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Presse

der Österreichischen UNESCO-Kommission  
Foto: © Colourbox.de / Eduardo

Jahrhundertealter Wissenstransfer in Österreich und der Schweiz ausgezeichnet

29.11.2018

Das Wissen im Umgang mit Lawinengefahr wurde per 29.11. in die Internationale Repräsentative UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Das UNESCO-Komitee zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes tagte vom 26. November bis 1. Dezember 2018 in Port Louis, Mauritius. Am 29.11., wurde nach dem gestrigen Erfolg der Aufnahme der Blaudruck-Tradition ein weiteres Element aus Österreich in die in Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen: Das Wissen im Umgang mit Lawinengefahr, eine gemeinsame Einreichung mit der Schweiz.

Bundesminister Gernot Blümel:  „Das traditionelle "Wissen im Umgang mit Lawinengefahr" ist heute eine unverzichtbare Ergänzung zu den technischen Möglichkeiten des Lawinenschutzes, das unsere höchste Wertschätzung verdient. Diese Herangehensweise, aus Gefahrensituationen zu lernen und daraus ein Handwerk zu entwickeln, hat in diesem Fall sogar dazu geführt, dass Leben dadurch gerettet werden können. Darum freut es mich umso mehr, dass das "Wissen im Umgang mit Lawinengefahr" heute in die Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Ein weiteres starkes Zeichen dafür, dass Österreichs kulturelles Erbe vielfältig ist und auch international gewürdigt wird. Herzliche Gratulation!"

 „Wir sind sehr stolz über diesen gemeinsamen Erfolg mit der Schweiz. Der tagtägliche Umgang mit der Lawinengefahr verbindet die Menschen in den Alpenländern – über kollektive und persönliche Erlebnisse werden Maßnahmen zur Bewältigung sowie Prävention getroffen. Der Umgang mit Lawinengefahr ist wichtiges kulturelles Erbe und trägt wesentlich zu einem besseren Verständnis von traditionellem Wissen als Zukunftsressource bei", so Sabine Haag, Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission. 

 Österreich ist nun mit fünf Elementen auf dieser internationalen Liste vertreten – aktuell aus Österreich gelistet:
Das Wissen im Umgang mit Lawinengefahr (2018), die Handwerkstechnik des Blaudrucks (2018), die Falknerei (2012), der Imster Schemenlauf (2012) und die Hohen Schule und Klassischen Reitkunst der Spanischen Hofreitschule (2015).

Internationale Neuaufnahmen 2018
Seit Beginn der Tagung wurden 27 Elemente neu in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen, so zum Beispiel das Fest von Las Parrandas im Zentrum von Kuba, Wissen und Können bei der Herstellung von Parfüm in Südfrankreich oder Volksmärchen und Musik aus Aserbeidschan, Kasachstan und Türkei.
In die Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Immateriellen Kulturerbes sind 7 Traditionen aufgenommen worden, so zum Beispiel die Kenntnisse und Fähigkeiten der Wasserkontrolleure in Algerien, das traditonelle Handpuppen-Theater in Ägypten oder eine traditionelle meteorologische und astronomische Praxis in Pakistan.

Neuaufnahme:  Das Wissen im Umgang mit Lawinengefahr - eine gemeinsame Einreichung mit der Schweiz

Die kollektive Bedrohungssituation durch Lawinen hat in Österreich und der Schweiz zu gemeinschaftlichen und identitätsstiftenden Formen des Umgangs mit dieser Naturgefahr geführt. Es entstand ein breites informelles und wissenschaftliches Erfahrungswissen, das über Jahrhunderte weitergegeben wurde. Dieses alte, überlieferte Wissen wird ständig weiterentwickelt, indem historische Kenntnisse mit modernsten Techniken kombiniert werden. Bis heute sind Lawinen nicht vollständig durch die Wissenschaft berechen- und vorhersagbar. Umso höher ist daher der Stellenwert von Erfahrungswissen im Umgang mit der Naturgefahr.

VertreterInnen des Österreichischen Alpenvereins, des Österreichischen Berg- und Skiführerverbands,  der Österreichischen Lawinenkommissionen haben gemeinsam mit Vertretern Schweizer Verbänden und Institutionen die Kandidatur erarbeitet und freuen sich nun über die erfolgreiche Aufnahme.

Die Vermittlung dieses Erfahrungswissens geschah jahrhundertelang mündlich von einer Generation zur nächsten und manifestierte sich u.a. in Bauernregeln. Schriftlich dokumentiert wurden seit dem 17. Jahrhundert vor allem Schadenslawinen. Die entsprechenden Dokumente werden in Vorarlberg noch heute in den Schulen verwendet, um Kinder für die Lawinengefahr zu sensibilisieren.

Eine Institutionalisierung des Wissens fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt, seit 1902 etwa können BergführerInnen Lawinenausbildungskurse belegen, wobei der jahrelange Austausch zwischen erfahrenen und angehenden BergführerInnen nach wie vor ein zentrales Element der Ausbildung darstellt. Ab den 1950er Jahren wird Erfahrungswissen von wissenschaftlichen Forschungen ergänzt. So wurde der Schutz des Siedlungsraums und der Verkehrswege im Laufe der Zeit sukzessive verbessert.

Hintergrundinformation:

Immaterielles Kulturerbe - die UNESCO schützt und dokumentiert regionale Traditionen und lokales Wissen.

In Ergänzung zur UNESCO-Welterbekonvention wird seit 2003 auch den vielfältigen gelebten Traditionen internationale Aufmerksamkeit geschenkt, sie werden unter dem Begriff ‚Immaterielles Kulturerbe’ weltweit dokumentiert und geschützt. Zum Immateriellen Kulturerbe zählen lebendige Traditionen aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken. Österreich hat das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes 2009 ratifiziert.

Ziele des Übereinkommens: die Erhaltung immateriellen Kulturerbes, die Förderung von Bewusstsein in Bezug auf die Bedeutung des immateriellen Kulturerbes und seiner gegenseitigen Wertschätzung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene sowie internationale Zusammenarbeit und Unterstützung.

Links

© Friedrich Juen
© Peter Zugg
Lawinengitter Gemeinde Galtür
© Gemeinde Galtür

Kontakt

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Presse / Öffentlichkeitsarbeit

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