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Presse

der Österreichischen UNESCO-Kommission  
Foto: © Colourbox.de / Eduardo

Neuaufnahme: Tradition der Transhumanz ist immaterielles Kulturerbe der Menschheit

11.12.2019

Großer Erfolg für Österreich, Italien und Griechenland: Die länderübergreifende Einreichung für die Tradition der Wanderweidewirtschaft (Transhumanz) ist heute, per 11.12., im Rahmen des Zwischenstaatlichen Komitees zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes, das von 9.-14. Dezember 2019 in Bogota (Kolumbien) tagt, in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden.

Schöner Erfolg für eine alte österreichische Tradition: Die multinationale Einreichung für eine Form der Wanderweidewirtschaft (Transhumanz) ist heute in die Repräsentative UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden. Die Einreichung erfolgte länderübergreifend von Österreich, Italien und Griechenland.

„Wir sind sehr stolz über diesen gemeinsamen Erfolg mit Italien und Griechenland. Das österreichische Element der Einreichung betrifft spezielle Wege des Schafwandertriebs in den Ötztaler Alpen, ausgehend von der Südtiroler Seite der Berge nach Tirol. Die Routen für Herden mit ihren Schäfern und die damit zusammenhängenden Rituale verbindet die Menschen in dieser Region seit Jahrhunderten. Das Wissen und die Weitergabe dieser besonderen Form der Wanderweidewirtschaft, der Transhumanz, ist wichtiges kulturelles Erbe und trägt wesentlich zu einem alttradierten Verbund von Natur und Mensch bei,
so Sabine Haag, Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission.  

Das Zwischenstaatliche Komitee zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes setzt sich aus 24 gewählten Vertragsstaaten der Konvention zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes zusammen. Er entscheidet jährlich über die Aufnahme neuer Kulturformen in die  Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit. 2019 ist Österreich mit einer Einreichung vertreten. 

Transhumanz – eine besondere Form der Alm- bzw. Weidebewirtschaftung

Die Transhumanz ist eine den Jahreszeiten folgende Alm- bzw. Weidebewirtschaftung; die Wanderschaft von begleiteten Herden (insbesondere Schafen, Kühen und Ziegen) entlang bestimmter Routen. Sie existiert in vielen Weltregionen, eine internationale Erweiterung dieses Elements ist durchaus realistisch.  

Die für Österreich bei dieser Einreichung relevante, seit Jahrhunderten durchgeführte Transhumanz, ist in den Ötztaler Alpen beheimatet und als besondere Form des Schafwandertriebs dokumentiert. Die Wanderungen – ausgehend von Südtirol nach Tirol und zurück - gelten als die einzige grenzüberschreitende Transhumanz in den Alpen, die über Gletscher führt. Die Wanderungen – ausgehend von Südtirol nach Tirol und zurück - gelten als die einzige grenzüberschreitende Transhumanz in den Alpen, die über Gletscher führt. Über viele Generationen hinweg haben sich durch die Transhumanz  soziale und kulturelle Beziehungen zwischen den Menschen „hüben und drüben“ der Berge entwickelt. Alte Rituale und Bräuche wie etwa das Festlegen der Weideplätze und die Zahl der Schafe, die Bezahlung oder der gemeinsame Kirchgang vor dem Übertrieb werden bis heute ausgeübt. Aus der Ur- und Frühgeschichtsforschung ist inzwischen gesichert, dass es die Schaftriebe über die zum Teil vergletscherten Jöcher seit mindestens 6000 Jahren gibt.

Die Tradition der 'Transhumanz' wurde 2011 in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen; die Aufnahme in die nationale Liste ist Voraussetzung für eine Aufnahme in die internationale UNESCO-Liste.  

Aktuell nun 6 österreichische Traditionen international gelistet  

Mit der heutigen Aufnahme der Transhumanz sind nun aktuell 6 österreichische Traditionen auf der Repräsentativen UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit gelistet; sie reihen sich auf der UNESCO-Liste neben weltweiten Traditionen ein, wie zum Beispiel der Tradition der Peking-Oper, dem spanischen Flamenco, dem mongolischen Naadamm-Festival, iranischer Teppich-Knüpfkunst, dem Tango aus Argentinien oder der italienischen Geigenbaukunst.

6 österreichische Traditionen von der UNESCO international gelistet:

Vier Aufnahmen auf multinationaler Ebene – gemeinsam mit anderen Staaten:
2012: die Falknerei – Einreichung gemeinsam mit 17 weiteren Staaten
2018: das Wissen im Umgang mit Lawinengefahr – Einreichung gemeinsam mit der Schweiz
2018: die Handwerkstechnik des Blaudrucks – Einreichung gemeinsam mit Deutschland,   Slowakei, Tschechien und Ungarn
2019: die Transhumanz – Einreichung gemeinsam mit Italien und Griechenland  

Zwei Aufnahmen auf ausschließlich nationaler Ebene:  
2012: der Imster Schemenlauf
2015: die Hohen Schule und Klassischen Reitkunst der Spanischen Hofreitschule  

Neuaufnahme: Die Transhumanz (eine Form der Wanderweidewirtschaft)
Ein gemeinsamer Erfolg von Österreich, Italien und Griechenland

Traditionsträger*innen dieser jahrhundertealten Tradition aus drei Ländern haben gemeinsam eine Einreichung vorbereitet, um auf diese Tradition der besonderen Form der Wanderweidewirtschaft aufmerksam zu machen, sie zu erhalten und diese an folgenden Generationen weitergeben zu können.  

Transhumanz ist eine effiziente und nachhaltige Naturweidewirtschaft, insbesondere in Bezug auf die Nutzung natürlicher Ressourcen und Landbewirtschaftung. Die Traditionsträger*innen verfügen über unglaubliches Erfahrungswissen in den Bereichen Umwelt, ökologisches Gleichgewicht und Klimawandel.

Der Begriff „Transhumanz“ selbst stammt aus dem Lateinischen „Transumere“ („trans“ = Jenseits; „Humus“ = Boden, Land; von oder zu einem anderen Ort bewegen). Jedes Jahr im Frühjahr und Herbst treiben Hirten, die als "pastori transumanti" (italienisch) bekannt sind, "metakinoumenoi ktinotrofoi / μετακινούμενοι κτηνοτρόφοι" (griechisch), "SchäferInnen und TreiberInnen" (deutsch), zusammen mit ihren Hunden und Pferden ihre Herden entlang bestimmter Routen. (auf Italienisch als "Tratturi" und auf Griechisch als "Strates" bekannt) "oder" Thiava "). In vielen Fällen zieht auch die Familie der Hirten mit.

In Österreich wurde die Transhumanz in den Ötztaler Alpen 2011 in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen. 

Die Transhumanz in den Ötztaler Alpen ist eine besondere Form des Schafwandertriebs, startend auf der Südtiroler Seite der Berge nach Tirol und zurück. Die Wanderungen verlaufen über das Timmelsjoch (2494m), das Hochjoch (2885m) und das Niederjoch (3017m) und gelten als die einzige grenzüberschreitende Transhumanz in den Alpen, die über Gletscher führt. Jährlich werden im Frühsommer rund 5000 bis 5500 Schafe aus Südtirol in die Ötztaler Weidegebiete getrieben und im Herbst wieder zurückgetrieben.  

Hintergrundinformation: Immaterielles Kulturerbe - die UNESCO schützt und dokumentiert regionale Traditionen und lokales Wissen.

In Ergänzung zur UNESCO-Welterbekonvention wird seit 2003 auch den vielfältigen gelebten Traditionen internationale Aufmerksamkeit geschenkt, sie werden unter dem Begriff ‚Immaterielles Kulturerbe’ weltweit dokumentiert und geschützt. Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Österreich hat das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes 2009 ratifiziert.  

Ziele des Übereinkommens: die Erhaltung immateriellen Kulturerbes, die Förderung von Bewusstsein in Bezug auf die Bedeutung des immateriellen Kulturerbes und seiner gegenseitigen Wertschätzung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene sowie internationale Zusammenarbeit und Unterstützung.

Links

Neu in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen: Die Tradition der Transhumanz – einer besonderen Form der Alm- bzw. Weidebewirtschaftung. Die Einreichung erfolgte gemeinsam mit Italien und Griechenland.
© Mauro Gambicorti
Schaftrieb am Niederjoch
© David Bacher
© David Bacher

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