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Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki

Österreichisches Verzeichnis

Seit dem Beitritt Österreichs zum Übereinkommen ist die Österreichische UNESCO-Kommission mit der Erstellung eines nationalen Verzeichnisses des immateriellen Kulturerbes in Österreich  betraut. Jede gelistete Tradition trägt in ihrer Individualität dazu bei, über die Bundeslandgrenzen hinaus die kulturelle Vielfalt und den großen Reichtum an lebendigem Kulturerbe in Österreich verständlich zu machen.  
Bewerbungen werden ganzjährlich entgegen genommen. Nähere Informationen zum Bewerbungsablauf und zu den Kriterien finden Sie hier.

Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Anklöpfeln im Tiroler Unterland

Das Anklöpfeln ist ein im Tiroler Unterinntal gepflegter Brauch, bei dem eine Gruppe von meist männlichen Sängern an den drei Donnerstagen vor Weihnachten (Klöpflnächte) den Häusern der Nachbarschaft einen Besuch abstattet. Die Sänger sind als Hirten verkleidet und werden in das Haus gebeten. Sie stimmen Lieder an, die die Geburt Jesu verkünden. Häufig werden die Sänger auch von MusikerInnen begleitet.

Blochziehen in Fiss

Das Blochziehen in Fiss gehört zu den größten Fasnachtsbräuchen im Alpenraum. Im Vierjahresrhythmus wird im Spätherbst ein Zirbenbaum – Bloch genannt – gefällt und beim Festtagsumzug auf einem geschmückten Holzschlitten durch das Dorf gezogen. Eine Vielzahl unterschiedlicher Figuren begleitet den Umzug. Neben dem Blochziehen der Erwachsenen wird alle zwei Jahre auch ein Kinder-Blochziehen für 6-14 Jährige veranstaltet.

Dürrnberger Schwerttanz

Der Dürrnberger Schwerttanz ist ein Reigen- und Kettentanz, der seit rund 500 Jahren praktiziert wird und eng mit der Salzburger Salinenindustrie und dem Bergbau verknüpft ist. Der Tanz wurzelt in der mittelalterlichen Tradition der Handwerker- und Standestänze. Seine Aufführung ist bis heute ausschließlich besonderen Anlässen, wie Berufsfesten und Ehrentagen vorbehalten.

Ebenseer Fetzenzug

Der Ebenseer Fetzenzug ist ein jährlich am Faschingsmontag in Ebensee stattfindender Faschingsumzug. Die TeilnehmerInnen, die so genannten „Fetzen“, kleiden sich in alte Frauengewänder, an die Lumpen genäht sind. Sie tragen einen Fetzenhut sowie eine kunstvoll geschnitzte Holzmaske. Wesentliches Element des Fetzenzuges ist das sogenannte ‚austadeln‘ der ZuschauerInnen.

Gasteiner Perchten

Der Gasteiner Perchtenlauf findet alle vier Jahre zwischen Neujahr und dem Dreikönigstag im Raum Bad Gastein und Bad Hofgastein statt. Unter den rund 140 mitlaufenden Figuren, wie zum Beispiel den Heiligen Drei Königen, Schleifermandln, Hanswursten, Hexen, Kramperl und Schnabelperchten befinden sich auch rund 30 KappenträgerInnen, die einen meist mehrere Meter hohen Kopfschmuck tragen.

Lichtbratlmontag in Bad Ischl

Alljährlich am Montag nach Michaeli (29. September) wird in Bad Ischl der Lichtbratlmontag begangen. Dieser bezieht sich auf einen Brauch, bei dem früher Meister ihren MitarbeiterInnen ein „Bratl“ spendierten, da an diesem Tag erstmals wieder mit künstlichem Licht gearbeitet werden musste. Heute handelt es sich um ein Jahrgangstreffen aller runden JubilarInnen ab 50 eines jeweiligen Jahres, die in Bad Ischl geboren sind oder dort ihren Hauptwohnsitz haben.

Lieder der Lovara

Lieder sind ein wichtiger Bestandteil der Kulturtradition der Lovara. Die Bezeichnung dieser Roma-Gruppe geht auf ihre frühere Haupterwerbstätigkeit zurück: „Lovara“ bedeutet „Pferdehändler“. Die Lieder handeln von Familie und Gemeinschaft, aber auch die Rolle des Einzelnen und die frühere Lebensweise der Lovara werden besungen. Zudem sind sie ein Sprachspeicher und beinhalten typische Phrasen, Metaphern oder einzelne Ausdrücke, die heute im alltäglichen Gebrauch kaum mehr Verwendung finden.

Köhlerei

Bei der Köhlerei handelt es sich um eine Handwerkstechnik aus dem bäuerlichen Umfeld, die primär der Erzeugung von Holzkohle dient. Mittels trockener Destillation wird Holz unter Luftabschluss erhitzt und über eine Zeitspanne von mehreren Wochen durchgekohlt, wobei es in möglichst reinen Kohlenstoff umgewandelt wird.

Mullen und Matschgern in den MARTHA-Dörfern

Der in der Fastnacht praktizierte Brauch des Mullens beziehungsweise Matschgerns hat in den MARTHA-Dörfern (Mühlau, Arzl, Rum, Thaur und Absam) nördlich von Innsbruck eine jahrhundertelange Tradition. Als Hauptfiguren bei diesen Umzügen treten Hexen, Melcher, Spiegeltuxer, Zaggler und Zottler auf, welche durch diverse Nebenfiguren ergänzt werden.

Murauer Faschingrennen

Der kräfteraubende und aufwändige Umzug- und Heischebrauch wird alle zwei bis fünf Jahre meist am Faschingsmontag in mehreren Orten im Bezirk Murau ausgeübt. Die Teilnehmer bewegen sich auf Fahrzeugen oder zu Fuß von Hof zu Hof und müssen Hindernisse bewältigen: entweder eine gespannte Kette (Speng) überwinden oder die Herausforderung zum Zweikampf annehmen. Insgesamt werden bis zu 30 Kilometer zurückgelegt. Um 19 Uhr müssen die Gruppen bei der Kirche sein, wo ein Abschluss-Kranzl gelaufen wird.

Pecherei in Niederösterreich

Pecherei ist ein seit Jahrhunderten übliches Handwerk, welches der Gewinnung von Harz von Föhrenbäumen dient. Der Stamm des Baumes wird oberflächlich verwundet, um so den Harzfluss künstlich anzuregen. Das gewonnene Harz, auch Pech genannt, wird in Raffinerien und Siedereien zu Terpentinöl und Kolophonium verarbeitet. Diese Zwischenprodukte waren bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts die Grundlage zur industriellen Erzeugung von Papier, Lacken, Farben, Seife und vielen anderen Produkten.

Roman - die Sprache der Burgenland-Roma

Roman ist als Sprache der burgenländischen Roma hauptsächlich im Burgenland verbreitet und ein wichtiger Bestandteil des Kultur- und Spracherbes der dortigen Roma. Es handelt sich um eine Varietät des Romani, die ausschließlich auf österreichischem Staatsgebiet gesprochen wird. Roman kann auf eine über 500-jährige Tradition zurückblicken und wird heute hauptsächlich im familiären Umfeld, aber auch unter FreundInnen und anderen Mitgliedern der Volksgruppe gesprochen.

Stille Nacht - das Lied zur Weihnacht

Das im Jahr 1818 komponierte Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ bildet für zahlreiche Menschen einen Fixpunkt des Heiligen Abends und ist für viele der Inbegriff des Weihnachtsliedes überhaupt. Das gemeinsame Singen und Musizieren wird von Kirchengemeinschaften verschiedener Konfessionen, Chören, Gesangsvereinen, Kindergärten, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen gleichermaßen praktiziert und angeregt.

Transhumanz – Schafwandertriebe in den Ötztaler Alpen

Die Transhumanz in den Ötztaler Alpen ist eine besondere Form des Schafwandertriebs. Die Wanderungen verlaufen über das Timmelsjoch (2494m), das Hochjoch (2885m) und das Niederjoch (3017m) und gelten als die einzige grenzüberschreitende Transhumanz in den Alpen, die über Gletscher führt. Jährlich werden im Frühsommer rund 5000 bis 5500 Schafe aus Südtirol in die Ötztaler Weidegebiete getrieben und im Herbst wieder zurückgetrieben.

Vorarlberger Flurnamen

Da sich Fluren und Äcker in oft weiter Entfernung der Dörfer und Höfe befinden, war ihre genaue örtliche Benennung von großer Bedeutung für das Abschließen von Verträgen, die Erstellung von Wegbeschreibungen und die Berechnung zu entrichtender Abgaben. Über Jahrhunderte hinweg bildeten die dadurch entstandenen Orts- und Flurnamen einen selbstverständlichen Bestandteil der bäuerlichen Lebenswirklichkeit.

Windischgarstner Niglo-Umzug

Der Niglo-Umzug am Vorabend des Nikolaustages (6. Dezember) bildet einen jährlichen Fixpunkt der Adventzeit in Windischgarsten. Er besteht aus ungefähr 30 Personen: dem Nachtwächter, dem Nigloherrn (ein Herr in städtischer Bekleidung) und der Niglofrau (eine jüngere Frau mit weißem Kleid und Krone), mehreren Nigeln (in Pelz gehüllte Krampusse mit Larven, um den Körper Schellen und Birkenruten tragend), mehreren Engeln, dem Teufel, dem Heiligen Nikolaus und verschiedenen Nebenfiguren.

Wiener Kaffeehauskultur

Die Tradition der Wiener Kaffeehauskultur ist durch eine ganz spezielle Atmosphäre geprägt. Typisch für ein Wiener Kaffeehaus sind Marmortischchen, auf denen der Kaffee serviert wird, Thonetstühle, Logen, Zeitungstischchen und Details der Innenausstattung im Stil des Historismus. Die Kaffeehäuser sind ein Ort, „in dem Zeit und Raum konsumiert werden, aber nur der Kaffee auf der Rechnung steht“.

Wirlinger Böllerschützen

Der Traditionsschützenverein Wirling ist österreichweit der vermutlich einzige Verein, der berechtigt ist, das traditionelle Böllerschießen zu betreiben. Die Böllerschützen begleiten religiöse und weltliche Feste. Ein eigens dafür konstruiertes Böllergeschütz wird auf einer Anhöhe in Stellung gebracht und je nach Anlass zu genau festgelegten Zeiten abgefeuert. Wichtig ist, immer das Echo des Böllerknalls, welches bis zu zwölf Sekunden dauern kann, vor der Abgabe des nächsten Schusses abzuwarten.

Wissen um die Haselfichte als Klangholz

Haselfichten mit ihrem genetisch verankerten Haselwuchs kommen meist in den Waldbeständen der Alpen über 1200 Meter Meereshöhe vor. Aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften wird das Holz der Haselfichte seit jeher für den Instrumentenbau, bei dem höchste Ansprüche an die Holzqualität gestellt werden, verwendet. Nur wenige Holzfachleute sind imstande, diese Holzqualität am stehenden Baum zu erkennen.