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Welterbe

Kultur- und Naturerbestätten mit außergewöhnlichem universellem Wert  
Foto: © Alexander Eugen Koller

Stadt Graz - Historisches Zentrum und Schloss Eggenberg

© ÖUK/Meixner
© ÖUK/Meixner

Residenz von Kaisern und Fürsten

Gemeinsam mit Schloss Eggenberg bildet das historische Zentrum von Graz ein einzigartiges Ensemble, das von der engen Verflechtung der Stadtgeschichte mit den herrschenden aristokratischen Dynastien – allen voran den Habsburgern sowie der Familie Eggenberg – zeugt. Der hervorragend erhaltene Stadtkern zwischen Schlossberg und Mur, mit seinen gotischen Kirchen, Renaissancehöfen, barocken Bürgerhäusern und Adelspalästen, steht im Wechselspiel mit der ehemals vor den Stadttoren gelegenen, barocken Residenz der Eggenberger.

Allgemeines

Aufgrund ihrer Lage am Schnittpunkt zwischen Balkan, Alpen- und Mittelmeerraum war die Stadt Graz seit jeher Schauplatz für intensiven Kulturtransfer, der in einer einzigartigen Synthese unterschiedlicher künstlerischer und architektonischer Strömungen dieser Regionen Niederschlag fand.

Anders als andere Städte in Österreich geht Graz nicht auf eine römische Siedlung zurück, allerdings wurde das Gebiet bereits im Neolithikum besiedelt. Aufgrund seiner exponierten Lage an der Grenze zu ungarischem Einflussgebiet wurde bereits im 10. Jahrhundert eine kleine Befestigung am Schlossberg errichtet. Diese gab der Siedlung, die sich um sie herum entwickelte, angeblich ihren Namen (slavisch „gradec“ für „kleine Burg“).

Seit 1281 unter habsburgischer Herrschaft, erlebte die Stadt eine erste Hochblüte, als sie zur infolge der Habsburgischen Erbteilung Ende des 14. Jahrhunderts Residenzstadt Innerösterreichs wurde. Kaiser Friedrich III. erkor Graz schließlich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu seiner Lieblingsresidenz – ein Umstand, der eine rege Bautätigkeit im Stil der Gotik mit sich brachte. Das 16. Jahrhundert, das den Ausbau der Stadt im Stil der Renaissance mit sich brachte, war zum einen von der ständigen Bedrohung durch die Türken, zum anderen von der Gegenreformation geprägt. Der damit zusammenhängende Bau gewaltiger Festungsanlagen unter Federführung des italienischen Architekten Domenico dell’Aglio sowie das Wirken des Jesuitenordens prägen noch heute das Stadtbild.

Das Schloss Eggenberg wurde nach 1625 nach Plänen des Architekten Giovanni Pietro de Pomis als Residenz des kaiserlichen Statthalters Hans Ulrich von Eggenberg errichtet und ist die bedeutendste Schlossanlage der Steiermark. Nach Vorbild des spanischen Escorial konzipiert, handelt es sich bei der symmetrischen Anlage um ein architektonisches Abbild der kosmischen Ordnung, das das humanistische und naturphilosophische geprägte Weltbild des Bauherrn widerspiegelt: die vier nach den Himmelrichtungen ausgerichteten Ecktürme symbolisieren etwa die vier Elemente und Jahreszeiten, 365 Außenfenster stehen für die Tage des Jahres, 24 Prunkräume beispielsweise für die Stunden des Tages. Umgeben wird das Schloss von einem weitläufigen, von einer Mauer umgebenen Park, der im 19. Jahrhundert zu einem englischen Landschaftsgarten umgestaltet wurde.

© ÖUK/Meixner
© Universalmuseum Joanneum/Peter Gradischnigg
© Universalmuseum Joanneum/zepp®cam.at

Das Welterbe Kriterien: (ii), (iv)

Das historische Zentrum der Stadt Graz wurde 1999 UNESCO-Welterbe, 2010 erfolgte die Erweiterung um Schloss Eggenberg. Die zweiteilige Kernzone umfasst nun eine Fläche von 91 ha mit einer Pufferzone von rund 242 ha, welche vor allem zum Schutz von Sichtachsen und als Verbindung der beiden Kernzonen etabliert wurde. Darin enthalten sind  der Schlossberg und die Grazer Innenstadt, Teile der Murvorstadt rund um den Südtirolerpatz sowie Schloss und Schlosspark Eggenberg.

(ii) Das Historische Zentrum der Stadt Graz und Schloss Eggenberg spiegeln verschiedene künstlerische und architektonische Strömungen wider, ausgehend vom germanischen Raum, sowie der Balkan- und Mittelmeerregion, denen sie jahrhundertelang als Schnittpunkt diente. Die bedeutendsten Architekten und Künstler aus diesen unterschiedlichen Regionen verwirklichten sich hier sichtbar und schufen so eine brillante Synthese.

(iv) Das städtebauliche Gefüge der Stätte „Stadt Graz – Historisches Zentrum und Schloss Eggenberg“ ist ein herausragendes Beispiel für eine harmonische Verflechtung von Architekturstilen aufeinanderfolgender Epochen. Jede Epoche wird durch typische Bauten repräsentiert, die oftmals Meisterwerke darstellen. Die äußere Erscheinung der Stadt und des Schlosses erzählen getreu die Geschichte ihrer gemeinsamen historischen und kulturellen Entwicklung.

© Universalmuseum Joanneum/Kaunat
© Graz Tourismus/Erwin Scheriau
© Graz Tourismus/Toni Muhr

Literatur

BOUVIER, Friedrich/ACHLEITNER, Friedrich: Lebendige Altstadt. Erfahrungen und Ausblicke am Beispiel Graz. Graz 1991.
KAISER, Barbara: Schloss Eggenberg, Wien 2006.
POSCH, Fritz: Die Besiedelung des Grazer Bodens. In: 850 Jahre Graz. Graz 1978.
RESCH, Wiltraud/ARTNER, Wolfgang: Die Kunstdenkmäler der Stadt Graz: die Profanbauten des I. Bezirkes, Altstadt. Wien 1997.


Weiterführende Links

UNESCO World Heritage List Stadt Graz - Historisches Zentrum und Schloss Eggenberg