Springe zum Hauptinhalt

Welterbe

Kultur- und Naturerbestätten mit außergewöhnlichem universellem Wert  
Foto: © Alexander Eugen Koller

Welterbestätte Wien: Alle Forderungen bleiben aufrecht – Maßnahmenkatalog der Bundesregierung hat aufschiebende Wirkung

Von 24. Juni bis 4. Juli 2018 tagte das UNESCO-Welterbekomitee in Manama, Bahrain. Österreich war dieses Jahr mit keinen Neueinreichungen vertreten – auf der Tagesordnung stand als gefährdete Welterbestätte das ‚Historische Zentrum von Wien‘.

  • UNESCO anerkennt Maßnahmenpaket (3-Stufen-Plan) der Bundesregierung zum Erhalt der Welterbestätte Wien und wartet konkrete Vorschläge (corrective measures) und  UNESCO/ICOMOS-Monitoring-Mission im November 2018 ab. (ICOMOS-ExpertInnen sind ca. 1 Woche in Wien, um sich vor Ort ein Bild zu machen).
  • Das ‚Historische Zentrum von Wien‘ bleibt somit weiterhin als gefährdet eingestuft auf der Roten Liste. Alle Forderungen seitens der UNESCO bleiben aufrecht.
  • Österreich muss bis Mitte April 2019 über getroffene oder geplante corrective measures nach Paris berichten. Auf Grundlage dieses Berichts entscheidet das Welterbekomitee dann im Juni 2019 über weitere Schritte.

  • Für die Welterbeliste sind in diesem Jahr 29 Stätten nominiert (Kultur- und Naturerbe), die Entscheidungen fallen hier von 29. Juni bis 2. Juli in Bahrain. ___________________________________________________________________________________________________

    Das ‚Historisches Zentrum von Wien‘ wurde seitens des Welterbekomitees 2017 auf die Rote Liste, die Liste des gefährdeten Welterbes, gesetzt. Schon seit 2012 beobachtet und kommentiert die UNESCO sehr nachdrücklich die Bauplanung in und rund um die Kernzone der Welterbestätte - vor allem das geplante Bauprojekt am Heumarkt sowie die fehlenden, rechtlich verankerten Planungs- und Schutzinstrumente gaben letztendlich den Ausschlag für die Einstufung als gefährdetes Welterbe.

    Welterbekomitee-Tagung 2018: Forderungen seitens der UNESCO bleiben aufrecht - die UNESCO anerkennt Bemühungen der Republik Österreich – und wartet die UNESCO/ICOMOS-Monitoring-Mission im Herbst 2018 ab.


    Wie bereits vorab angenommen, hat das Welterbekomittee in diesem Jahr die causa ‚Historisches Zentrum von Wien‘ nicht zur Diskussion geöffnet, sondern kurz und knapp aufgrund des vorliegenden Berichts (Draft Decision) entschieden: Die Forderungen der UNESCO, die zur Setzung Wiens auf die Rote Liste im letzten Jahr führten, wurden aktuell im Rahmen der Welterbekomitee-Tagung in Bahrain bestätigt:

    1) Stopp der für das Welterbe abträglichen Stadtentwicklung:
    Problematik: Verdichtung (inkl. Dachausbauten) und Vertikalisierung der letzten 10 Jahre

    2) Nachschärfung der Planungs- und Kontrollinstrumente, die aktuell keinen ausreichenden Schutz garantieren (Lockerung 2014)

    3) Überarbeitung des Bauprojekts am Heumarkt
    in Höhe, Volumen und architektonischem Konzept. Nach dem derzeitigen Planungsstand (ermöglicht durch: Architektenwettbewerb ohne Vorgaben der UNESCO zu berücksichtigen, Aufhebung der Ausschlusszone für Hochhäuser im Welterbe 2014, Beschluss der Flächenwidmung 2017 durch den Wiener Gemeinderat) ist das Bauprojekt nicht mit dem Welterbe vereinbar. Weitere Bauprojekte – Wienmuseum/Winterthur/Karlsplatz, Umbau des Belvederestöckls im Schwarzenbergpark, etc. werden ebenfalls kritisch gesehen.

    Weiters fordert die UNSCO keine weiteren Genehmigungen für Hochhausprojekte zu erteilen und die Implementierung bereits genehmigter Projekte anzuhalten.

    Österreich muss bis Mitte April 2019 einen Bericht über die ergriffenen sowie geplanten weiteren corrective measures an die UNESCO schicken.

    3-Stufen Plan zum Erhalt des Welterbestatus für Wien 

    Die österreichische Bundesregierung hat in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien für 2018 einen 3-Stufenplan zur Befassung mit der gefährdeten Welterbestätte ‚Historisches Zentrum Wien‘ erarbeitet, der seitens der UNESCO akzeptiert wurde und somit eine aufschiebende Wirkung für die Entscheidungsfindung hat.

    1 / März 2018: Workshop mit den Akteuren in Österreich, 3 externe ExpertInnen waren vom Bundeskanzleramt eingeladen, ihre Expertise abzugeben
    Worshopergebnisse / Expertisen von C. Reicher, B. Ringebeck, V.M. Lampugnani

    2 / Juli 2018:
    Heritage Impact Assesment – internationale ExpertInnen sind auf Einladung des Bundeskanzleramtes zu Besuch in Wien und erstellen ein umfassendes Gutachten über den Erhaltungszustand des Welterbes „Historisches Zentrum von Wien“.

    3 / UNESCO/ICOMOS-Monitoring-Mission im November 2018

    ICOMOS ExpertInnen sind ca. 1 Woche vor Ort in Wien. Diese UNESCO/ICOMOS-Monitoring Mission auf Einladung der Republik Österreich soll den gegenwärtigen Erhaltungszustand unter besonderer Berücksichtigung der Ergebnisse des Workshops und des „Heritage Impact Assessments“ beurteilen und feststellen, ob der außergewöhnliche universelle Wert der Stätte noch gegeben ist. Der Bericht darüber wird Grundlage der Beschlussempfehlung für das Welterbekomitee 2019 sein.

    „Die UNESCO möchte jede Chance nützen, die zu einem positiven Ergebnis und somit zu einem Verbleib Wiens auf der Welterbeliste führt. Sie wartet nun die UNESCO/ICOMOS-Monitoring-Mission ab, die auf Einladung der Republik Österreich im Herbst 2018 stattfindet. Bis Mitte April 2019 müssen dann allerdings schriftlich die getroffenen sowie geplanten corrective measures, also konkrete Lösungsvorschläge, seitens Österreich in Paris vorgelegt werden“, so Gabriele Eschig, Generalsekretärin der Österreichischen UNESCO-Kommission.“

    Welterbekomiteee / Nominierungen 2018

    Das Welterbekomitee setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet jährlich über die Neuaufnahme von Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste, befasst sich mit dem Erhaltungszustand der eingeschriebenen Stätten und entwickelt Lösungen für gefährdete Stätten.

    Für die Welterbeliste sind in diesem Jahr 29 Stätten nominiert (Kultur- und Naturerbe), unter anderem das viktorianische und Art Déco-Ensemble von Mumbai, der prähistorische Fundort Göbekli Tepe in der Türkei, der Nationalpark Chiribiquete in Kolumbien sowie die buddhistischen Bergklöster in Südkorea. Die Entscheidungen fallen hier am 1. und 2. Juli in Bahrain.

    Auf UNESCO-Welterbe-Liste stehen derzeit 1.073 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. Die Staaten reichen um die Aufnahme bei der UNESCO ein. Kriterium für die Anerkennung als UNESCO-Welterbe ist der außergewöhnliche universelle Wert der Stätte. Ein Managementplan, der die Erhaltung des Erbes für zukünftige Generationen sicherstellt, muss bei Aufnahme vorliegen. Mit der Einschreibung in die Welterbeliste verpflichten sich die Vertragsstaaten, die Welterbestätten auf ihrem jeweiligen Staatsgebiet zu schützen und für künftige Generationen zu bewahren.

    Welterbekomitee-Sitzung 2019 in Aserbaidschan

    Die nächste Sitzung des Welterbekomitees findet im Juni / Juli 2019 in Baku, Aserbaidschan statt.

Links

Visualisierung des Bauprojekts am Heumarkt
© Kupf