Georgijagen / Šentjurja jagat
Gesellschaftliche Praktiken in Kärnten, aufgenommen 2025
Das Georgijagen ist eine alte Hirten- und Heischetradition, die im Gebiet der Marktgemeinde Finkenstein am Faaker See/Bekštanj, in der Region südlich und östlich von Villach sowie in einigen Ortschaften entlang der Ossiacher Tauern ausgeübt wird. Am Vorabend des Georgstages, dem 22. April, wird mit dem Beginn der Weidesaison der Sieg des Frühlings über den Winter mit Abwehr- und Segenssprüchen gefeiert.
Die Georgitradition wird im gemischtsprachigen oberen Rosental als „Georgijåg‘n“, im Slowenischen als „Šentjurja jahat“ bzw. in den westlich gelegenen Orten als „Šentjurja jagat“, im westlichen Teil der Ossiacher Tauern als „Georgijåg‘n“ und im östlichen Teil der Ossiacher Tauern als „Girgljåg'n“ bezeichnet.
Der vormalige bäuerliche Hirtenbrauch des Georgijagens wird in den Ortschaften des oberen Rosentales in der Regel von Kindern im Alter von etwa 6 bis 14 Jahren ausgeführt. Am Vorabend des Georgstages, dem 22. April, versammeln sich die Kinder bei Sonnenuntergang am Schauplatz, wo sie Tage davor einen Holzhaufen vorbereitet haben. Hier wird das Georgifeuer entzündet, die Kinder sprechen kniend ein gemeinsames Gebet und ziehen dann lärmend durch den Ort. Sie halten an jedem Haus, läuten ihre mitgebrachten Kuhglocken und blasen in Rinder- und Bockshörner. Der Anführer bzw. die Anführerin in der Gruppe (als „Capo“ bezeichnet) zeichnet mit dem Tierhorn symbolisch ein Kreuz an die Haustür und spricht einen deutschen oder slowenischen Segensspruch, der Glücks- und Gesundheitswünsche für die Hausleute sowie Segenswünsche für Vieh und Tiere beinhaltet. Die Kinder bekommen bei den Häusern Eier, Geld und andere Geschenke, die sie nach beendetem Umgang gemeinsam verspeisen bzw. beim geselligen Beisammensein gleichmäßig aufteilen.
In den östlichen Ossiacher Tauern wird das „Girgljåg'n“, das in den Dörfern rund um St. Nikolai im Bezirk Feldkirchen durchgeführt wird, von unverheirateten erwachsenen Burschen/Männern, denen sich in den frühen Abendstunden auch jüngere Personen anschließen dürfen, ausgeübt. Der Georgi- bzw. Glücksspruch wird im Chor vorgetragen. Während des Marsches von Haus zu Haus werden Lieder gesungen, an Bildstöcken und Wegkreuzen wird „Kreuzgeblasen“ und der Rosenkranz gebetet. Georgifeuer wie im oberen Rosental gibt es in dieser Region nicht. Die Brauchtumsgruppe Ossiacher Tauern sorgt für die kontinuierliche Pflege und Weitergabe des traditionellen „Girgljåg'ns“ in der Gegend.
Die älteste Beschreibung des Georgibrauches in Kärnten stammt aus dem Jahr 1841. Ist das Georgijagen in einigen Dörfern der Region inzwischen zum Erliegen gekommen, wird es in einigen Ortschaften aufgrund des lokalen Engagements noch immer aufrechterhalten und bleibt dort weiterhin eine wichtige Praxis des kulturellen Lebens. Bei der Weitergabe der Praxis und während des gesamten Prozesses im oberen Rosental und in den westlich gelegenen Orten werden die Kinder von den Gemeinschaften vor Ort unterstützt – unter anderem in der Schule, durch Brauchtumsgruppen, Dorfgemeinschaften oder Kulturvereine, die mit ihnen alte und neue Sprichwörter auf Deutsch und Slowenisch einstudieren. Auf Initiative der Dorfgemeinschaft Latschach wurde diese gesellschaftliche Praxis in Kärnten mit allen lokalen Ausprägungen zusammengetragen, um die Praxis bekannter zu machen und die Jugend zur Erhaltung der Tradition zu ermutigen.
Kontakt
Kronigweg 7
9582 Unteraichwald
guenther.sticker@kabeg.at
www.dglatschach.at
Downloads
- Bewerbungsmappe 1 MB (pdf)
- Expertise Piko-Rustia & Maurer-Lausegger 483 KB (pdf)
- Expertise Kogler 209 KB (pdf)
- Zusatzinfo: Karte Georgijagen deutsch 2 MB (pdf)
- Zusatzinfo: Karte Georgijagen slowenisch 2 MB (pdf)




