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Welterbe

Kultur- und Naturerbestätten mit außergewöhnlichem universellem Wert  
Foto: © Alexander Eugen Koller

Die Österreichischen Welterbestätten

© ÖW_Bartl

HISTORISCHES ZENTRUM DER STADT SALZBURG (1996)

Die Altstadt von Salzburg ist ein herausragendes Beispiel einer kirchlichen Residenzstadt im Herzen Europas. Gekennzeichnet ist sie durch ihre eng mit der umgebenden Natur verbundene Stadtlandschaft, ihr historisch bedeutendes Gefüge mit mittelalterlicher Bürger- und bischöflicher Barockstadt sowie eine hohe Anzahl kirchlicher und weltlicher Bauwerke verschiedener Jahrhunderte und Stilepochen. Das kulturelle Erbe Salzburgs zeugt vom fruchtbaren Austausch zwischen Nord- und Südeuropa, angeregt durch aus Italien berufene Künstler. Bemerkenswert ist zudem Salzburgs Identität als Musik- und Kulturmetropole, basierend auf der mit ihrem berühmten Sohn Wolfgang Amadeus Mozart begründeten Musiktradition und den von Theatermacher Max Reinhardt gegründeten Festspielen.

Das historische Zentrum von Salzburg wurde 1996 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Die Kernzone umfasst 236 ha Fläche und rund 1000 Objekte; die Pufferzone (467 ha) dient als Schutzgürtel in Bezug auf Sichtachsen, Sichtfelder, Blickbeziehungen und eine am Bestand orientierte Bebauung. Das Welterbe-Management basiert auf drei Säulen: dem Altstadterhaltungsgesetz, den Schutzzonen I und II sowie dem Altstadterhaltungsfonds.


© ÖW_Horwath

SCHLOSS UND GÄRTEN VON SCHÖNBRUNN (1996)

Schloss und Park von Schönbrunn stellen eine der eindrucksvollsten und am besten  erhaltenen barocken Ensembles in Europa dar. Schönbrunn war mehr als 300 Jahre kaiserliche Sommerresidenz und symbolisiert Macht und Einfluss des österreichischen Kaiserhauses in der europäischen Geschichte. Die aus einem kaiserlichen Jagdschloss hervorgegangene Anlage, deren Quelle den „Schönen Brunnen“ speiste, ist über viele Jahrhunderte gewachsen und legt Zeugnis ab vom jeweiligen Geschmack ihrer Bewohner und ihrer Zeit. Johann Bernhard Fischer von Erlach baute das Anwesen zur hochbarocken Residenz aus, während die unter Kaiserin Maria Theresia errichteten Interieurs einen Höhepunkt höfischer Wohnkultur und kaiserlicher Repräsentation darstellen.

Schönbrunn und sein künstlerisch gestalteter Park bilden ein herausragendes Gesamtkunstwerk, das 1996 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde. Die Kernzone umfasst 186 ha Fläche, die Pufferzone 261 ha, die als Schutzgürtel in Bezug auf Sichtachsen und Sichtfelder dient. Das Welterbe-Management erfolgt durch die Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. und basiert auf dem Schloß Schönbrunn Gesetz aus dem Jahr 1992.


© ÖW_Pigneter

HALLSTATT-DACHSTEIN / SALZKAMMERGUT (1997)

Die alpine Region Salzkammergut ist eine außergewöhnliche Kulturlandschaft. Sie ist von einzigartiger Schönheit und wissenschaftlichem Interesse – infolge der Geschichte von Hallstatt und seines in prähistorische Zeit zurückreichenden Salzabbaus. Der weltweit älteste, noch heute bewirtschaftete Bergbau und seine archäologischen Funde stehen für die Epoche der „Hallstattzeit“. Die landschaftsprägenden Bewirtschaftungsformen des Salzberges und seiner angrenzenden Wälder haben kulturhistorische Spuren hinterlassen. Von der Blütezeit der Salzwirtschaft zeugt auch das architektonische Erbe von Hallstatt mit seinem gotisch-barocken Ensemble. Vielfältige Flora und Fauna, Karst, Gletscher und Eishöhlen zeichnen den Gebirgsstock des Dachsteins aus. In dieser Kulturlandschaft verbinden sich Natur und Kultur in harmonischer Art und Weise.

Die Kulturlandschaft Hallstatt-Dachstein / Salzkammergut ist seit 1997 UNESCO-Welterbe. Die Kernzone umfasst 28.446 ha Fläche, die Pufferzone 20.014 ha. Das Welterbe-Management erfolgt durch das Land Oberösterreich gemeinsam mit den hier angesiedelten Gemeinden und der in die Steiermark und nach Salzburg reichenden Region und basiert auf Erhaltung, Förderung sowie Stärkung der Infrastruktur.


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SEMMERINGEISENBAHN (1998)

Die Semmeringbahn hat den Schienenverkehr revolutioniert. Als Meisterstück der Ingenieurskunst stellt sie eine hervorragende technische Lösung für eine der brennendsten Herausforderungen bei der Errichtung von Bahntrassen im frühen Eisenbahnbau dar. Mit einer Länge von 41 km zwischen 1848 und 1854 erbaut, war sie die erste normal- und zweispurige Gebirgsbahn Europas. Mit Tunneln und Viadukten konnten erstmals höhere Regionen mit der Eisenbahn erschlossen werden. Die rasche Achse über den Semmering in die Obersteiermark hat wesentlich den weiteren Ausbau der Südbahn-Strecke von Wien via Graz und Ljubljana bis Triest und ans adriatische Meer gefördert. Landschaftlich sehr reizvolle Regionen wurden auch für Wohn- und Erholungszwecke leicht zugänglich gemacht. Eine neue Kulturlandschaft der Sommerfrische mit ihren typischen Hotels und Villen entstand.

Die Semmeringeisenbahn ist seit 1998 UNESCO-Welterbe. Die Kernzone umfasst 156 ha Fläche, die Pufferzone 8.581 ha. Das Management der in Niederösterreich und der Steiermark gelegenen Welterbestätte basiert auf dem „Welterbe Semmeringeisenbahn Managementplan“, mit Regelungen des Denkmal-, Natur- und Ortsbildschutzes sowie den Anforderungen  an eine zeitgemäße Mobilität.


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STADT GRAZ – HISTORISCHES ZENTRUM UND SCHLOSS EGGENBERG (1999 und 2010)

Graz liegt am Schnittpunkt zwischen West- und Südosteuropa. Das Handelszentrum zwischen Donauraum und Adria wurde dank Zuzugs aus umliegenden Ländern zur multikulturellen Drehscheibe. Der Einfluss der Grazer Patrizierfamilie Eggenberg und die Nutzung ihres Anwesens als höfischer Sitz zeigen sich durch die Wegachsen, die den Stadtkern und Schloss Eggenberg verbinden. Sie sind Spiegelbild einer jahrhundertelangen Synthese von künstlerischen und architektonischen Strömungen des deutschen wie mediterranen Raums und vom Balkan. Historisches Zentrum und Schloss demonstrieren eine harmonische Integration der architektonischen Stile aufeinanderfolgender Epochen – ablesbar am facettenreichen Stadtbild und seinen unter der weitläufigen Dachlandschaft verborgenen Bauwerken der Gotik, Renaissance, des Barock, Historismus und Jugendstils wie der Moderne.

Das historische Zentrum der Stadt Graz wurde 1999 UNESCO-Welterbe, 2010 folgte die Erweiterung um Schloss Eggenberg. Die zweiteilige Kernzone umfasst 91 ha Fläche; die Pufferzone (242 ha) dient dem Schutz von Sichtachsen und als Verbindung der beiden Kernzonen. Das Welterbe-Management basiert auf dem Altstadterhaltungsgesetz sowie den wissenschaftlichen Grundlagen der Österreichischen Kunsttopographie.


© ÖW

WACHAU (2000)

Die Wachau markiert eine einzigartige Flusslandschaft. Das von Bergen gesäumte Donautal zwischen Melk und Krems stellt einen Kulturraum von herausragendem histo-rischem Wert dar. Seit den ersten frühgeschichtlichen Besiedlungen sind wesentliche Zeugnisse der langen geschichtlichen Entwicklung in außergewöhnlicher Dichte erhalten: von der steinzeitlichen Statuette der „Venus von Willendorf“ über die römischen Straßen und Befestigungen des Limes bis zu den Burgruinen wie Dürnstein und Aggstein und den prunkvollen Barock-Stiften Göttweig und Melk – mit bemerkenswerten Blickachsen zwischen den einzelnen Monumenten. Die engen Dörfer und Städte illustrieren neben den Weinterrassen eine mittelalterliche Landschaft, die sich im Laufe der Zeit organisch und harmonisch entfaltet hat. Die durch schroffe Felswände und naturbelassene Auwälder geprägte Naturkulisse des gewundenen Donaulaufs ist somit eine der markantesten Regionen Mitteleuropas.

Die Kulturlandschaft Wachau wurde im Jahr 2000 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen, mit einer Kernzone von 18.461 ha und einer Pufferzone von 2.837 ha. Das Management erfolgt durch den Verein „Welterbegemeinden Wachau“ in Abstimmung mit Bund und Land Niederösterreich.


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HISTORISCHES ZENTRUM VON WIEN (2001)

Das Zentrum von Wien bildet ein einzigartiges Stadtdenkmal. Sein reiches architektonisches Erbe sowie die über 2000 Jahre gewachsene städtebauliche Struktur – vom römischen Vindobona über die befestigte Residenzstadt bis zur Ringstraße – bezeugen Wiens kulturelle Tradition von universellem Wert. Drei Schlüsselepochen der europäischen Entwicklung – Mittelalter, Barock und Gründerzeit – prägen bis heute die einstige Metropole des Habsburgerreiches, das über 600 Jahre lang die Geschichte Europas maßgeblich mitbestimmte. Im großzügig angelegten Stadtkern und seinen zahlreichen Monumentalbauten sind bis heute der imperiale Stil und sein hoher Repräsentationsanspruch manifest. Hochrangig ist zudem Wiens Ruf als Musikhauptstadt.

Das historische Zentrum von Wien wurde 2001 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Die Kernzone (371 ha Fläche, rund 1600 Objekte) umfasst die Innere Stadt sowie an die Ringstraße angrenzende Bereiche; die Pufferzone (462 ha) in den ehemaligen Vorstädten innerhalb des Gürtels dient der Wahrung der historischen Stadtlandschaft. Im Juli 2017 wurde das historische Zentrum von Wien vom Welterbekomitee als gefährdet eingeschätzt.

Im Rahmen der 41. Welterbekomitee-Sitzung 2017 wurde das historische Zentrum von Wien auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt.


© ÖW_Muhr

FERTŐ-NEUSIEDLER SEE (2001)

Fertő-Neusiedler See ist eine einzigartige Grenzregion. 8000 Jahre lang trafen sich unterschiedliche Kulturen in diesem Landstrich zwischen dem Burgenland und Ungarn. Aus der Begegnung finno-ugrischer, slawischer und germanischer Ethnien resultiert eine vielfältige Kulturlandschaft. Klimatische und ökologische Sphären von kontinental bis submediterran überlappen einander, eine hohe Artenvielfalt in Flora und Fauna kennzeichnet die geomorphologisch reiche Region. Der See mit seinem Schilfgürtel ist Herzstück dieses länderübergreifenden Welterbes. Die Weite seines Horizontes, die von Nord- und Ostsee kommenden Vogelschwärme sowie leicht salzhaltiges Wasser erinnern an ein fernes Meer. Neben den beiden Barockschlössern Nagycenk und Eszterháza-Fertőd illustriert auch die typisch ländliche Architektur den Wert dieses Kulturerbes. 

Die Kulturlandschaft Fertő-Neusiedler See ist seit 2001 UNESCO-Welterbe. Die Kernzone umfasst 68.369 ha Fläche, die Pufferzone 6.347 ha; mit einem Drittel ungarischem und zwei Dritteln österreichischem Anteil. Das Welterbe-Management erfolgt durch den Verein Welterbe Neusiedler See und basiert auf dem Managementplan, dem Gestaltungsbeirat sowie der Koordination von Bauwerbern und Stakeholdern in enger Abstimmung mit dem ungarischen Partnerverein.


© Triton_Dworsky

PRÄHISTORISCHE PFAHLBAUTEN UM DIE ALPEN (2011)

Die Pfahlbauten des Alpenraums sind ein ungewöhnliches archäologisches Welterbe, da es im Wasser verborgen liegt. Von den 111 ausgewählten Pfahlbau-Fundstellen in der Schweiz, Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien und Slowenien bilden fünf Fundorte an Attersee, Mondsee und Keutschacher See den heimischen Beitrag zu dieser transnationalen Welterbestätte. Die Pfahlbauten illustrieren die Lebensweise ihrer Bewohner in der Jungsteinzeit, Bronze- und Eisenzeit von ca. 5000 v.Ch. bis ca. 500 v.Ch. Die unter Wasser, in Feuchtgebieten, an See- und Flussufern erhaltenen Dorfruinen liefern reiche Funde organischer Fragmente von Holz, Textilien, Pflanzen oder Knochen, die präzise auf Landschaft, Alltag, Ackerbau, Viehzucht und technische Neuerungen der ersten sesshaften Mitteleuropäer hinweisen.

Die Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen wurden 2011 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Die Kernzone der 111 Fundstellen umfasst 274 ha Fläche, die Pufferzone 3.961 ha. Das Welterbe-Management, für das in Oberösterreich und Kärnten das Kuratorium Pfahlbauten verantwortlich zeichnet, koordiniert Maßnahmen zum Schutz und Forschung und will einen allgemeinen Zugang zu diesem „unsichtbaren" Welterbe ermöglichen.


© Erich Mayrhofer

ALTE BUCHENWÄLDER UND BUCHENURWÄLDER DER KARPATEN UND ANDERER REGIONEN EUROPAS (2017)

Rotbuchen sind zentrale Elemente der Laubwälder der gemäßigten Zone. Die Dominanz der Baumart über ausgedehnte Gebiete Europas zeugt von seiner genetischen Anpassungsfähigkeit. Früher beherrschten Buchenwälder das Landschaftsbild Mitteleuropas, heute sind nur noch wenige in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Diese Wälder stellen ein hervorragendes Beispiel für die Wiederausbreitung und Entwicklung von Ökosystemen seit der letzten Eiszeit dar. Das Wildnisgebiet Dürrenstein in Niederösterreich beinhaltet mit 1.965 ha Welterbefläche den ausgedehntesten Buchenurwald des Alpenbogens. Buchen mit einem Alter von 400 bis 500 Jahren zeugen von der Unberührtheit der Wälder. Der Nationalpark Kalkalpen in Oberösterreich ist mit 5.252 ha Welterbefläche das weitläufigste Buchenwaldschutzgebiet der Alpen. Die Waldflächen zeichnen sich durch eine hohe Naturnähe aus und bilden aufgrund der Großflächigkeit und Standortsvielfalt das gebietstypische Buchenwaldspektrum ab.

 Die Alten Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas wurden 2017 UNESCO-Welterbe und sind Österreichs erstes Weltnaturerbe. Die Kernzone von rund 92.023 ha (Pufferzone 253.815 ha) wird von 41 Schutzgebieten in 12 europäischen Ländern gebildet. Das Welterbe-Management der österreichischen Gebiete, welche rund 7.217 ha umfassen, erfolgt durch die jeweilige Schutzgebiets-Verwaltung. Als Teil eines Wildnisgebiets und Nationalparks unterliegen sie besonders strengen Bestimmungen.