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Welterbe

Kultur- und Naturerbestätten mit außergewöhnlichem universellem Wert  
Foto: © Alexander Eugen Koller

UNESCO-Welterbetagung Bahrain 2018 - 19 neue Stätten in die Welterbeliste aufgenommen

Das UNESCO-Welterbekomitee hat im Rahmen der Welterbetagung in Bahrain aktuell 19 neue Stätten in die Welterbeliste aufgenommen, davon 13 neue Kulturstätten, 3 neue Naturstätten (+ 1 Erweiterung) und 3 gemischte Stätten. Nun zählen u.a. folgende Natur- und Kulturstätten zum Welterbe: Die buddhistischen Bergklöster Sansa in Südkorea, die Oase Al-Ahsa in Saudi-Arabien, die Barberton Makhonjwa-Berge in Südafrika, die viktorianisch-gotischen und Art Déco-Ensembles von Mumbai in Indien, der Nationalpark Chiribiquete in Kolumbien sowie verborgene christliche Stätten in der japanischen Region Nagasaki zum Welterbe.

Auf UNESCO-Welterbe-Liste stehen derzeit nun aktuell 1.092 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. Die Staaten reichen um gewünschte Aufnahme bei der UNESCO ein. Kriterium für die Anerkennung als UNESCO-Welterbe ist der außergewöhnliche universelle Wert der Stätte. Ein Managementplan, der die Erhaltung des Erbes für zukünftige Generationen sicherstellt, muss bei Aufnehme vorliegen. Mit der Einschreibung in die Welterbeliste verpflichten sich die Vertragsstaaten, die Welterbestätten auf ihrem jeweiligen Staatsgebiet zu schützen und für künftige Generationen zu bewahren.

Österreich war dieses Jahr mit keinen Neueinreichungen vertreten – auf der Tagesordnung stand als gefährdete Welterbestätte das ‚Historische Zentrum von Wien‘.

Welterbetagung 2018: 13 neue Kulturstätten:

Sansa, buddhistische Bergklöster in Korea, Südkorea

Sansa sind in den südlichen Provinzen der koreanischen Halbinsel gelegene buddhistische Bergklöster. Die aufgenommene Welterbestätte besteht aus sieben Tempeln, die zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert gegründet wurden. In den Tempeln finden sich zahlreichende herausragende Bauten, Objekte, Dokumente und Schreine. Die Bergklöster sind heilige Orte und noch heute lebendige religiöse Zentren, in denen täglich der Glaube praktiziert wird.

 Ivrea, Industriestadt des 20. Jahrhunderts, Italien

Die Industriestadt Ivrea in der Region Piemont war einst Experimentierfeld von Olivetti, einem Hersteller von Schreibmaschinen, mechanischen Rechenmaschinen und Computern. Hier finden sich eine große Fabrik, Verwaltungsgebäude, Wohnbauten sowie Räume des gesellschaftlichen Lebens. Entworfen in den 1930er bis 1960er Jahren von führenden italienischen Stadtplanern und Architekten spiegelt dieses architektonische Ensemble die Ideen des Kommunitarismus (Movimento Comunità) wider. Als beispielhaftes gesellschaftliches Projekt verkörpert Ivrea eine moderne Vision der Beziehung zwischen Fertigungsindustrie und Architektur.

Kalifatsstadt Madīnat az-Zahrā, Spanien

Die archäologische Stätte der Kalifatsstadt Madīnat az-Zahrā umfasst eine Mitte des 10. Jahrhunderts durch die Umayyaden-Dynastie als Sitz des Kalifats von Cordoba errichtete Stadt in Spanien. Die Stätte wurde im frühen 20. Jahrhundert wiederentdeckt. Das komplett erhaltene städtische Ensemble umfasst Infrastruktureinrichtungen wie Straßen, Brücken oder Hydrauliksysteme, Gebäude, dekorative Elemente und Alltagsgegenstände. Die Stätte vermittelt umfangreiches Wissen über die heute verschwundene westliche islamische Zivilisation von Al-Andalus auf dem Höhepunkt ihrer Pracht.

Archäologischer Grenzkomplex Haithabu und Danewerk, Deutschland

Haithabu ist eine archäologische Stätte, die die Relikte einer Handelsstadt aus dem 1. und frühen 2. Jahrtausend n. Chr. umfasst. Aufgrund seiner einzigartigen Lage zwischen dem fränkischen Reich im Süden und dem dänischen Königreich im Norden war Haithabu einst ein Knotenpunkt zwischen Kontinentaleuropa und Skandinavien sowie zwischen Nord- und Ostsee. Die Stätte ist wegen ihrer gut erhaltenen archäologischen Funde von wesentlicher Bedeutung für die Erforschung der wirtschaftlichen, sozialen und historischen Entwicklungen im Europa zu Zeiten der Wikinger.

Naumburger Dom, Deutschland

Der Naumburger Dom zählt zu den bedeutendsten Kathedralbauten des Hochmittelalters. Er wurde zwischen 1213 und etwa 1250 errichtet und gibt Einblick in Kunst, Architektur und Technologie seiner Zeit. Mit dem Kreuzgang, der Doppelstruktur, dem Domgarten und den umliegenden Kuriengebäuden ist er ein herausragendes Architekturensemble der Spätromanik und Frühgotik. Weltbekannt ist der Dom für die Arbeiten des sogenannten Naumburger Meisters, der zwölf überlebensgroße Stifterfiguren, darunter Uta von Naumburg, und den Westlettner mit den Passionsreliefs schuf.

Aasivissuit - Nipisat. Jagdgründe der Inuit zwischen Eis und Meer, Dänemark

Die nördlich des Polarkreises gelegene Stätte in Westgrönland beheimatet Relikte von 4.200 Jahren menschlicher Geschichte. Zu den Charakteristika der Stätte zählen große Winterresidenzen, Spuren der Karibu-Jagd sowie archäologische Fundorte der Paleo-Inuit- und Inuit-Kulturen. Die Kulturlandschaft umfasst sieben Orte.

Archäologische Stätte Thimlich Ohinga, Kenia

Thimlich Ohinga ist ein Komplex aus Trockenstein im Nordosten der Stadt Migori im Gebiet des Viktoriasees in Kenia. Schätzungen zufolge wurde er im 15. Jahrhundert n. Chr. erbaut. Thimlich Ohinga ist der größte und am besten erhaltene traditionelle Steinkomplex. Es handelt sich um ein herausragendes Beispiel der Tradition des großflächigen Trockensteinbaus der ersten pastoralen Gesellschaften am Viktoriasee vom 16. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

Antike Stadt Qalhat, Oman

Die Antike Stadt Qalhat liegt an der Ostküste Omans und war einst ein bedeutendes Handelszentrum. Die Welterbestätte umfasst die von Innen- und Außenmauern begrenzte antike Stadt sowie Begräbnisstätten – so genannte Nekropolen – außerhalb der Mauern. Qalhat war vom 11. bis zum 15. Jahrhundert n. Chr. ein wichtiger Hafen von Arabien, der sich unter der Herrschaft der Sultans von Hormus entwickelte. Heute bietet die Stätte einzigartige archäologische Zeugnisse des Handels zwischen der Ostküste von Arabien, Ostafrika und Indien bis hin zu China und Südostasien.

Oase Al-Ahsa, Saudi-Arabien

Die Oase Al-Ahsa liegt im östlichen Teil der arabischen Halbinsel. Sie besteht aus Gartenanlagen, einem komplexen Bewässerungssystem, städtischen Strukturen, historischen Bauwerken und archäologischen Stätten. Sie ist Ausdruck der Entwicklung einer jahrhundertealten Tradition und zeugt von der Besiedlung in der Golfregion seit der Jungsteinzeit. Die Stätte besteht aus zwölf Teilgebieten und ist die größte Oase der Welt mit mehr als 2,5 Millionen Palmen. Die Kulturlandschaft der Oase Al-Ahsa veranschaulicht die unterschiedlichen Entwicklungsphasen einer Oase und die Wechselwirkung von Natur und Kulturerbe.

Göbekli Tepe, Türkei

Göbekli Tepe ist eine der ersten Ausprägungen monumentaler Architektur in der Menschheitsgeschichte. Die in der Bergkette von Germuş im Südosten Anatoliens gelegene Stätte weist monumentale rechteckige und kreisförmige Megalithstrukturen auf, welche zwischen 9.600 und 8.200 v. Chr. durch Jäger und Sammler der vorkeramischen Jungsteinzeit errichtet wurden. Die Monumente wurden vermutlich bei Ritualen, wahrscheinlich Bestattungsriten, verwendet.

Viktorianisch-gotische und Art Déco-Ensembles in Mumbai, Indien

Als Handelszentrum von weltweiter Bedeutung war die Stadt Mumbai in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Schauplatz eines ehrgeizigen städtebaulichen Projekts. Öffentliche Gebäude wurden im viktorianisch-neugotischen Stil errichtet. Im frühen zwanzigsten Jahrhundert kamen Art-Déco-Gebäude rund um die Grünfläche des Platzes Oval Maidan hinzu. Das viktorianische Ensemble integriert indische, dem lokalen Klima entsprechende Elemente.

Archäologische Landschaft der Sassaniden in der Region Fars, Iran

Die Welterbestätte umfasst archäologische Stätten in Firuzabad, Bischapur und Sarvestan in der südiranischen Provinz Fars. Die Befestigungsanlagen, Paläste, Felsenreliefs und Stadtpläne stammen aus der Zeit des Sassanidenreiches vom 3. bis 7. Jahrhundert n. Chr. Unter den Bauten der Welterbestätte sind etwa die erste Hauptstadt und gleichzeitig das militärische Hauptquartier des Gründers der Dynastie, Ardaschir I. sowie eine Stadt und architektonische Überreste aus der Zeit seines Nachfolgers, Schapur I.

Verborgene christliche Stätten in der Region Nagasaki, Japan

Die Welterbestätte im Nordwesten der japanischen Insel Kyushu umfasst zehn Dörfer, das Schloss von Hara und eine Kathedrale. Das Ensemble spiegelt die ältesten Aktivitäten christlicher Missionare und Siedler in Japan wider: Die Stätte ist ein einzigartiges Zeugnis für die besondere kulturelle Tradition der im Verborgenen lebenden Christen der Region Nagasaki, die in der Zeit des Verbots zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert ihren christlichen Glauben heimlich weitergaben.

3 neue Naturstätten+ 1 Erweiterung

Fanjingshan, China

Der Berg Fanjingshan in der Provinz Guizhou ist Teil der Bergkette Wuling und hat eine Höhenlage zwischen 500 und 2.570 Metern, wodurch die Existenz diverser Vegetationsarten begünstigt wird. Der Metamorphit, umgeben von Karstgestein, beherbergt viele Tier- und Pflanzenarten, deren Ursprünge in das Zeitalter des Tertiärs vor 65 bis 2 Millionen Jahren zurückreichen. Die isolierte Lage ermöglichte einen hohen Grad an Biodiversität mit endemischen Arten wie der Fanjingshan-Tanne (Abies fanjingshanensis) und der Guizhou-Stumpfnase (Rhinopithecus brelichi), sowie gefährdeten Arten wie dem Chinesischen Riesensalamander (Andrias davidianus), dem Chinesischen Moschustier (Moschus berezovskii) und dem Königsfasan (Syrmaticus reevesii). Fanjingshan beherbergt den weitläufigsten zusammenhängenden Buchenprimärwald der Suptropen.

Chaîne des Puys - Tektonikarena der Limagne-Verwerfung, Frankreich

Die Limagne-Verwerfung, die Vulkankette der Chaîne des Puys und das nach innen gekehrte Relief der Montagne de la Serre in Zentralfrankreich bilden zusammen diese neue Welterbestätte. Dieses sinnbildliche Element des westeuropäischen Grabens hat sich im Zuge der Entstehung der Alpen vor 35 Millionen Jahren gebildet. Anhand der geologischen Merkmale der Stätte ist sichtbar, wie die kontinentale Kruste aufgerissen und dann aufgebrochen ist, so dass Magma aufsteigen konnte und die Oberfläche angehoben hat. Die Stätte belegt als außergewöhnliches Beispiel das Phänomen des kontinentalen Grabenbruchs – des so genannten rifting -, welches eine der fünf Hauptstufen der Plattentektonik darstellt.

Barberton Makhonjwa-Berge, Südafrika

Diese im Nordosten Südafrikas gelegene Stätte erstreckt sich über 40 Prozent des Barberton Greenstone Belt (Grünsteingürtel), einer der ältesten geologischen Strukturen unseres Planeten. Die Barberton Makhonjwa-Berge stellen die am besten erhaltene Abfolge von vulkanischen und sedimentären Gesteinen dar, die vor 3,6 bis 3,25 Milliarden Jahren entstanden, als sich die ersten Kontinente herausbildeten. Hier finden sich besonders gut erhaltene Spuren von Meteoriteneinschlägen, die kurz nach dem Ende des so genannten Großen Bombardements (vor 4,6 bis 3,8 Milliarden Jahre) entstanden sind.

Bikin-Flusstal (Erweiterung), Russland

Das Bikin-Flusstal ist eine Erweiterung der 2001 eingeschriebenen seriellen Welterbestätte Zentral-Sichote-Alin. Das Flusstal befindet sich etwa hundert Kilometer nördlich der bereits bestehenden Welterbestätte. Die Erweiterung umfasst eine Fläche von 1.160.469 Hektar und ist somit dreimal größer als die bisherige Stätte. Im Flusstal finden sich typische Nadel- und Laubwälder der Region. Die Fauna umfasst Arten der Taiga-Region wie auch aus der südlichen Mandschurei. Hierzu zählen bemerkenswerte Säugetierarten wie der Sibirische Tiger, Moschustiere, der Vielfraß oder der Zobel.

3 neue Gemischte Stätten

Pimachiowin Aki, Kanda

Pimachiowin Aki ("das Land, das Leben schenkt") ist eine von Flüssen durchzogene Waldlandschaft mit Seen, Feuchtgebieten und nördlichen Wäldern in Kanada. Sie gehört zu den angestammten Gebieten der Anishinaabeg, einem indigenen Volk von Fischern, Jägern und Sammlern. Das Gebiet erstreckt sich über Teile der Territorien von vier Anishinaabeg-Gemeinschaften (Bloodvein River, Little Grand Rapids, Pauingassi und Poplar River). Es ist ein herausragendes Beispiel für die kulturelle Tradition des so genannten Ji-ganawendamang Gidakiiminaan ("das Land hüten"), die darin besteht, die Gaben des Schöpfers zu ehren, alle Formen des Lebens zu respektieren und harmonische Beziehungen mit anderen zu pflegen. Diese Tradition zeigt sich durch ein komplexes Netz von Flächen für Subsistenzwirtschaft, Wohnbereichen, Straßen und zeremoniellen Stätten, die durch Wasserstraßen miteinander verbunden sind.

Nationalpark Chiribiquete - "Die Heimat des Jaguars", Kolumbien

Der Nationalpark Chiribiquete im Nordwesten des kolumbianischen Amazonasgebietes ist das größte Naturschutzgebiet des Landes. Eine der Besonderheiten dieses Parks sind die sogenannten Tepuys (nach der indigenen Bezeichnung für "Berg"): Sandsteinplateaus mit Steilwänden, die den Wald prägen. Mehr als 75.000 Felsmalereien, entstanden ab 20.000 v. Chr. bis heute, befinden sich an den Wänden von 60 Felsüberhängen zu Füßen der Tepuys. Die Malereien stellen Jagd-, Kampf-, Tanz- und zeremonielle Szenen dar. Sie stehen vermutlich in Zusammenhang mit einem Kult des Jaguars als Symbol der Macht und Fruchtbarkeit. Die Stätte wird von Indigenen als heilig angesehen.

Tehuacán-Cuicatlán-Tal: Ursprünglicher Lebensraum Mittelamerikas, Mexiko

Das Tehuacán-Cuicatlán-Tal im südlichen Zentrum Mexikos in den Bundesstaaten Puebla und Oaxaca ist die trockene oder überwiegend trockene Zone mit der größten Biodiversität Nordamerikas. Die serielle Stätte besteht aus drei Gebieten: Zapotitlán-Cuicatlán, San Juan Raya und Purrón. Mit 86 Arten, darunter 21 endemischen, ist das Gebiet eines der Hauptzentren der Diversifizierung der weltweit gefährdeten Kakteenfamilie. In dem Tal wachsen die dichtesten Wälder von Säulenkakteen unseres Planeten, die – zusammen mit Agaven, Yuccas und Eichen - eine einzigartige Landschaft bilden. Die Vielfalt der Fauna im Tal, vor allem in Bezug auf Amphibien, Reptilien und Vögel, übersteigt die anderer Trockengebiete der Erde.

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Neues Weltkulturerbe: Sansa, buddhistische Bergklöster in Korea. Die aufgenommene Stätte besteht aus sieben Tempeln, die zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert gegründet wurden.
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