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Querschnittsthemen

 

Jugenddelegierter der Österreichischen UNESCO-Kommission beim Weltkongress der Biosphärenparks in China

Gemeinsam mit der österreichischen Delegation nahm der Jugenddelegierte der Österreichischen UNESCO-Kommission, Jakob Mohl, vom 22.–25. September 2025 am Weltkongress der Biosphärenparks und anschließend am International Coordinating Council des UNESCO Man and the Biosphere (MAB) Programms in Hangzhou, China, teil.

Der Weltkongress findet alle zehn Jahre statt und markiert den Punkt, an dem das UNESCO MAB-Programm seine neuen Leitlinien für die nächste Dekade verabschiedet. Dem Lima Action Plan 2016–2025 folgt nun der Hangzhou Strategic Action Plan für 2026–2035. Dabei handelt es sich um ein strategisches Dokument mit 34 Zielen, sogenannten Action Targets, um das globale Netzwerk der Biosphärenparks zu stärken. Im Anschluss an den Weltkongress fand das International Coordinating Council (ICC) des MAB-Programms statt, eine jährliche Sitzung rotierender wahlberechtigter MAB-Mitgliedsstaaten (zu denen bis 2027 Österreich zählt), in denen organisatorische und technische Fragen behandelt werden. Damit ist das ICC das zentrale Entscheidungsgremium des MAB-Programms.

Die österreichische Delegation wurde von Martin Fritz, Generalsekretär der Österreichischen UNESCO-Kommission, geleitet und bestand aus Andreas Weiß (Direktor des Biosphärenparks Wienerwald), Matthias Merta (Direktor des Biosphärenparks Großes Walsertal), Elisabeth Wiegele (Senior Researcher am UNESCO-Lehrstuhl für nachhaltiges Management von Schutzgebieten an der FH Kärnten) und Jakob Mohl (Jugenddelegierter der Österreichischen UNESCO-Kommission und MAB Youth Focal Point für Österreich). 

Österreichs Beitrag

Im Rahmen der Vorbereitungen zum Weltkongress formierte sich ein eigenes Komitee, bestehend aus der österreichischen Delegation und weiteren Mitgliedern des MAB-Nationalkomitees. Es koordinierte sich im Vorfeld in 12 regelmäßigen Treffen, die sich von Mai bis September 2025 erstreckten. Unter Berücksichtigung nationaler Prioritäten und Interessen der heimischen Biosphärenparks wurden die österreichische Position zum Entwurf des Action Plan und die Wortmeldungen für das ICC erarbeitet. Diese wurden anschließend auch mit der österreichischen Vertretung bei der UNESCO in Paris abgestimmt. In seiner Funktion als  MAB Youth Focal Point beteiligte sich Jakob aktiv an diesen Sitzungen.

Neben der stärkeren Berücksichtigung von Gender und Jugend waren die Anliegen des Komitees, die alle zehn Jahre stattfindenden Überprüfungen (periodic reviews) der Biosphärenparks zu harmonisieren und den Beitrag von Biosphärenparks zum Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework zu analysieren. Ziel 3 dieses 2022 verabschiedeten Rahmenwerks zielt darauf ab, bis zum Jahr 2030 weltweit 30 Prozent der Land-, Wasser- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Österreich war es wichtig aufzuzeigen, dass Entwicklungszonen von Biosphärenparks – die Siedlungen, Landwirtschaft und andere intensive menschliche Nutzungen beinhalten – nicht zu diesem Ziel beitragen sollten, da sie im Gegensatz zu Kernzonen von Biosphärenparks keinem strengen Schutz unterliegen.

Eindrücke vom Weltkongress

Der Weltkongress war eine einzigartige Möglichkeit für den Austausch von Biosphärenparkmanager*innen und MAB-Netzwerken über Landesgrenzen und Kontinente hinweg. Einige Vorträge und Diskussionsrunden waren zwar abstrakt und von den Herausforderungen in Biosphärenparks weit entfernt, doch in den persönlichen Gesprächen und informellen Zusammenkünften fanden sich konkrete Erkenntnisse und Lösungsansätze.

Das österreichische Side Event im Rahmen des Weltkongresses trug den Titel „Sustainable Governance, Products, and Practices in Biosphere Reserves: From Local Innovation to Global Learning “ und behandelte praktische Erfahrungsberichte über Bildungs-, Entwicklungs- und Naturschutzmaßnahmen in österreichischen Biosphärenparks. Andreas Weiß stellte Bildungsprojekte im Biosphärenpark Wienerwald wie den Tag der Artenvielfalt vor, Matthias Merta gab einen Überblick über die Ansätze im Großen Walsertal, Elisabeth Wiegele stellte das Projekt ScienceLINK_Nockberge vor und Jakob Mohl präsentierte den global einzigartigen 5-Länder Biosphärenpark Mur-Drau-Donau und das dortige Renaturierungsprojekt „Life Restore for MDD“.

Starke Stimme(n) der Jugend

Neben seinem Vortrag im Rahmen des österreichischen Side Events tauschte sich Jakob vor Ort mit Jugenddelegierten und Biosphärenparkmanager*innen aus aller Welt aus. Zudem gab er im ICC eine Wortmeldung zu Jugendpartizipation ab. Dabei ging es Jakob um die wichtige Klarstellung, dass Jugendpartizipation kein Selbstzweck sein darf. Junge Menschen seien keine Expert*innen für Jugend, sondern junge Expert*innen, so Jakob. Dieser Unterschied sei entscheidend. In der Praxis bedeute dies, dass Jugenddelegierte und Repräsentant*innen internationaler MAB-Jugendnetzwerke ein klar definiertes Mandat benötigen würden, das sie zu Schnittstellen zwischen Jugendarbeit und UNESCO-MAB-Sekretariat mache. Zudem müssten junge Menschen stärker in Entscheidungsprozess eingebunden werden. Um Zugang zu diesen Entscheidungsräumen zu erhalten, müssten auch finanzielle Mittel bereitgestellt werden.

Zusammengefasst forderte Jakob für wirkungsvolle Jugendpartizipation im MAB-Kontext:

  • Ausdrückliche Anerkennung und Definition von Mandaten
  • Einbindung in Entscheidungsprozesse
  • Bereitstellung finanzieller Mittel, um Zugang zu Entscheidungsräumen zu erhalten

Die Einbindung von Jakob in die inhaltlichen Vorbereitungen und seine Teilnahme am Weltkongresses und MAB ICC in aktiver Rolle ist ein Best-Practice-Beispiel für ambitionierte Jugendpartizipation. Aktuell ist Jakob außerdem an der Übersetzung des Hangzhou Strategic Action Plan in die nationale Praxis beteiligt.

Hintergrund

Die Teilnahme des Jugenddelegierten der Österreichischen UNESCO-Kommission, der zeitgleich auch MAB Youth Focal Point für Österreich ist, wurde durch eine Kooperation mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ermöglicht. Ziel ist es, junge Stimmen in die Entscheidungsgremien des MAB-Programms zu integrieren und Akteur*innen dabei zu unterstützen, diese Sichtweise bei Umsetzungsmaßnahmen besser zu berücksichtigen. 

Kontakt für Rückfragen: youthrep@unesco.at

ÖUK-Jugenddelegierter Jakob Mohl bei seiner Präsentation im Rahmen des österreichischen Side Events auf dem Weltkongress der Biopshärenparks
© ÖUK
Blick in einen der Kongressräume in Hangzhou (China)
© ÖUK