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UNESCO-Schulen

Österreichische Projektschulen als Teil des weltweiten Netzwerks  
Foto: © iStock.com

Dialekt ist Vielfalt!Sprachliche Identität als immaterielles Kulturerbe im Fokus der Montessorischule Unterwaltersdorf

  • Montessorischule Unterwalterdorf, Niederösterreich
  • Februar - Mai 2025
  • Art: Klassenübergreifend
  • Verfasser*in(nen): Jutta Schandel

Die Sprache ist weit mehr als nur ein Mittel zur Verständigung – sie ist Ausdruck von Identität, gelebter Kultur und ein wertvoller Teil unseres immateriellen Kulturerbes. Im Rahmen des UNESCO-Schulforums stellen wir ein Schulprojekt vor, das an der Montessorischule Unterwaltersdorf entstanden ist und in besonderer Weise die Sustainable Development Goals (SDGs) sowie die Grundprinzipien der Montessoripädagogik vereint.

Projektanlass und Zielsetzung

Bei Exkursionen und Besuchen in Schulen im Westen Österreichs fiel uns auf: Dort sprechen Schüler*innen und Pädagog*innen selbstverständlich im Dialekt – ein Zeichen von Stolz und Zugehörigkeit. Im Gegensatz dazu ist der Gebrauch von Dialekt in unserer Gegend eher verpönt. Gleichzeitig beobachten wir, wie Jugendsprache, beeinflusst durch soziale Medien wie TikTok, zunehmend bundesdeutsch geprägt ist und regionale Sprachfärbungen zurückdrängt.

Unsere Ziele waren daher:

• Den Wert und die Vielfalt österreichischer Dialekte sichtbar machen

• Die Auseinandersetzung mit regionaler Identität und Sprachgeschichte fördern

• Ein Bewusstsein für Sprache als immaterielles Kulturerbe schaffen

• Das Projekt im Sinne der SDGs, insbesondere Ziel 4 (hochwertige Bildung) und Ziel 11 (nachhaltige Städte und Gemeinden), gestalten

Gemäß dem Montessori-Grundsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“ setzten wir auf forschendes und selbstbestimmtes Lernen. In altersgemischten Gruppen untersuchten die Schüler*innen eigenständig verschiedene österreichische Dialekte: Welche gibt es, wie unterscheiden sie sich, wo liegen die Ursprünge, und wie werden sie heute noch gesprochen?

Kreative und forschende Methoden kamen zum Einsatz:

• Erstellung eines Dialektwörterbuchs mit typischen Ausdrücken und Redewendungen aus unterschiedlichen Regionen

• Interviews mit Menschen aus dem Umfeld, um deren Dialektbiografien und Sprachgeschichten aufzuzeichnen

• Analyse und Interpretation von Mundartgedichten sowie das Verfassen eigener Dialektgedichte

• Musikalische Auseinandersetzung: Hören und Besprechen von Liedern österreichischer Musiker*innen, die in ihrer Mundart singen

• Präsentation und Reflexion der Ergebnisse in der Schulgemeinschaft und im digitalen Raum

Besonders aufschlussreich war die Erfahrung, wie unterschiedlich die Schüler*innen ihren „eigenen“ Dialekt, den Wiener Dialekt, wahrnehmen. Viele verbanden ihn vor allem mit Schimpfwörtern, während andere Dialekte wie der Tiroler oder Vorarlberger als „cool“ oder „bodenständig“ erschienen. Diese Differenzierung bot Ansatzpunkte zur Diskussion über Vorurteile, Selbstbild und regionale Identität.

Das Erforschen und Wiederentdecken der Dialekte förderte nicht nur die sprachliche Vielfalt, sondern auch eine neue Wertschätzung für die eigene Herkunft und das Leben am Land. Die Schüler*innen erkannten, dass Dialekt weit mehr ist als Alltagssprache – nämlich ein lebendiges Kulturerbe, das Identität stiftet und Generationen verbindet.

Mit diesem Projekt leisten wir einen Beitrag zur Erreichung mehrerer SDGs:

• SDG 4 – Hochwertige Bildung: Das Projekt fördert kritisches Denken, kulturelle Bildung und die Fähigkeit zur Selbstreflexion.

• SDG 11 – Nachhaltige Städte und Gemeinden: Der Erhalt von Dialekten als immaterielles Kulturerbe trägt dazu bei, regionale Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

Die Montessorischule Unterwaltersdorf sieht sich dabei als Ort, an dem Sprache, Identität und kulturelles Erbe nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt werden.

Unser Projekt zeigt: Sprachliche Vielfalt ist ein Schatz, der bewahrt, gefeiert und weitergegeben werden will. Unser Zugang war, Dialekt und regionale Identität als wertvollen Teil der Bildungsarbeit zu verstehen und gemeinsam Verantwortung für das immaterielle Kulturerbe Österreichs zu übernehmen.

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