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Querschnittsthemen

 

Immaterielles Kulturerbe und Tierethik

Da auch gesetzlich erlaubte Praktiken der Tiernutzung ethische Fragen aufwerfen können, hat die UNESCO-Kommission gemeinsam mit der Vetmeduni Wien einen Workshop organisiert, im Zuge dessen konträre Standpunkte auf den Tisch gebracht und gemeinsam diskutiert wurden.

Die Erstellung und Aktualisierung eines nationalen Verzeichnisses des immateriellen Kulturerbes ist eine der wesentlichen Verpflichtungen, die Österreich mit der Ratifizierung des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes im Jahr 2009 eingegangen ist. Artikel 2.1 des UNESCO-Übereinkommens zum Schutz des immateriellen Kulturerbes definiert  "immaterielles Kulturerbe" als „Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten – sowie die dazu gehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenen­falls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen.“ Dieses immaterielle Kulturerbe, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird, ist durch Improvisation, Weiterentwicklung und Veränderung gekennzeichnet. Es vermittelt den Gemeinschaften ein Gefühl von Identität und Kontinuität, wodurch die Achtung vor der kulturellen Vielfalt und der menschlichen Kreativität gefördert wird. Immaterielles Kulturerbe bildet die Lebenswirklichkeiten bestimmter Gruppen ab, die unter Umständen nicht die Akzeptanz bei allen Bevölkerungsteilen findet. Insbesondere die Jagd wird kontrovers diskutiert, da das Töten hier nicht primär der Nahrungsgewinnung dient. JägerInnen und TierschützerInnen vertreten bei diesem Thema naturgemäß sehr unterschiedliche bis konträre Positionen.

In Österreich entscheidet ein Fachbeirat - bestehend aus VertreterInnen von fünf Bundesministerien, der neun Landeskulturabteilungen sowie zehn ExpertInnen aus Sozial-, Kultur- und Naturwissenschaften - über die Aufnahme von Traditionen in das Österreichische Verzeichnis. Dabei sieht sich der Fachbeirat immer wieder mit kulturellen Praktiken konfrontiert, die den Umgang mit Tieren einschließen. Um dem Fachbeirat zu einer informierten Entscheidung  zu verhelfen, organisierte die österreichische UNESCO-Kommission im Februar 2017 gemeinsam mit der Vetmeduni Wien einen Workshop zum Thema Tierethik.

Ethik dient nicht dazu,  dem Menschen zu sagen, was richtig oder falsch ist. Ethik ist die notwendige und methodische Reflexion auf moralische Normen und Vorstellungen. Es ist aber nicht die Aufgabe der Ethik, Entscheidungen vorwegzunehmen.

Im Zuge des Workshops wurde unter der Leitung von Dr. Martin Huth vom Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni Wien die Komplexität der Mensch-Tier-Beziehung am Beispiel Jagd ethisch untersucht.  Dabei diskutierten und reflektierten eingeladene ExpertInnen mit den Mitgliedern des Fachbeirats für das immaterielle Kulturerbe unter anderem die folgenden Fragen: Welche Parameter sind in der Diskussion der Nutzung von Tieren ausschlaggebend? Für wen hat die Jagd (keine) Bedeutung und warum? Welche Probleme birgt die Jagd für wen und warum? Welche Verantworltichkeiten entstehen daraus?

Abschließend erstellten die Teilnehmenden gemeinsam eine ethische Matrix  - ein Hilfsmittel zur Analyse ethischer Problemstellungen. Dabei werden moralische Prinzipien auf eine bestimmte Interessegruppe angewendet, ethischen Probleme strukturiert, Diskussionen versachlicht, Argumente und Gegenargumente gebündelt, Perspektiven sichtbar gemacht etc., um bei Entscheidungsfindungen zu unterstützen. Die ethische Matrix schreibt keine speziellen Entscheidungen vor, sondern bleibt bei der Problembeschreibung und Analyse.  Die Fortführung des Workshops ist angedacht.



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© Salzkammergutverband der Vogelfreunde

Und die wirklich entscheidende, die grundlegende Gemeinsamkeit ist schlicht die: Jeder von uns ist das empfindende Subjekt eines Lebens (experiencing subject of a life), eine bewußte Kreatur mit einem individuellen Wohl, das für uns von Bedeutung ist, unabhängig davon, wie nützlich wir für andere sein mögen. Wir wollen und bevorzugen Dinge, glauben und fühlen Dinge, erinnern uns an und erwarten Dinge. (42f.)

Regan, Tom. The Case for Animal Rights, 1997.