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Welterbe

Kultur- und Naturerbestätten mit außergewöhnlichem universellem Wert  
Foto: © Alexander Eugen Koller

Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas

© NPKalkalpen/Kurt Buchner
© NPKalkalpen/Mayrhofer

Europas urzeitliche Wälder

Von den ausgedehnten Buchenwäldern, die Europa seit der letzten Eiszeit bedeckten und das Landschaftsbild Mitteleuropas beherrschten, sind infolge der historischen Besiedelung und Urbarmachung Europas nur noch wenige Reste vorhanden. Diese alten Buchenwälder und Buchenurwälder sind wertvolle Zeugen einer großflächigen ökologischen und (co-)evolutionsbiologischen Entwicklung, nämlich der postglazialen Ausbreitung der europäischen Rotbuche (Fagus sylvatica) sowie deren Zurückdrängung durch den Menschen.

Allgemeines

Seit dem Ende der letzten Eiszeit breitet sich die europäische Rotbuche (Fagus sylvatica) ausgehend von einigen isolierten Zonen in den Alpen, Karpaten, Dinariden, Pyrenäen und im Mittelmeerraum immer weiter aus. Diese großflächige Expansion ist auf die enorme Anpassungsfähigkeit der Buche an verschiedene Klimazonen und terrainbedingte Umstände zurückzuführen. Die Rotbuche ist ausschließlich in Europa heimisch und ein bedeutender Bestandteil der gemäßigten europäischen Laubwald-Ökosysteme. Über Jahrtausende hinweg intensiven Umweltveränderungen ausgesetzt, wurden die europäischen Rotbuchenwälder im Zuge menschlicher Aktivität in prähistorischer und historischer Zeit zunehmend zurückgedrängt und auf wenige Restbestände in meist abgelegenen Gebieten und Regionen reduziert. Dies ist sowohl Folge der intensiven Abholzung im Zuge Besiedelung Europas, als auch der forstwirtschaftlichen Nutzung der europäischen Wälder seit dem Mittelalter. Die nacheiszeitliche Expansion der Buche, die parallel zur Entwicklung der Sesshaftigkeit des Menschen verlief, stellt damit also auch ein wichtiges Element der Kulturgeschichte dar.

Der Buchenwald ist ein serielles Welterbe, bestehend aus 67 Teilgebieten in 12 Staaten. Einzigartig sind die teilweise völlige Unberührtheit der Wälder und die damit verbundene reiche Artenvielfalt in diesen ursprünglichen Ökosystemen.

Österreich

5 der insgesamt 78 Einzelkomponenten dieses Weltnaturerbes liegen in Österreich. Mit einer Fläche von 1.867 ha besitzt das Wildnisgebiet Dürrenstein in Niederösterreich mit dem Rothwald den ausgedehntesten Buchenurwald des Alpenbogens. Bäume im Alter von 400 bis 500 Jahren zeugen  von der Unberührtheit des Waldes. Der oberösterreichische Nationalpark Kalkalpen stellt mit insgesamt rund 5.252 ha Welterbefläche (vier Einzelkomponenten) das weitläufigste Buchenwaldschutzgebiet der Alpen dar. 

© NPKalkalpen/Sieghartsleitner
© Wildnisgebiet Dürrenstein/Theo Kust
© Wildnisgebiet Dürrenstein/Hans Glader

Das Welterbe Kriterien: (ix)

Die Alten Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas wurden 2017 UNESCO-Welterbe und sind Österreichs erstes Weltnaturerbe. Sie stellen eine Erweiterung der bereits 2007 und 2011 eingetragenen Gebiete in der Slowakei, Ukraine und Deutschland dar. Mit einer Kernzone von einer Gesamtfläche von 92,023.24 ha sind die Buchenwälder die flächenmäßig, weltweit größte Welterbestätte auf der Welterbe-Liste der UNESCO. In Österreich befinden sich 7.119 ha dieser Fläche, die übrigen Gebiete befinden sich in Albanien, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Deutschland, Italien, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien und Ukraine.

(ix) Die „Alten Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ sind unverzichtbar, um die Geschichte und Evolution der Gattung Fagus zu verstehen, die aufgrund ihrer weiten Verbreitung in der nördlichen Hemisphäre und ihrer ökologischen Bedeutung global signifikant ist. Diese unberührten, komplexen Wälder der gemäßigten Zone weisen von allen relevanten Rotbuchenwaldregionen die vollständigsten und umfassendsten ökologischen Strukturen und Prozesse von Rein- und Mischbeständen von Rotbuchen in einer Vielzahl von Umweltbedingungen, wie etwa klimatischen oder geologischen Verhältnissen, auf. Sie umfassen alle Höhenstufen, von der Küste bis zur Baumgrenze in den Bergregionen, und schließen ferner die besten verbliebenen Beispiele der äußeren Verbreitungsgrenzen der Rotbuchenwälder ein. Die Buche ist eines der wichtigsten Elemente der Laubwälder der gemäßigten Klimazone und stellt ein herausragendes Beispiel für die Wiederbesiedelung und Entwicklung terrestrischer Ökosysteme und Gesellschaften seit der letzten Eiszeit dar. Die anhaltende Ausbreitung der Buche nach Norden und Westen aus ihren ursprünglichen eiszeitlichen Rückzugsgebieten in den östlichen und südlichen Teilen Europas kann entlang natürlicher Korridore und Trittsteine, die den ganzen Kontinent überziehen, nachvollzogen werden. Jüngere Veränderungen im Verbreitungsmuster dieser Art lassen sich mit dem direkten Einfluss menschlicher Eingriffe und den komplexen Auswirkungen des anthropogen verursachten Klimawandels in Verbindung bringen. Sowohl historische als auch gegenwärtige serielle Verbreitungsmuster stellen natürliche evolutionäre Strategien dar, um sich Umweltveränderungen anzupassen und fortzubestehen. Die Dominanz der Buche auf großen Gebieten Europas ist ein lebendiges Zeugnis ihrer genetischen Anpassungsfähigkeit.

© Wildnisgebiet Dürrenstein/Werner Gamerith
© NPKalkalpen
© NPKalklapen/Sieghartsleitner

Literatur

BOHN, Udo/GOLLUB, Gisela: Buchenwälder als natürliche Vegetation in Europa. Natur und Landschaft 82 (9/10). 2007.
BURMESTER, Andrea/ENGELS, Barbara/ SCHEUERBRANDT, Birgit: World Natural Heritage and Cultural Landscapes in Europe – The Potential of Europe’s World Natural Heritage. BfN-Skripten 149, Vilm. 2005.
CZAJKOWSKI, Tomasz/KOMPA, Thomas/BOLTE, Andreas: (2006): Zur Verbreitungsgrenze der Buche (Fagus sylvatica L.) im nordöstlichen Mitteleuropa. Forstarchiv 77. 2006.
KRISAI, Robert/WIMMER, Franz Xaver: Pollen- und Großrest-Analysen. Zur Wald- und Moorgeschichte im Nationalpark Kalkalpen. 2000.


Weiterführende Links

UNESCO World Heritage List Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas 


Video - Primeval Beech Forests