Striezelwerfen in Stein im Jauntal / Metanje štručk v Kamnu v Podjuni
Gesellschaftliche Praktiken in Kärnten, aufgenommen 2025
Das „Striezelwerfens“ in Stein im Jauntal/ Kamen v Podjuni hat seinen Ursprung in der Armenstiftung der Hildegard von Stein. Diese Tradition ist einer der ältesten in ganz Kärnten und wird jährlich am ersten Sonntag im Februar in der Gemeinde St. Kanzian ausgeübt. Heutzutage werden in Anlehnung an ihre Armenspeisungen die sogenannten Agatha-Striezel, kleine Brotlaibe aus Roggenmehl, vom Balkon der ehemaligen Burgmeierei geworfen. Hunderte Besucher*innen warten unten darauf, einen geweihten Striezel zu fangen. Falls sie keinen fangen, können sie mittlerweile auch einen Striezel erwerben. Die gesegneten Striezel sollen den Besitzer*innen Schutz vor Krankheit, Hunger und Unglück bieten.
Die Selige Hildegard von Stein, die vermutlich zwischen 910 und 985 in der Region lebte, war für ihre soziale Gesinnung bekannt. Sie kümmerte sich um Kranke und Arme in einem eigenen Hospiz – versorgte sie mit Essen und Kleidung. Schon vor 1000 Jahren sollen zu ihrem Todestag jährliche Armenspeisungen und Feste stattgefunden haben. Belege zeigen, dass diese Praxis bereits seit Jahrhunderten existieren. Kaiser Franz Josef II. soll den Hildegardkult verboten haben, doch um 1790 setzte sich die Bevölkerung durch und das „Striezelwerfen“ wurde wieder eingeführt. Seither werden, mit zeitlichen Unterbrechungen, tausenden Agatha-Striezel von den Einwohner*innen von Stein gebacken und gespendet.
Obwohl der charitative Charakter heute nicht mehr den Mittelpunkt bildet, erfreut sich das Striezelwerfen im zweisprachigen Gebiet im Stein im Jauntal/ Kamen v Podjuni großer Beliebtheit und ist für alle Teilnehmer*innen offen. Mehrere Hundert Besucher*innen feiern an diesem Tag das Fest. Um die Striezel gibt es oft reges Gedränge, denn sie werden als Glücksbringer verwendet und in Autos oder Häusern aufbewahrt. Wer keinen fängt, kann mittlerweile für eine kleine Spende einen Striezel mitnehmen. Es wird darauf geachtet, dass die Gebäckstücke trocken gelagert werden, da es Unglück bringen soll, wenn sie verschimmeln. Auch Tiere werden immer noch mit den gesegneten Brotlaiben gefüttert, um Unheil abzuwenden. In fast jedem Haushalt der Region findet man die kleinen Roggenbrote als Schutz.
Das Backen selbst wurde häufig über Generationen hinweg in bäuerlichen Familien weitergegeben. Während es vor wenigen Jahrzehnten noch viele waren, die das Striezelbacken selbst übernahmen, muss heute ein Teil davon an Bäckereien ausgelagert werden, um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden. Der lokale Kulturverein engagiert sich dafür, dass sowohl die handwerkliche Praxis erhalten, als auch der karitative Charakter und der solidarische Gedanke hinter dem Striezelwerfen bewahrt und immer wieder betont werden.
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