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Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki

Dombauhüttenwesen international als Good Practice-Modell eingereicht

Österreich hat Mitte März 2019 gemeinsam mit Deutschland, Frankreich, Norwegen, Österreich und der Schweiz die Nominierung des Dombauhüttenwesens als Beispiel guter Praxis für die Erhaltung des immateriellen Kulturerbes bei der UNESCO in Paris eingereicht. Es ist die zweite Nominierung Österreichs für dieses Verzeichnis.

Jeder kennt die berühmten Kathedralen Europas, wie den Kölner Dom, den Straßburger Liebfrauenmünster oder den Wiener "Steffl“  –  nur wenige aber wissen über die Bauhütten Bescheid, die seit Jahrhunderten den Erhalt dieser historischen Großbauwerke sicherstellen.

UNESCO-Register guter Praxisbeispiele (Register of Good Safeguarding Practices)
Insgesamt haben sich für diese multinationale Nominierung für das UNESCO-Register guter Praxisbeispiele 18 Bauhütten aus fünf europäischen Ländern zu diesem Antrag zusammengeschlossen; aus Österreich sind die Dombauhütte St. Stephan und die Dombauhütte Mariendom Linz dabei. 
Das beispielhafte Engagement der Bauhütten für die Erhaltung von handwerklichem Können und Wissen als immaterielles Kulturerbe und ihre gezielten Maßnahmen, etwa im Bereich Vermittlung, sollen weltweit als Modell für den Erhalt von Großbauwerken dienen und das Verständnis für Großbauwerke, deren Baubetrieb, Bauorganisation und  Bautechnik fördern.

Über die Aufnahme entscheidet der zwischenstaatliche Ausschuss Ende 2020.

Viele Gewerke, ein Ziel: Der Erhalt von historischen Bauten
Bei den Bauhütten handelt es sich um Werkstätten in unmittelbarer Nähe der Großkirchen, in denen verschiedene Gewerke gemeinsam am jeweiligen Bau zusammenarbeiten und ihr Wissen bewahren, indem sie es von Generation zu Generation weitergeben. Unter der Leitung eines Dombaumeisters oder einer Dombaumeisterin arbeiten in der Regel Dutzende Mitarbeitende, vor allem Steinmetze und Bildhauer, in einer Bauhütte, die ständig mit der Restaurierung und Neuanfertigung beschädigter und zerstörter Steinbauteile, zum Teil in bildhauerischer Arbeit,  beschäftigt sind.  Das Bauhüttenwesen trägt somit zur permanenten und nachhaltigen Pflege des jeweiligen Domes bei. Es ist ein Garant für die Erhaltung und Weitergabe traditioneller Handwerkstechniken sowie für eine denkmalgerechte, nachhaltige und dauerhafte Erhaltung historischer Großbauten.

"Wir freuen uns sehr, dass diese gemeinschaftliche Einreichung erfolgt ist. Österreichisches Handwerk wird somit auch weiterhin international als wichtiges immaterielles Kulturerbe bestätigt. Die Dombauhütten zeichnet ein hoher Qualitätsanspruch aus, verbunden mit einer generationenübergreifenden Weitergabe von Wissen und Können, das für den Erhaltung unserer Dome wesentlich ist."Gabriele Eschig, Generalsekretärin der Österreichischen UNESCO-Kommission

Das Dombauhüttenwesen als zweite internationale Einreichung von  Österreich im Bereich Handwerk
Das UNESCO-Register guter Praxisbeispiele (Register of Good Safeguarding Practices) ist eine von insgesamt drei  internationalen UNESCO-Listen im Bereich „immaterielles Kulturerbe“. Es zeichnet erfolgreiche Programme, Projekte und Tätigkeiten zur Erhaltung und Weitergabe des immateriellen Kulturerbes aus, die die Prinzipien und Ziele der Konvention im bestmöglichen Sinn umsetzen, d.h. die Erhaltung, Achtung und Förderung des immateriellen Kulturerbes.  Österreich ist seit 2016 durch die Aufnahme von drei Handwerkszentren auf dieser Liste vertreten. Weitere Beispiele guter Praxis sind: Die Ausbildung in traditioneller indonesischer Batik-Technik (Indonesien), das Zentrum für indigene Kunst in Veracruz, Mexiko sowie der Bau von Oselvar-Booten in Norwegen. 

Schwerpunktthema Handwerk
Das Handwerk ist der Österreichischen UNESCO-Kommission grundsätzlich ein großes Anliegen. Neben der Sichtbarmachung von traditionellen Handwerkstechniken über das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich, trägt die ÖUK mit unterschiedlichen Maßnahmen zur Erhaltung des Handwerks bei, u.a. gab sie die Studie Traditionelles Handwerk als immaterielles Kulturerbe und Wirtschaftsfaktor in Auftrag, die 2015 im Facultas Verlag erschienen ist und in weiterer Folge zur Gründung des Instituts für angewandte Gewerbeforschung in der WKÖ geführt hat.  

Links

Dombauhütten halten handwerkliches Können lebendig.
© Dombauhuette St. Stephan