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Medienvielfalt

 
Foto: © iStock.com

Plattform Medienvielfalt: 2. Ergebnisbericht veröffentlicht

Im Rahmen der Konferenz „The Future is Public – Konferenz zur Stärkung demokratischer Medienräume​​​​​​​“ veröffentlicht die Österreichische UNESCO-Kommission am 21. November 2025 den zweiten Ergebnisbericht der Initiative Plattform Medienvielfalt. Der Bericht zeigt umfassend auf, welche politischen, strukturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen notwendig sind, um Medienvielfalt, journalistische Qualität und demokratische Öffentlichkeit in Österreich langfristig zu sichern.

Der Bericht basiert auf drei Round Tables, die 2025 Expert*innen aus Journalismus, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Regulierung und Politik zusammengeführt haben. Im Fokus standen drei zentrale Handlungsfelder einer zukunftsfähigen Medienpolitik: Inklusion, Medien- und Informationskompetenz und Media Viability.

Inklusion im Mediensektor: Barrierefreiheit als demokratischer Auftrag
Der Bericht zeigt deutlich: Obwohl gesetzliche Fortschritte erzielt wurden, ist die Umsetzung von Barrierefreiheit in Österreichs Medienlandschaft weiterhin lückenhaft. Menschen mit Behinderungen stoßen sowohl als Mediennutzer*innen als auch als Medienschaffende auf strukturelle Barrieren.

Die Round-Table-Teilnehmer*innen betonten, dass:

  • journalistische Inhalte in klarer und verständlicher Sprache zugänglich sein müssen,
  • Barrierefreiheit in Redaktionen und Medienhäusern systematisch und von Beginn an mitgedacht werden sollte,
  • Menschen mit Behinderungen stärker in redaktionelle Prozesse eingebunden werden müssen,
  • gesetzliche Regelungen (ORF-Gesetz, AMD-G, Barrierefreiheitsgesetz) konsequent umgesetzt und erweitert werden sollen.

Barrierefreie Informationsvermittlung wird dabei als Grundvoraussetzung für demokratische Teilhabe verstanden. Besonders hervorgehoben wurde die Notwendigkeit, Inklusion als gesellschaftlichen Standard zu begreifen – und nicht als Sonderfall.

Medien- und Informationskompetenz stärken: Schlüsselkompetenz für demokratische Resilienz
In einem Umfeld, das zunehmend von algorithmischer Selektion, Desinformation und KI-generierten Inhalten geprägt ist, kommt Medien- und Informationskompetenz eine besondere Rolle zu. Der Bericht identifiziert deutliche Lücken – bei jungen Menschen ebenso wie bei Erwachsenen, und ebenso in den Redaktionen selbst. Damit verbunden ist ein wachsender Vertrauensverlust in etablierte Medien und die Hinwendung zu problematischen Informationsquellen. Empfohlen werden unter anderem:

  • umfassende Bildungsprogramme für alle Altersgruppen: von der Elementarpädagogik bis zur Erwachsenenbildung,
  • gezielte Vermittlung von KI-Kompetenzen und algorithmischem Verständnis,
  • stärkere Verbindung zwischen Medienkompetenz und Demokratiebildung,
  • Förderung innovativer journalistischer Ansätze, insbesondere für digitale und soziale Medien,
  • neue Impulse durch junge Medienschaffende

Media Viability: Nachhaltige Strukturen für unabhängigen Journalismus
Der Bericht betont: Information ist ein öffentliches Gut, und dessen Bereitstellung hängt zunehmend von tragfähigen, diversifizierten und resilienten Finanzierungsmodellen sowie von einem politische, gesellschaftlichen und regulatorischen Umfeld, das entsprechende Bedingungen etabliert, ab.
Zentrale Herausforderungen in Österreich:

  • hohe Medienkonzentration und Abfluss von Werbeerlösen an globale Plattformen,
  • politische Einflussnahme und strukturelle Abhängigkeiten,
  • wirtschaftliche Fragilität vieler Medien,
  • Entstehung regionaler „Nachrichtenwüsten“,
  • zunehmender Einfluss von Big-Tech-Konzernen

Als Lösungsansätze werden u. a. genannt:

  • stärkere Regulierung digitaler Plattformen und transparente Verantwortlichkeitsstandards,
  • faire Vergütung journalistischer Inhalte durch große Plattformunternehmen,
  • neue Finanzierungsmodelle wie stiftungsbasierte Fonds, Mitglieder- oder Community-Modelle,
  • stärkere Förderung journalistischer Start-ups und innovativer Digitalformate,
  • verbindliche Qualitäts- und Transparenzstandards für den Journalismus.

Media Viability wird dabei als Voraussetzung für eine stabile demokratische Öffentlichkeit verstanden: Nur wenn unabhängiger Journalismus nachhaltig abgesichert ist, können Vertrauen und gesellschaftliche Verständigung bestehen.

Ein gemeinsamer Auftrag für Politik, Medien und Gesellschaft
Der Bericht betont, dass Inklusion, Kompetenz und Nachhaltigkeit untrennbar miteinander verbunden sind. Eine demokratische Öffentlichkeit kann nur bestehen, wenn:

  • alle Menschen Zugang zu Information haben,
  • Bürger*innen in der Lage sind, Informationen kritisch zu bewerten,
  • der Journalismus ökonomisch, strukturell und politisch unabhängig arbeiten kann.

Der Bericht versteht sich als Beitrag zu einer zukunftsorientierten Medienpolitik und als Einladung zur breiten Zusammenarbeit aller beteiligten Akteur*innen.

Über die Plattform Medienvielfalt
Die 2024 gegründete Initiative der Österreichischen UNESCO-Kommission widmet sich der Stärkung von Medienpluralismus, Diversität und qualitätsvollem Journalismus in Österreich. Seit zwei Jahren führt sie Round Tables mit Expert*innen aus unterschiedlichen Bereichen durch, um zentrale Herausforderungen des Mediensektors zu analysieren und konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Bislang wurden zwei Ergebnisberichte veröffentlicht. 

Kontakt & Rückfragen

Mag.a Claudia Isep 
Stv. Generalsekretärin der Österr. UNESCO-Kommission
isep@unesco.at
+43 1 526 13 01 15 

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