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Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki

Perlåggen in Tirol
Gesellschaftliche Praktiken in Tirol, aufgenommen 2016

Perlåggen ist ein Kartenspiel, das heute vor allem in Tirol gespielt wird, wobei Flunkern und Täuschen wichtige Elemente des Spiels sind. Die SpielerInnen eint der Tiroler Dialekt, der mit seinen Spezialausdrücken für das Perlåggen von großer Bedeutung ist. Das sogenannte "Perlågger-Latein" oder "Kårter-Sprech" hält eigene Bezeichnungen für bestimmte Spielzüge, spezielle Karten und das Loben und Tadeln von Spielverhalten bereit.

Gespielt wird hauptsächlich zu viert, wobei sich zwei Teams kreuzweise gegenübersitzen. Dabei ist beim Bieten (Lizitieren) Schauspielkunst gefordert, etwa die Fähigkeiten zum Täuschen und Bluffen. Der Austausch innerhalb der Teams erfolgt möglichst geheim, sowohl verbal als auch nonverbal, meistens durch die überlieferten Signale mittels Finger, unauffälligem Schulterzucken und heimlichen Augen- und Mundbewegungen. Ein Hauptgrund für die Beliebtheit des Spieles ist das „Plodern“, das Plaudern, das Reden und Deuten, das Flunkern und Täuschen – ob um den Partner zu informieren oder die Gegner irrezuführen – alle vielfältigen Formen der Kommunikation in Verbindung mit Spielstrategie und Psychologie vermitteln den SpielerInnen ein Gefühl von Identität.
Die Bezeichnung Perlåggen stammt wahrscheinlich aus der Salurner Gegend. „Berlicche“ bezeichnet dort den Teufel, der sich – genau wie die Perlågger-Karten – in jede passende Form verwandeln kann. Gespielt wird mit 33 Spielkarten mit deutschen Farbzeichen (Eichel, Laub, Schell, Herz), wobei je nach Ort und Situation bis zu acht Karten als „Perlågg“ festgelegt werden, die eine Sonderfunktion erhalten. Je nach Ort gibt es unterschiedlich viele Perlågger-Karten und Spielregeln. Je nach Spielort gelten eigene Regeln beim gemeinsamen Spiel. Jährlich finden lokale Turniere statt und seit einigen Jahren wird abwechselnd in Süd- und Nordtirol eine Gesamttiroler Perlåggermeisterschaft ausgetragen.

Kontakt

Archiv und Sammlung zur Geschichte von Tiroler Spielkarten und Kartenspielen
Peter Blaas
Larchetweg 20
6414 Mieming
p.blaas@aon.at
Institut für Alpenländische Traditionskartenspiele. Forschung, Pflege, Lehre Kulturzentrum im Noaflhaus
Hubert Auer
h.auer@tsn.at / noaflhaus@telfs.gv.at

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