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Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki

Lieder der Lovara
Mündliche Traditionen in Burgenland, Wien, aufgenommen 2011

Lieder sind ein wichtiger Bestandteil der Kulturtradition der Lovara. Die Bezeichnung dieser Roma-Gruppe geht auf ihre frühere Haupterwerbstätigkeit zurück: „Lovara“ bedeutet „Pferdehändler“. Die Lieder handeln von Familie und Gemeinschaft, aber auch die Rolle des Einzelnen und die frühere Lebensweise der Lovara werden besungen. Zudem sind sie ein Sprachspeicher und beinhalten typische Phrasen, Metaphern oder einzelne Ausdrücke, die heute im alltäglichen Gebrauch kaum mehr Verwendung finden.

Die Lieder der Lovara umfassen zwei Hauptgattungen – das langsame lyrische Lied sowie das Tanzlied. Es kommt aber auch immer wieder zu neuen Kreationen durch herausragende SängerInnen wie Mongo Stojka, Ceija Stojka und die Antragstellerin Ruzsa Nikolic-Lakatos. Die musikalische Tradition wird bis heute bei Familienfeiern und größeren Festen gepflegt. In fast allen europäischen Ländern (insbesondere in Mittel- und Osteuropa) sowie in Amerika werden Lovara-Lieder tradiert. Neben den Lovara praktizieren auch andere Roma-Gruppen diese Liedkultur, sie sprechen ähnliche Romanes-Varianten.
Vor etwa 150 Jahren wanderten die Lovara aus der Slowakei und Ungarn in das Gebiet des heutigen Österreichs ein, wo sie sich v.a. im Großraum Wien und im Burgenland ansiedelten. Während des Nationalsozialismus wurden die Lovara verfolgt und die Mehrheit von ihnen ermordet. Besonders betroffen war die älteste Generation, die für die Tradierung der Kultur und Sprache der Lovara von essentieller Bedeutung war. Auch in der Nachkriegszeit waren die Lovara erheblicher Diskriminierung ausgesetzt, weshalb sie ihre Identität als Roma oftmals verschwiegen. In vielen Familien wurde Romanes nicht mehr als Muttersprache weitergegeben. Dies wirkte sich drastisch auf die ehemals reiche Erzählkultur der Lovara aus.
Um die Liedkultur zu erhalten, wurden seit den 1960er Jahren Tonaufzeichnungen gemacht. Seitdem können die bislang nur mündlich tradierten Texte auch schriftlich weitergegeben werden.

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