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Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki

20. Tagung des Zwischenstaatlichen Komitees der Konvention von 2003

Vom 8. bis zum 13. Dezember tagte das Zwischenstaatliche Komitee in Neu-Delhi, Indien, und traf Entscheidungen über die Aufnahme neuer Elemente in die UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes. Aufgenommen wurden lebendige Traditionen, darstellende Künste, gesellschaftliche Praktiken sowie Wissen und Techniken im Zusammenhang mit Natur, Universum und traditionellem Handwerk.

Neben den Nationalen Verzeichnissen der Vertragsstaaten existieren auf internationaler Ebene drei UNESCO-Listen, die das immaterielle Kulturerbe abbilden. Im Laufe der Woche befassten sich die 24 Mitgliedstaaten des Komitees mit 67 Elementen des lebendigen Erbes, darunter:

  • 11 Elemente, die in die Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes eingetragen wurden;
  • 53 Elemente, die in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurden;
  • 1 Programm, das in das Register guter Praxisbeispiele zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes ausgewählt wurde.

Das Zwischenstaatliche Komitee – ein Gremium aus 24 von den Vertragsstaaten gewählten Mitgliedern – tritt einmal jährlich zusammen, um über neue Einträge in diese internationalen Listen zu entscheiden. Darüber hinaus ist es dafür zuständig, die Umsetzung der Konvention zu begleiten und Empfehlungen für Erhaltungsmaßnahmen auszusprechen.

„Zerbrechlich und doch essenziell bleibt lebendiges Erbe eine Säule kultureller Vielfalt in einer Welt, die sich bisweilen fragmentiert und gespalten anfühlt. Lebendig, kreativ und von Gemeinschaften getragen, erinnert es uns an das, was uns verbindet. Lassen wir die Hoffnung lebendig bleiben, die uns heute vereint: Wissen zu teilen, Verbindungen zu stärken und Brücken über Grenzen hinweg zu bauen“, sagte Khaled El-Enany, Generaldirektor der UNESCO.

Wachsende Verpflichtung der Staaten gegenüber dem lebendigen Erbe

Mit über 1.400 Teilnehmenden war diese Sitzung des Komitees die bislang größte und unterstreicht die zunehmende Bedeutung, die der Bewahrung des immateriellen Kulturerbes beigemessen wird. Unter den in diesem Jahr vorgestellten Elementen befanden sich 9 multinationale Eintragungen, die von 28 Staaten gemeinsam eingereicht wurden. Die Sitzung 2025 markierte zudem die erste Eintragung für 7 Länder: Barbados, Tschad, die Komoren, El Salvador, Gabun, Libyen sowie São Tomé und Príncipe.

Diese Eintragungen spiegeln die wachsende Rolle des Übereinkommens bei der Stärkung von Dialog und Zusammenarbeit zwischen den Staaten sowie deren gemeinsames Bestreben wider, das lebendige Erbe zu erhalten. 

Immaterielles Kulturerbe als Quelle nachhaltiger Lebensgrundlagen

Ein zentrales Thema der während der Sitzung 2025 behandelten Nominierungen war das „Handwerkliche Tun“ („practice by hand“), das traditionelle Handwerkskunst hervorhebt. Elemente wie Musikinstrumente, Handwerk und darstellende Künste, die auf präzisen Handgriffen, über Generationen weitergegebenem technischem Wissen und tief verankerten kulturellen Bedeutungen beruhen, sind weit mehr als bloße handwerkliche Techniken. Für manche Gemeinschaften stellen sie eine Quelle nachhaltiger Lebensgrundlagen dar. Entscheidend ist, dass sie zeigen, dass immaterielles Kulturerbe nicht nur symbolisch weitergegeben wird, sondern für die Trägerinnen und Träger auch eine Einkommensquelle darstellt.

Die nächste Sitzung des Komitees findet im Dezember 2026 in Xiamen, China, statt.

Neuaufnahmen in die Listen

Aktuell umfassen die Listen insgesamt 849 eingetragene Elemente aus 157 Ländern. 2025 wurden folgende Elemente aufgenommen

53 Elemente - Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit 

Al Sadu, traditional weaving skills in the United Arab Emirates Vereinigte Arabische Emirate
Al-Jertiq: practices, rituals and expressions for preservation, protection, abundance and fertility in Sudan Sudan
Al-Mihrass tree: knowledge, skills and rituals associated with it Jordanien
Al-Muhaibis: social practices and traditions associated with it Irak
Amateur theatre acting in Czechia Tschechische Republik
Antep İşi, drawn thread embroidery of Gaziantep Türkei
Arabic Kohl Syrien – Irak – Jordanien – Libyen – Oman – Palästina – Saudi Arabien – Tunesien – Vereingte Arabische Emirate
Ayeneh-Kari, the art of mirror-work in Persian architecture Iran
Bagpipes and bagpipe playing in Bulgaria: transmission of knowledge and skills Bulgarien
Basketry traditions Polen
Behzad's style of miniature art Afghanistan
Bisht (men's Abaa): skills and practices Bahrain - Irak - Jordanien - Katar, Kuwait - Oman - Saudi-Arabien - Syrien - Vereinigte Arabische Emirate
Brussels' rod marionette tradition Belgien
Christmas Bram and Sambai of Gales Point Manatee, Belize Belize
Cobza, traditional knowledge, skills and music Rumänien – Moldau
Commandaria wine Zypern
Cuarteto: music, dance and lyrics in the city of Córdoba, Argentina Argentinien
Culture of Sumanak/Sumalak cooking Tadschikistan
Deepavali Indien
Family tradition circus in Chile Chile
Festivity of the Virgen of Guadalupe - Patroness of Sucre Bolivien
Georgian wheat culture: traditions and rituals Georgien
Gifaataa, Wolaita people New Year festival Äthiopien
Guruna, a practice of pastoral, socio-cultural and artistic retreats centered on livestock among the Massa Kameroon - Tschad
Hadrami Dan gathering Jemen
Hezhen Yimakan storytelling China
Highlife music and dance Ghana
Italian cooking, between sustainability and biocultural diversity Italien
Joropo in Venezuela Venezuela 
Kithul Madeema/Kithul Kapeema, an ancient indigenous technology for tapping Kithul in Sri Lanka Sri Lanka
Koshary, daily life dish and practices associated with it Ägypten
Moroccan Caftan: art, traditions and skills Marokko
Mvet Oyeng, musical art, practices and skills associated with the Ekang community Gabun - Kamerun - Republik Kongo
Pantun Indonesien – Malaysien – Brunei Darussalam
Representation of the Passion, Death and Resurrection of Christ in Iztapalapa Mexiko
Sarawja, Aimara music and dance of Moquegua Peru
Swimming pool culture in Iceland Island
Tchiloli, living theatre of Sao Tome and Principe in the quest of justice São Tomé und Príncipe
The art of breeding Turkmen alabay Turkmenistan
The bearing of the sacred stone or the rites of the New Year in the Guin country in Togo Togo
The Compas of Haiti Haiti
The Confraternity of flowers and palms El Salvador
The Diwaniya, a unifying cultural practice in Kuwait Kuwait
The practice of Cuban Son Kuba
The zaffa in the traditional wedding Dschibuti - Irak - Jordanien - Komoren - Mauretanien - Somalia - Vereinigte Arabische Emirate
Traditional knowledge and cultural contexts of making Maksym, a traditional Kyrgyz beverage Kirgisistan
Traditional knowledge and skills in making Kyrgyz, Kazakh and Karakalpak yurts (Turkic nomadic dwellings) Kasachstan – Kirgisistan – Usbekistan
Traditional Saree weaving art of Tangail Bangladesh
Traditional skills, techniques and knowledge for the conservation and transmission of wooden architecture in Japan Japan
Traditional weaving of Al Sadu Saudi Arabien – Kuwait – Katar
Tsapiky, rhythm and musical style characteristic of the South-West region of Madagascar Madagaskar
Washi, craftsmanship of traditional Japanese hand-made paper Japan
Yama, Hoko, Yatai, float festivals in Japan Japan
Yodelling Schweiz

3 Elemente - Register guter Praxisbeispiele

11 Elemente - Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Immateriellen Kulturerbe

© UNESCO
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© Cristina Biasetto
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Side-Event zu verschiedenen Puppen-Praktiken in Indien
© Cristina Biasetto
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