänge, eine Kehrtwende bei der unbedingten Fixierung auf das BIP-Wachstum zu vollziehen.
Jakob stellte fest, dass die schwindende politische Unterstützung für die SDGs und den Green Deal für die junge Generation zutiefst demoralisierend sei. Jungen Menschen müsse der Raum zur Verfügung gestellt werden, um ihre eigene Zukunft zu gestalten – und die dafür erforderlichen Mittel und Fähigkeiten. Hierfür seien auch transformative Bildung und echte Beteiligung an politischen Prozessen notwendig. Die UNESCO stellt in ihrem Global Education Monitoring Report mit dem Titel „Lead with youth“ jedoch fest: Junge Menschen weltweit werden nicht ausreichend in bildungspolitische Entscheidungsprozesse einbezogen. Viele Staaten verfügen zwar über formelle Konsultationsmechanismen, doch führen diese selten zu einer echten Mitwirkung oder einem messbaren Einfluss auf Bildungsgesetze, die die Zukunft jüngerer Generationen prägen.
Beispiele für BNE-Initiativen in Österreich
Im Rahmen seines Redebeitrags stellte Jakob einige BNE-Initiativen vor, die junge Menschen in unterschiedichen Formen einbeziehen oder von diesen geprägt werden:
- Der Sustainability Award und die BNE-Auszeichnung prämieren unter anderem Projekte an Bildungseinrichtungen und jugendorientierte Initiativen, die nachhaltige Entwicklung in die Praxis übersetzen. Jakob darf bei beiden Awards Teil der Jury sein.
- Der Klimajugendrat und die Local Conference of Youth (LCOY) sind Austauschformate zum Thema Klimaschutz von und für junge Menschen.
- Die Aktionstage Politische Bildung legen in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf die Verknüpfung von BNE und Demokratiebildung. Dabei wird aufgezeigt, wie Demokratie die Voraussetzungen dafür schafft, gesellschaftliche Unterstützung für nachhaltige Entwicklung zu mobilisieren und bei der Umsetzung voranzukommen.
Biosphärenparks als „living laboratories“ von BNE
Jakob betonte zudem, dass man sich die Frage stellen müsse, wem ein großer Teil der BNE-Initiativen zugute käme. Aus seiner Sicht seien viele Programme de facto nur jungen Menschen in städtischen Gebieten zugänglich, die bereits politisch engagiert seien und die Zeit und Mittel zur Teilnahme hätten. BNE müsse junge Menschen aber auf lokaler Ebene erreichen.
Hier kommen UNESCO-Biosphärenparks ins Spiel. Als Modellregionen und „living laboratories“ für nachhaltige Entwicklung sind sie mehr als nur Schutzgebiete. Sie sind Regionen, die unterschiedliche Nachhaltigkeitsaspekte integrieren: Wissenschaft, Naturschutz, Kultur, Jugendpartizipation und (Umwelt-)Bildung.
Einige Beispiele dafür:
- Die Jugendstammtische des Biosphärenpark Wienerwald,
- das den lokalen Gegebenheiten angepasste SDG-Indikatorensystem für Schulen des Biosphärenpark Großes Walsertal,
- das Schulnetzwerk des Biosphärenpark Lungau und Kärntner Nockberge
- sowie der Jugendinnovationspreis des Biosphärenpark Unteres Murtal (Österreichischer Teil des 5-Länder-Biosphärenparks Mur-Drau-Donau)
Biosphärenparks sind ein entscheidender Mechanismus, um BNE von hohen politischen Sphären in die gelebte Realität junger Menschen zu bringen. Mehr Informationen hierzu finden sich auf der Seite des MAB Youth Focal Point für Österreich.
Raum für Austausch und Vernetzung
Das UNECE Steuerungskomitee für BNE bot Jakob die Möglichkeit, Erfahrungsberichte aus anderen Ländern aufzunehmen und sich zu vernetzen. Diese Erfahrungen sind unschätzbar, um die eigene Arbeit zu kontextualisieren und neue Erkenntnisse zu gewinnen. An der Komiteesitzung nahm er gemeinsam mit Hannah Jennewein, Kontaktstelle für Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, im Rahmen der Kooperation „Jugenddelegierte der Österreichischen UNESCO-Kommission für SDG 4.7“ teil.
Hintergrund
Die Position der Jugenddelegierten für Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Global Citizenship Education wurde im Jahr 2023 im Rahmen einer Kooperation zwischen der Österreichischen UNESCO-Kommission und dem (damaligen) Klimaministerium eingerichtet. Ziel ist es, Entwicklungen im Kontext von SDG 4.7 aus einer Jugendperspektive zu reflektieren und Akteur*innen dabei zu unterstützen, diese Sichtweise bei Umsetzungsmaßnahmen besser zu berücksichtigen. Die Position wird von den Jugenddelegierten der Österreichischen UNESCO-Kommission bekleidet.
Kontakt: youthrep@unesco.at
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