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Querschnittsthemen

 

COVID-19 - Soziale und ökonomische Absicherung von Kunst- und Kulturschaffenden 

Die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus treffen die Kulturszene, allen voran die freie Kulturszene, sehr hart. Die häufig prekären Arbeits- und Lebenssituationen stellen Kunst- und Kulturschaffende vor unvergleichbar große Herausforderungen. Die Notwendigkeit der Absicherung der sozialen und ökonomischen Lage tritt umso deutlicher in den Vordergrund.

Seit Mitte März steht der gesamte Proben- und Veranstaltungsbetrieb bis auf weiteres still. Der Einnahmenausfall, während Fixkosten bestehen bleiben, ist für viele in Kunst und Kultur Tätige existenzbedrohend. Um aktuellen Notlagen entgegenzuwirken, wurden Initiativen aus der Zivilgesellschaft sowie Unterstützungsmaßnahmen durch den Bund und die Länder gesetzt. So versucht beispielsweise die IG Kultur Österreich in der aktuellen Ungewissheit einen Überblick über die Fakten zu schaffen und bietet u.a. auf ihrer Website eine Übersicht über Sonderregelungen und Unterstützungsmaßnahmen

Mit der Ratifizierung der UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung kultureller Ausdrucksformen hat sich Österreich verpflichtet, ein Umfeld zu schaffen, das Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen in ihren Tätigkeiten unterstützt und bestärkt. Eine Kernbotschaft der Konvention ist es, dass soziale und wirtschaftliche Sicherheit eine Vorbedingung für freies kulturelles und kreatives Schaffen darstellt. „Die Arbeit von Kunst- und Kulturschaffenden ist unabdingbar für den demokratiepolitischen Diskurs. Die Förderung ihrer sozialen Sicherheit und wirtschaftlichen Rechte bedarf insbesondere in solch einer Krisensituation besonderer Aufmerksamkeit“ – so Mag. Patrizia Jankovic, Generalsekretärin der Österreichischen UNESCO-Kommission.

Die Arbeitsgemeinschaft Kulturelle Vielfalt (ARGE) ist Dialogforum und Expert*innen-Gremium der Österreichischen UNESCO-Kommission für die Einbeziehung der Zivilgesellschaft in Belangen der Konvention. Seit vielen Jahren setzt sich die ARGE Kulturelle Vielfalt mit konkreten Forderungen für eine Verbesserung der sozialen und ökonomischen Absicherung von Kunst- und Kulturschaffenden in Österreich ein. So weist die ARGE darauf hin, dass ein unterstützendes Umfeld angesichts der realen Lebens- und Arbeitsbedingungen in Österreich nach wie vor nicht ausreichend verortet werden kann. Auch die Netzwerke der Europäischen Koalitionen für Kulturelle Vielfalt sowie die International Federation of Coalitions for Cultural Diversity, deren Mitglied die ARGE Kulturelle Vielfalt ist, betonen die Dinglichkeit die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen gerade jetzt und bis in die Zeit nach der Krise zu schützen:

We all know how easy it is to close down an orchestra, a theatre or dance company, a film production company etc., but how much long and hard work it takes to (re-)build them. - Beat Santschi, IFCCD president and Nathalie Guay, IFCCD General Secretary

„Wir alle wissen, wie einfach es ist, ein Orchester, eine Theater- oder Tanzkompanie, eine Filmproduktionsfirma usw. zu schließen, aber wie viel Zeit und harte Arbeit es kostet, sie (wieder) aufzubauen“ - Beat Santschi, IFCCD Präsident and Nathalie Guay, IFCCD Generalsekretärin 

Auf europäischer Ebene setzt sich das Netzwerk der Europäischen Koalitionen für Kulturelle Vielfalt für die Interessen der Kunst- und Kulturschaffenden ein. Am 17. April verabschiedete das Europäische Parlament eine Resolution, wonach die Auswirkungen der COVID19-Krise in der Europäischen Union bewertet und Empfehlungen für die Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission ausgearbeitet werden sollen. Das Netzwerk der ECCD begrüßt diesen Beschluss in einer Presseaussendung und ruft die Verantwortung der EU-Entscheidungsträger*innen in Erinnerung, die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen zu schützen.

Wie groß ist der Schaden?

Wie groß der finanzielle Schaden und die Folgewirkungen in Österreich sind, ermitteln die Interessenvertretungen des Sektors in Umfragen und Erhebungen (IG Kulturfreie Musikschaffendebildende KunstTanz/Theater/Performance). Gesammelte Daten können eine erste Grundlage bilden, um die aktuelle Notlage zu bemessen und in Folge auch die Wirksamkeit der Unterstützungsmaßnahmen bewerten zu können. So besagt beispielsweise eine Aussendung der Interessensgemeinschaft Freie Theaterarbeit, dass Vorstellungen zu einem überwiegenden Teil ohne Verschiebedatum (75%) abgesagt wurden. 

Ebendiese Initiativen aus der Zivilgesellschaft sind unabdingbar, um das Kunst- und Kulturschaffen in all seiner Diversität in Österreich sicherzustellen – in der aktuellen Krisensituation, aber selbstverständlich auch langfristig und darüber hinaus.

Ziel 4 der UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung kultureller Ausdrucksformen subsumiert Maßnahmen zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Kunst- und Kulturschaffenden unter dem Aspekt der Freiheit des künstlerischen Schaffens und ordnet sie damit dem Grundsatz der Achtung der Menschrechte und Grundfreiheiten zu. Umfasst sind dabei insbesondere: 

  • das Recht, ohne Zensur oder Einschüchterung Inhalte zu schaffen
  • das Recht, Unterstützung für künstlerische Aktivitäten und deren Verteilung und Vergütung zu erhalten
  • das Recht auf Vereinigungsfreiheit
  • der Schutz von sozialen und ökonomischen Rechten sowie 
  • das Recht auf die Teilhabe am kulturellen Leben

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"No Frame Of Reference (a persistent feeling of being constantly connected, yet barely touching)"
© Illustration: Anna Kohlweis