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Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki

Flurnamen des Bundeslandes Tirol
Mündliche Traditionen in Tirol, aufgenommen 2018

Flurnamen in Tirol dienen bereits seit mehr als 2000 Jahren als Orientierungshilfe und erleichtern die Kommunikation innerhalb der Bevölkerung. Die Vermittlung des Wissens über Namen und Verortung wird durch Begehungen, Bearbeitung der Wirtschaftsflächen und über Erlebnisse sowie soziale Beziehungen durch (unbewusst) mehrfache Wiederholung garantiert und weitergegeben. Die etwa 120.000 Namen in den fast 300 Tiroler Gemeinden wurden zwischen 2007 und 2017 in Zusammenarbeit mit verschiedenen Bevölkerungsteilen (OrtschronistInnen, Vereine, lokale WissensträgerInnen) und wissenschaftlichen Einrichtungen erfasst und kartographisch verortet.

Flurnamen ebenso wie Hofbezeichnungen („Vulgonamen“) oder die Benennung von weiteren Elementen der Kulturlandschaft (Marterln, Kleinstbauwerken etc.) spiegeln historische und sprachliche Entwicklungen wider. Die Benennungsmotive sind vielfältig und verschiedenen Sprachschichten zuzuordnen. Die Tradierung erfolgte großteils mündlich, überschreitet aber in vielen Fällen die reine gesprochen-sprachliche Weitergabe und ist kognitiv, affektiv und handlungsorientiert. Zum Beispiel lernen Hirten, die während eines Sommer eine Alm bewirtschaften, das Almgebiet im Laufe der Saison kennen und können dann auch Flächen, Steige, u.ä. benennen.
Bei dem Projekt der Erhebung der Tiroler Flurnamen handelt es sich um eine synchrone Aufnahme von existierenden noch aktiv gesprochenen Flurbenennungen und Benennungen von Objekten und Gebäuden etc., welche frei und öffentlich einsehbar ist und somit den Erhalt des Kulturgutes sichert. Die generationenübergreifende Zusammenarbeit von über 500 Ehrenamtlichen, SchülerInnen, lokalen WissensträgerInnen, der breiten Bevölkerung, Gemeinden, der Universität Innsbruck und dem Tiroler Bildungsforum ermöglichte die kartografische Erfassung der Namen. Die gegenwärtige Praxis ist so angelegt, dass das Wissen aktiv verbreitet und genutzt wird (Karten, Straßenbezeichnungen, Alltagssprache etc.) und somit weiterhin eine inklusive und identitätsstiftende Rolle spielt.

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