Springe zum Hauptinhalt

Bildung 2030

Inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung für alle  
Foto: © Modell Foto: Colourbox.de

Weltbildungsbericht 2026

Weltbildungsbericht 2026: Access and equity UNESCO-Weltbildungsbericht zeigt, dass die Zahl der Kinder ohne Schulbildung seit sieben Jahren steigt

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen weltweit, die keine Schule besuchen, ist das siebte Jahr in Folge gestiegen und hat die Marke von 273 Millionen erreicht. Die Hauptgründe für diese Entwicklung sind Bevölkerungswachstum, Krisen und schrumpfende Bildungsbudgets. Das ist das Kernergebnis des Global Education Monitoring (GEM) Report 2026 der UNESCO – dem weltweiten Standardwerk zur Lage der Bildung.

Aktuell ist jedes sechste schulpflichtige Kind weltweit von Bildung ausgeschlossen, und nur zwei von drei Jugendlichen schließen die Sekundarstufe ab. Dennoch machen viele Länder erhebliche Fortschritte, was zeigt, wie wichtig der nationale Kontext bei der Festlegung von Zielen und Maßnahmen ist.

Dieser Bericht bestätigt einen alarmierenden Trend: Jedes Jahr werden weltweit mehr junge Menschen ihres Rechts auf Bildung beraubt. Doch es gibt Hoffnung. Seit dem Jahr 2000 sind die Einschreibungszahlen in der Primar- und Sekundarstufe insgesamt um 30% gestiegen, und viele Länder machen bedeutende Fortschritte. Die UNESCO bleibt voll mobilisiert, um gemeinsam mit Regierungen und Partnern Lernmöglichkeiten für alle auszuweiten – und zwar so, dass sie auf die lokalen Realitäten reagieren und jedem Lernenden eine faire Chance geben, seine Zukunft aufzubauen.

— Khaled El-Enany, Generaldirektor der UNESCO

Verlangsamter Fortschritt durch Krisen und Bevölkerungswachstum 
Der GEM-Bericht 2026 zeigt, dass sich der Fortschritt, Kinder in der Schule zu halten, seit 2015 in fast allen Regionen verlangsamt hat. Besonders drastisch ist der Rückgang im subsaharischen Afrika, was vor allem am starken Bevölkerungswachstum liegt. 

Zudem haben mehrere Krisen – einschließlich bewaffneter Konflikte – die Entwicklung zurückgeworfen. Mehr als jedes sechste Kind lebt in einem Konfliktgebiet. Das betrifft Millionen zusätzlicher Kinder, die keine Schule besuchen können und in den offiziellen Statistiken oft gar nicht erfasst werden. Diese Realität ist heute im Nahen Osten besonders akut, wo anhaltende regionale Spannungen zur Schließung vieler Schulen geführt haben. Millionen von Kindern haben dadurch keinen Unterricht und laufen Gefahr, dauerhaft den Anschluss zu verlieren. 

Trotz dieser immensen Herausforderungen dokumentiert der Bericht auch bemerkenswerte Erfolge der letzten Jahre:

  • Einige Länder konnten die Quote der Kinder ohne Schulbildung seit dem Jahr 2000 um mindestens 80% senken – darunter Madagaskar und Togo bei Kindern, Marokko und Vietnam bei Jugendlichen sowie Georgien und die Türkei bei jungen Erwachsenen.
  • Im gleichen Zeitraum hat die Elfenbeinküste die Quote der nicht beschulten Kinder über alle drei Altersgruppen hinweg halbiert.

Jede Minute kommen mehr als 25 Kinder neu an die Schulen
Mit weltweit 1,4 Milliarden Schüler*innen im Jahr 2024 sind die Einschreibungen in der Primar- und Sekundarstufe seit 2000 um 327 Millionen (30%) gestiegen. Im vorschulischen Bereich gab es ein Plus von 45%, im postsekundären Bereich (höhere Bildung) sogar um 161%. Rechnerisch bedeutet das, dass jede Minute mehr als 25 zusätzliche Kinder Zugang zu einer Schule erhalten.

  • Äthiopien konnte die Einschreibungsrate in der Primarstufe von gerade einmal 18% im Jahr 1974 auf 84% im Jahr 2024 steigern.
  • China erlebte einen beispiellosen Boom im Hochschulsektor: Lag die Quote im Jahr 1999 noch bei 7%, stieg sie bis 2024 auf über 60%.

Auch die Kluft zwischen den Geschlechtern in der Primar- und Sekundarstufe hat sich im weltweiten Durchschnitt weitgehend geschlossen. In Nepal beispielsweise haben Mädchen durch konsequente Reformen zur Gleichstellung der Geschlechter rasant aufgeholt und die Jungen in einigen Bereichen sogar überholt.

Zudem brechen weniger Kinder die Schule ab: Seit dem Jahr 2000 stieg die weltweite Abschlussquote in der Primarstufe von 77% auf 88%, in der Sekundarstufe I von 60% auf 78% und in der Sekundarstufe II von 37% auf 61%. Dennoch gilt: Beim derzeitigen Expansionstempo würde die Welt den universellen Abschluss der Sekundarstufe II erst im Jahr 2105 erreichen.

Wachsendes Engagement für Inklusion und gerechte Finanzierung
Der Bericht hebt ein steigendes globales Bewusstsein für Inklusion hervor. Eine Auswertung der politischen Maßnahmen seit dem Jahr 2000 zeigt:

  • Der Anteil der Länder mit Gesetzen zur inklusiven Bildung ist von 1% auf 24% gestiegen.
  • Der Anteil der Länder, deren Gesetze explizit fordern, dass Kinder mit Behinderungen in inklusiven Regelschulen unterrichtet werden, stieg von 17% auf 29%.

Fortschritt folgt keinem Einheitsschema, weil der lokale Kontext viel zu oft übersehen wird. Nationale Ziele müssen sowohl ehrgeizig als auch realistisch sein. Globale Ziele sollten dann die Summe dieser nationalen Verpflichtungen sein – und nicht umgekehrt.
— Manos Antoninis, Direktor des GEM-Berichts

In den letzten 25 Jahren hat sich der Anteil der Länder vervierfacht, die gezielte Finanzierungsmechanismen nutzen, um benachteiligte Gruppen in der Primar- und Sekundarstufe zu unterstützen (z. B. durch Finanztransfers an regionale Behörden, Schulen oder direkt an Familien). So haben 76% der Länder Richtlinien, um Ressourcen zugunsten benachteiligter Schulen umzuverteilen. Allerdings zeigt ein neuer Index im Bericht auch, dass bisher nur 8% aller Länder diese Mechanismen voll ausschöpfen, um Bildungsmittel effektiv dorthin zu lenken, wo sie am dringendsten benötigt werden. 

Frühere Bemühungen, Bildung kostenlos zu machen, verbesserten zwar den Zugang, gingen jedoch oft zulasten der Qualität, was wiederum die Schulabbrecherquoten in die Höhe trieb. Zudem wurden andere wesentliche Kosten nicht beseitigt, die für Familien weiterhin eine Barriere darstellen – wie Transportkosten, Nachmittagsbetreuung oder Schulmahlzeiten. Da die internationale Spendenfinanzierung zunehmend abnimmt, drohen Programme wie Schulbeihilfen und Mittagsangebote (die es immerhin in 84% der Länder gibt), zu kollabieren, weil sie nie vollständig in die nationalen Haushalte integriert wurden.

Ausblick: Ein einziges politisches Rezept reicht nicht aus
Gegen den Ausschluss aus dem Bildungssystem gibt es kein Patentrezept. Erfolgreiche Ansätze müssen die lokalen Gegebenheiten und Herausforderungen aus verschiedenen Blickwinkeln angehen und auf Fakten basieren.

In 14 afrikanischen Ländern führte die Einführung einer Unterrichtspflicht (und nicht nur der bloßen Gebührenfreiheit) dazu, dass Mädchen und Jungen im Schnitt mehr als ein Jahr länger zur Schule gingen. Greifen zusätzlich Gesetze gegen Kinderarbeit, steigen die Gewinne noch weiter. 

Genauso wichtig sind Faktoren außerhalb des klassischen Bildungssystems:

  • Die Elektrifizierung von Regionen im Kambodscha wird mit fast einem zusätzlichen Schuljahr pro Kind in Verbindung gebracht.
  • Schulmahlzeiten bringen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen pro investierten 100 US-Dollar bis zu ein halbes Jahr mehr Lernerfolg.
  • Wenn Familien Finanzhilfen erhalten, die an den Schulbesuch gekoppelt sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder eine Schule besuchen, um 36%.

Die UNESCO wird auch über die Agenda 2030 hinaus Regierungen weltweit unterstützen und Ministerien, Entwicklungspartner*innen, die Zivilgesellschaft sowie Jugendvertreter*innen zusammenbringen. Ziel ist es, die Bildungsagenda für die Zeit nach 2030 zu gestalten und sicherzustellen, dass Bildung trotz globaler Krisen ganz oben auf der politischen Tagesordnung bleibt.