Tuntathlon Wien
Gesellschaftliche Praktiken in Wien, aufgenommen 2025
Der Tuntathlon in Wien ist eine seit 2001 jährlich ausgetragene Halbtags-Veranstaltung als Straßenfest, mit (pseudo-)sportlichen Wettbewerben wie Handtaschenwurf, Stöckelschuh-Stafettenlauf und Synchronbügeln, an denen Teams aus selbst deklarierten „Tunten“ (Selbstbezeichnung der Beteiligten) jedweder Geschlechteridentität (drei pro Team) teilnehmen. Geschlechterrollen und Stereotype werden dabei aufs Korn genommen. Gemeinsam mit dem Publikum wird die Straße zu einer genderfreien Zone erklärt.
Ursprünglich ist der Tuntathlon von München, wo er im Rahmen der Eurogames 2000 der Europäischen Schwulen und Lesben Sport-Föderation (EGLSF) als Begleit-Ereignis durchgeführt wurde, nach Wien importiert worden und wird hier in Abwandlung seit 2001 jährlich ausgetragen. Besonderes Augenmerk wird auf die niederschwellige Vermittlung von divergenten Lebensrealitäten und das Verschwimmen der Grenzen zwischen queerer und heteronormativen Lebensrealitäten gelegt. Ausübende sind selbst deklarierte Tuntathlet*innen. Um teilnehmende Person an Wettbewerb zu sein, bedarf es allerdings keiner Zugehörigkeit zur queeren Bevölkerung. Jeder Mensch, der sich tuntig fühlt (auch nur für diesen einen Nachmittag) ist für die Teilnahme in einem der Teams qualifiziert.
In diesem spielerisch angelegten Wettbewerb stehen weniger sportliche Höchstleistungen im Vordergrund als vielmehr Anmut und publikumswirksame Inszenierung. Die drei Kerndisziplinen sind der Handtaschenwurf, der Stöckelschuh-Stafettenlauf und das Synchronbügeln. Der sportliche Wettkampf wird dabei bewusst karnevalesk übersteigert und parodiert. Klischeehafte äußere Zuschreibungen, die mit Tunten assoziiert werden – etwa Perücken, Schminke oder extravagante Kleidung, dienen nicht nur als wesentliches Mittel der Komik und Parodie, sondern wirken zugleich selbstermächtigend: Einerseits werden stereotype Bilder humorvoll übernommen, andererseits ironisch gebrochen und so ein stereotypes Männlichkeitsideal karikiert.
Das Publikum besteht aus zufälligen Passant*innen, Neugierigen und regelmäßig anwesenden Fans und sind in der Regel um die 500-600 Menschen. Austragungsort seit einigen Jahren der Yppenplatz in Ottakring. Die Umsetzung und laufende Arbeit wird vom Verein Tuntenstraße geleistet, der sich um Administration, Organisation, sowie die Öffentlichkeitsarbeit kümmert.
Die Teilnehmer*innnen gehören inzwischen drei Generationen an: der Begriff der Generation ist im queeren Zusammenhang ein zeitlich kürzer zu verstehender. Hier ist auf die Rolle des Coming Outs hinzuweisen und die in wesentlich höherem Maß gegebene Kinderlosigkeit und Nicht-dynastisch-konzipierte Lebensplanung. Beispielsweise ist die Weitergabe von einer 66-Jährigen an eine 22-Jährige teilnehmende Person vergleichbar mit einem Ur-Großelternteil an das Ur-Enkel-Kind.
Kontakt
Downloads
- Bewerbungsmappe 310 KB (pdf)
- Expertise Peter 6 MB (pdf)
- Expertise Wahl 13 MB (pdf)
- Expertise Brunner 6 MB (pdf)




