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Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki

Traunkirchner Mordsgschicht
Darstellende Künste in Oberösterreich, aufgenommen 2014

Bei der Traunkirchner Mordsgschicht handelt es sich um einen musikalischen Vortrag im Stil des Moritatengesanges. Ursprünglich im ganzen Salzkammergut verbreitet, wird dieser Brauch nur mehr in Traunkirchen praktiziert. Am Faschingssonntag ziehen die Sänger in Frack und mit Zylinderhut von Gasthaus zu Gasthaus und präsentieren heitere Begebenheiten der Dorfgemeinschaft des vergangenen Jahres. Als Gegenleistung werden Bewirtung, Aufwandsentschädigungen oder ein gemeinsames Essen akzeptiert.

Acht Herren ziehen stilvoll gekleidet zwischen 14 und 22 Uhr von einem Gasthaus in das nächste und tragen die Mordsgschichtlieder vor. Die Lieder werden ausschließlich mit Gitarre begleitet und es werden auf Bildtafeln Karikaturen zu den jeweiligen Geschichten gezeigt. Über die Jahre wurde die Grundmelodie des Traunkirchner Moritatenliedes beibehalten, jedoch in den 1980er Jahren eine neue Schlussstrophe hinzugefügt.
Für die Dorfgemeinschaft ist die Mordsgschicht seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein alljährlicher Pflichttermin, bei dem man in den Gaststätten zusammenkommt und erfährt, was sich im vergangenen Jahr zugetragen hat. Personen, die Ziel des Spotts werden empfinden es meist als Ehre und Anerkennung. Auch in den umliegenden Gemeinden gab es diese Form des Faschings bis in die 1930er Jahre, danach wurde der Moritatengesang jedoch durch den heute bekannten Fasching mit Prinzenpaar und Umzügen abgelöst. Die Führung der Sänger wird seit mehreren Generationen von Präsident zu Präsident übertragen, dem die theatralische und musikalische Gesamtleitung der Sängerrunde obliegt. Die Geschichten werden über das Jahr hinweg gesammelt und ab November zu Moritaten in Reimform verarbeitet. Diese Mordsgschichten sind dann bis zur Aufführung so geheim, dass sogar die Sänger die Texte nur zu den Proben ausgehändigt bekommen. In den vergangenen Jahren wurden „Jungsänger“ aufgenommen, damit sichergestellt wird, dass die Tradition auch in der nächsten Generation weitergetragen wird.

Kontakt

Josef Harringer
Mühlbachtal 20
4801 Traunkirchen
josef.harringer@aon.at

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