Internationales Symposium in Marseille zu Transhumanz – Bericht von Barbara Haid, Pro Vita Alpina
Von 21.-23. April fand in Marseille ein Symposium anlässlich der multinationalen Nominierung der Transhumanz statt. Zur Teilnahme wurden Vertreterinnen der Praxis sowie Vertreterinnen der Konvention von 2003 zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes eingeladen, um sich auszutauschen und zu vernetzen. Barbara Haid, Obfrau des Vereins Pro Vita Alpina, nahm an der Konferenz teil und berichtet darüber:
Barbara Haid vertrat Österreich beim Internationalen Symposium „Transhumance as Intangible Cultural Heritage of Humanity: A Way Forward”. Diese Veranstaltung fand unter der Schirmherrschaft der französischen UNESCO-Kommission von 21. bis 23. April 2026 in Marseille statt. Am Symposium nahmen an die 100 Vertreter*innen aus den 10 Ländern teil, die derzeit auf der repräsentativen Liste der Transhumanz (Wanderweidewirtschaft) des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit stehen (Albanien, Andorra, Österreich, Kroatien, Frankreich, Griechenland, Italien, Luxembourg, Rumänien, Spanien), sowie aus den sechs Kandidatenländern (Bulgarien, Polen, Serbien, Slowakei, Ukraine). Im Zentrum des Symposiums stand die Erhaltung und Förderung der Transhumanz in den betreffenden Ländern. Das Ziel war vor allem der Erfahrungsaustausch zu Themen wie: Zukunft dieser Tradition (Ausbildung der Schäfer und Hirten), Anpassung an neue sozioökonomische und umweltbezogene Herausforderungen, Vermarktung der Produkte, Nutzung des öffentlichen Raums und Kulturvermittlung.
Am ersten Tag ging es unter anderem um die bisherigen Etappen bei der Aufnahme der Transhumanz auf die nationale und die repräsentative Liste des Kulturerbes der UNESCO. Barbara Haid berichtete von der ersten Phase des Prozesses. Bereits 2011 wurde die Transhumanz in den Ötztaler Alpen auf die nationale Liste in Österreich aufgenommen. Maßgeblich initiiert wurde diese Einreichung von Pro Vita Alpina (unter anderem durch Hans Haid, dem Vater von Barbara) und dem Kulturverein Schnals. Diese beiden Kulturvereine bemühten sich danach auch – gemeinsam mit anderen Ländern – um die Listung als Kulturerbe der Menschheit. 2019 beschloss das UNESCO-Komitee die Aufnahme dieser Tradition für vorerst drei Länder: Österreich, Italien und Griechenland. 2023 folgten weitere sieben Länder.
Am zweiten Tag waren fünf Round-Tables geplant. Jeweils eine kleine Gruppe an Vortragenden behandelte eines der oben genannten Themen mit Kurzvorträgen und anschließender Diskussion. Barbara Haid nahm an jener Runde zum Thema „Kulturvermittlung“ teil. Dabei stellte sie einerseits die umfangreiche Dokumentation über die Transhumanz in den Ötztaler Alpen vor: zahlreiche TV-Dokumentarfilme, Bücher, Website transhumanz.eu, Campus Transhumanz im ArcheoParc Schnalstal. Andererseits wies sie aber auch darauf hin, dass die Tourist*innen, die den Schaftrieb erleben wollen, gezielt geführt und gelenkt werden müssen, um eventuelle Konflikte zu vermeiden.
Am dritten und letzten Tag führte eine Exkursion erst zum „Maison de la transhumance“ (Haus der Transhumanz) in Salon-de-Provence, wo eine Ausbildungsstätte für Schäfer*innen angesiedelt ist, sich aber auch eine umfangreiche Bibliothek zur Transhumanz im euro-mediterranen Raum befindet. Eine weitere Etappe der Exkursion führte in das Naturschutzgebiet „Coussouls de Crau“, ein von Trockenrasen dominiertes Gebiet, das traditionell als – temporäre – Schafweide benutzt wird. Die Teilnehmer*innen trafen dort zwei Schäferinnen mit ihren Hirten- und Herdenschutzhunden, die eine Herde von „Mérinos d’Arles“, einer lokalen Schafrasse, hüteten. Es waren drei intensive, aber interessante und inspirierende Tage, die Einblicke in andere Transhumanz-Welten ermöglichte und neue Kontakte brachte.
Barbara Haid ist Obfrau des Kulturvereins Pro Vita Alpina und engagiert sich gemeinsam mit dem Verein aktiv für die Vermittlung, Sichtbarmachung und Weitergabe der „Transhumanz“ des traditionellen Schafwandertriebs, der jährlich zwischen dem Schnalstal in Südtirol und dem Tiroler Ötztal stattfindet.
Hintergrund
Die Transhumanz ist seit 2011 Teil des nationalen Verzeichnisses des immateriellen Kulturerbes in Österreich und seit 2019 in die internationalen Listen des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingetragen. Die Aufnahme erfolgte zunächst gemeinsam mit Italien und Griechenland im Rahmen einer multinationalen Nominierung. Aktuell befindet sich das Element in einer zweiten Erweiterungsphase: Vorbehaltlich einer positiven Entscheidung des zwischenstaatlichen UNESCO-Komitees soll die Nominierung bis Winter 2026 auf insgesamt 16 Staaten ausgeweitet werden. Die Förderung transnationaler Zusammenarbeit und des grenzüberschreitenden Austauschs zählt zu den zentralen Zielsetzungen der UNESCO-Konvention von 2003 sowie der internationalen Listen des immateriellen Kulturerbes.
Downloads
- Programm zum Symposium 3 MB (pdf)
Marseille, 21.-23. April 2026 - Detaillprogramm 3 MB (pdf)
Ausführliches Programm




