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Presse

der Österreichischen UNESCO-Kommission  
Foto: © Colourbox.de / Eduardo

Vier neue Eintragungen im Nationalen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes

16.04.2026

  • 16. April 2026

Mit 16. April 2026 wurden offiziell vier neue kulturelle Praktiken in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen. Die Führung des Verzeichnisses ergibt sich aus den Verpflichtungen des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes von 2003. Seit 2010 wird das Verzeichnis von der Österreichischen UNESCO-Kommission geführt. Mit den Neuaufnahmen umfasst es nun insgesamt 182 Elemente.

Das Verzeichnis, welches sich entlang der fünf von der UNESCO definierten Bereiche des immateriellen Kulturerbes gliedert, beinhaltet eine Vielzahl künstlerischer Ausdrucksformen, mündlich überlieferter Traditionen, traditioneller Handwerkskünste, gesellschaftlicher Praktiken und Feste sowie Wissensbestände im Umgang mit der Natur. Es erfasst jene vielfältigen kulturellen Ausdrucksformen, die in Österreich gelebt werden, Gemeinschaften verbinden und den Alltag, verschiedene Saisonen oder den ganzen Jahreskreis prägen. Mit jeder neuen Eintragung wird ein weiterer Aspekt dieses lebendigen Kulturerbes sichtbar gemacht und in seiner Bedeutung gekennzeichnet.

Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler begrüßt die neuerliche Erweiterung des Inventars: 

„Mit dem Verzeichnis stärken wir das Bewusstsein für immaterielles Kulturerbe und machen seine Bedeutung für die beteiligten Gemeinschaften sowie ihre Kreativität sichtbar. Sprache und Kommunikation ebenso wie traditionelles Handwerk sind zentrale Träger dieses Kulturerbes, weil sie Wissen, Werte und Ausdrucksformen lebendig weitergeben und so die Identität von Gemeinschaften über Generationen hinweg sichern.“

Folgende vier Einträge ergänzen nun das Nationale Verzeichnis:

Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen

Esperantokultur in Österreich / Esperantokulturo en Aŭstrio (österreichweit): Esperanto ist eine Plansprache, die 1887 von Ludwik Zamenhof entwickelt wurde, um Menschen weltweit eine neutrale und leicht erlernbare Sprache für Verständigung und Frieden zu bieten. In Österreich existiert seit über 120 Jahren eine aktive Gemeinschaft, die sich der Pflege dieser Kultur widmet. Sie trifft sich regelmäßig zu Sprachkursen, Lernrunden, Festen sowie Kongressen. Zudem hat sich in der Gemeinschaft ein beachtliches Schaffen in den Bereichen Literatur, Musik und darstellender Kunst entwickelt.

Die Pinzgauer Sagenwelt: Erzähltradition, Erzählweise und Erzähler*innen (Salzburg): Die Pinzgauer Sagen bilden seit Generationen einen festen Bestandteil der regionalen Erzähltradition. Sie werden mündlich im Pinzgauer Dialekt von Generation zu Generation weitergegeben und sind eng mit der allgegenwärtigen Gebirgslandschaft und der kulturellen Identität der Pinzgauer Bevölkerung verbunden.

Gesellschaftliche Praktiken

Verwendung und Weitergabe der Brailleschrift (österreichweit): Als weltweit verbreitete Schrift blinder und sehbeeinträchtigter Menschen ist die Brailleschrift in Österreich für rund 5.000 Personen ein aktiver Begleiter im alltäglichen Leben – sie macht gesprochene Sprache tastbar. Von blinden Menschen selbst entwickelt und organisiert, ermöglicht sie Zugang zu Information, Bildung sowie Kultur und schafft gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft. 

Traditionelle Handwerkstechniken

Goldschmiedehandwerk in Österreich (österreichweit): Seit Jahrtausenden werden Gold und andere Edelmetalle kunsthandwerklich verarbeitet. Goldschmied*innen fertigen mit hoher Präzision und gestalterischem Können eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeiten an. Dazu zählen Schmuckstücke ebenso wie Insignien, Orden, sakrale Objekte und weitere Werke von bleibendem Wert.


Hintergrund

Das Nationale Verzeichnis ist Teil des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes, das 2003 weltweit verabschiedet wurde. Die Konvention hat es sich zum Ziel gemacht, die Mannigfaltigkeit kultureller Ausdrucksformen sichtbar zu machen und ihre Weitergabe und Erhaltung zu fördern. Nationale Verzeichnisse sollen dazu beitragen, Wissen und Praktiken zu dokumentieren und öffentlich zugänglich zu machen. Das österreichische Verzeichnis wurde 2010 eingerichtet und bildet seither ein zentrales Instrument, um die lebendige kulturelle Vielfalt Österreichs zu erfassen. Interessierte können sich dafür ganzjährig bewerben. Über die Aufnahme neuer Elemente entscheidet ein Fachbeirat, der aus 15 Mitgliedern besteht und Vertreter*innen zweier Bundesministerien, der Bundesländer sowie Expert*innen aus ganz Österreich umfasst.

Das Österreichische Verzeichnis umfasst nun aktuell 182 Eintragungen:

  • 13 aus dem Bereich „mündlich überlieferte Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Trägerin des Immateriellen Kulturerbes";
  • 28 aus dem Bereich „Darstellende Künste";
  • 76 aus dem Bereich „Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste";
  • 20 aus dem Bereich „Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum";
  • 45 aus dem Bereich „Traditionelle Handwerkstechniken".

Hinweis: Es handelt sich bei den Aufnahmen in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich NICHT um Eintragungen in die Liste des UNESCO-Welterbes. Nähere Informationen: https://www.unesco.at/kultur/immaterielles-kulturerbe/warum-ist-immaterielles-kulturerbe-nicht-gleich-weltkulturerbe 

Esperantokultur in Österreich / Esperantokulturo en Austrio
© Österreichische Nationalbibliothek
Die Pinzgauer Sagenwelt: Erzähltradition, Erzählweise und Erzähler*innen
© Iris Unterhofer
Verwendung und Weitergabe der Brailleschrift
© BSVÖ (Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich)
Goldschmiedehandwerk in Österreich
© Charlotte Schwarz
© Coco Breban / Dharma Design Lab / ÖUK

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