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Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki

Österreichisches Verzeichnis

Seit dem Beitritt Österreichs zum Übereinkommen ist die Österreichische UNESCO-Kommission mit der Erstellung eines nationalen Verzeichnisses des immateriellen Kulturerbes in Österreich  betraut. Jede gelistete Tradition trägt in ihrer Individualität dazu bei, über die Bundeslandgrenzen hinaus die kulturelle Vielfalt und den großen Reichtum an lebendigem Kulturerbe in Österreich verständlich zu machen.  
Bewerbungen werden ganzjährlich entgegen genommen. Nähere Informationen zum Bewerbungsablauf und zu den Kriterien finden Sie hier.

Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Axamer Wampelerreiten

Das Wampelerreiten in Axams wird jährlich am sogenannten „Unsinnigen Donnerstag“ vor dem Faschingssonntag durchgeführt. Im Vordergrund stehen die namensgebenden Wampeler – junge Burschen und Männer in einem weißen Leinenhemd, das mit Heu prall ausgestopft wird, wodurch die Wampeler ihren dicken Bauch (umgangssprachlich auch „Wampe“ genannt) erhalten. Ihre Gegenspieler sind die Reiter, die versuchen, die Wampeler auf den Rücken zu legen, um deren weißes Hemd zu beschmutzen.

Perlåggen in Tirol

Perlåggen ist ein Kartenspiel, das heute vor allem in Tirol gespielt wird, wobei Flunkern und Täuschen wichtige Elemente des Spiels sind. Die SpielerInnen eint der Tiroler Dialekt, der mit seinen Spezialausdrücken für das Perlåggen von großer Bedeutung ist. Das sogenannte "Perlågger-Latein" oder "Kårter-Sprech" hält eigene Bezeichnungen für bestimmte Spielzüge, spezielle Karten und das Loben und Tadeln von Spielverhalten bereit.

Gauderfest in Zell am Ziller

Das Gauderfest in Zell am Ziller ist eines der größten Frühlingsfeste, das sich im Alpenraum erhalten hat und dessen älteste Hinweise bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Der Name bezeichnet den Ort dieses Volksfestes, das sogenannte Gauderlehen. Höhepunkt ist der Festumzug, der am ersten Sonntag im Mai stattfindet und bei dem jedes Jahr bestimmte Themen aufgegriffen werden, wie etwa historische Anlässe. Mehr als 2000 TrachtenträgerInnen aus einer Vielzahl alpenländischer Regionen wirken mit.

Ratschen in der Karwoche

Ratschen ist ein Lärmbrauch, der in verschiedenen Formen in den Tagen vor Ostern in weiten Teilen Österreichs praktiziert wird. Zentral dabei ist die sogenannte Ratsche, ein Holzschrapinstrument, dessen Geräusch von Gründonnerstag bis Ostersonntag die dann verstummten Kirchenglocken ersetzen soll. Bei der am häufigsten verbreiteten Form des Ratschens gehen Kinder zu verschiedenen Zeiten durch den Ort, ratschen und sagen nach einem bestimmten Ablauf Sprüche auf.

Widderprozession nach Obermauern

Beim jährlichen Widderzug treffen zwei Prozessionen aus den Gemeinden Prägraten und aus Virgen in der Ortschaft Obermauern zusammen. Eine der beiden Gemeinden führt einen weißen Widder mit sich, der mit bunten Bändern und Blumen geschmückt ist. Gemeinsam ziehen sie hinauf zur Wallfahrtskirche Maria Schnee, wo der Widder zuerst dreimal um den Altar geführt wird. Mit der Prozession verbunden sind Rituale, wie das Anbinden einer Fellsträhne an der Osterkerze.

Zachäussingen in Zirl

Das Zachäussingen in Zirl ist ein Kirchtagsbrauch, der am dritten Sonntag im Oktober ab 4:30 Uhr früh begangen wird. Die Besonderheit ist neben der Uhrzeit vor allem die Verbindung von religiöser und weltlicher Praxis. Jährlich versammeln sich etwa 200 Menschen am Platz vor der Kirche und stimmen gemeinsam mit musikalischer Umrahmung durch den Kirchenchor und einer Bläsergruppe das Zachäuslied an, das im 18.Jh. von einem Zirler Messner geschrieben wurde und von Buße und Reue handelt.

Heiliggrab-Bruderschaft Pfunds

Seit 1511 existiert die „Heiliggrab-Bruderschaft“, die sich die Pflege der Tradition des Aufstellens des Heiligen Grabes am Samstag vor dem Palmsonntag sowie die 24-stündige, ununterbrochene Anbetung des Allerheiligsten von Karfreitag bis Karsamstag zur Aufgabe gemacht hat. Die Bruderschaft besteht seit jeher unabhängig von Katholischer Kirche und Gemeindeverwaltung. Gleichzeitig spricht sie die ganze Ortsbevölkerung an und bindet Frauen und Jugendliche in das Brauchtum mit ein.

Fasnacht Nassereith - Schellerlaufen

Bei der Fasnacht Nassereith, seit 1951 auch als „Schellerlaufen“ bezeichnet, handelt es sich um einen Fasnachtsbrauch, welcher in einem Intervall von drei Jahren in der Ortsgemeinde Nassereith, Bezirk Imst/Tirol, an einem Tag zwischen dem Dreikönigstag (6. Jänner) und Aschermittwoch stattfindet. Im Zentrum der Nassereither Fasnacht steht der Umzug, welcher sich durch seine Farbenpracht und die typischen Holzlarven auszeichnet und nach genau überlieferten Regeln durchgeführt wird.

Sakramentsgarden in Tirol

Die Tiroler Sakramentsgarden wurden vor etwa 500 Jahren nach dem spanischen Vorbild der Corpus-Christi-Bruderschaften gegründet. Ihrer ursprünglichen Tätigkeit als Schutz- und Ehrenbegleitung des Allerheiligsten bei Prozessionen gehen sie bis heute unverändert nach. In historischer Kleidung und Ausrüstung rücken die vier Garden bei offiziellen kirchlichen und weltlichen Anlässen gemeinsam aus. Die einzelnen Wachen begleiten zudem private Feiern wie Hochzeiten oder Begräbnisse.

Anklöpfeln im Tiroler Unterland

Das Anklöpfeln ist ein im Tiroler Unterinntal gepflegter Brauch, bei dem eine Gruppe von meist männlichen Sängern an den drei Donnerstagen vor Weihnachten (Klöpflnächte) den Häusern der Nachbarschaft einen Besuch abstattet. Die Sänger sind als Hirten verkleidet und werden in das Haus gebeten. Sie stimmen Lieder an, die die Geburt Jesu verkünden. Häufig werden die Sänger auch von MusikerInnen begleitet.

Blochziehen in Fiss

Das Blochziehen in Fiss gehört zu den größten Fasnachtsbräuchen im Alpenraum. Im Vierjahresrhythmus wird im Spätherbst ein Zirbenbaum – Bloch genannt – gefällt und beim Festtagsumzug auf einem geschmückten Holzschlitten durch das Dorf gezogen. Eine Vielzahl unterschiedlicher Figuren begleitet den Umzug. Neben dem Blochziehen der Erwachsenen wird alle zwei Jahre auch ein Kinder-Blochziehen für 6-14 Jährige veranstaltet.

Mullen und Matschgern in den MARTHA-Dörfern

Der in der Fastnacht praktizierte Brauch des Mullens beziehungsweise Matschgerns hat in den MARTHA-Dörfern (Mühlau, Arzl, Rum, Thaur und Absam) nördlich von Innsbruck eine jahrhundertelange Tradition. Als Hauptfiguren bei diesen Umzügen treten Hexen, Melcher, Spiegeltuxer, Zaggler und Zottler auf, welche durch diverse Nebenfiguren ergänzt werden.

Stille Nacht - das Lied zur Weihnacht

Das im Jahr 1818 komponierte Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ bildet für zahlreiche Menschen einen Fixpunkt des Heiligen Abends und ist für viele der Inbegriff des Weihnachtsliedes überhaupt. Das gemeinsame Singen und Musizieren wird von Kirchengemeinschaften verschiedener Konfessionen, Chören, Gesangsvereinen, Kindergärten, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen gleichermaßen praktiziert und angeregt.

Bergfeuer Ehrwald

Jährlich zur Sommersonnwende am 21. Juni leuchten im Ehrwalder Talkessel die Bergfeuer. Die aufwändige Vorbereitung liegt in den Händen mehrerer Gruppen, von denen jede ein eigenes Motiv wählt, das maßstabsgerecht gezeichnet, entsprechend der Geländeneigung gestreckt und mit Brennmaterial gelegt wird. Über diese Motive, die stets Aktualität besitzen, herrscht bis 21. Juni vollständiges Stillschweigen.

Fasnacht Imst - Schemenlaufen

„Schemenlaufen“ wird in Imst im Tiroler Oberland ein Umzug zur Fasnachtszeit mit 26 unterschiedlichen Maskentypen genannt, dessen bezeichnende Elemente die bunten Farben, die stete Bewegung und ein faszinierender rhythmischer Klang sind. Die Fasnachtsbräuche sind in Imst bereits für 1597 belegt und werden bis zum heutigen Tag mit ungebrochener Begeisterung zelebriert. Das Schemenlaufen findet - mit Ausnahmen - alle vier Jahre im Februar statt.

Telfer Schleicherlaufen

Das Telfer Schleicherlaufen zählt zu den großen Traditionsfasnachten Tirols und findet alle fünf Jahre statt. Rund 500 Fasnachtler nehmen aktiv daran teil. Ein großer Teil der Telfer Bevölkerung ist auch durch das Herrichten der Gewänder, das Ausbessern des Schmuckes etc. in die Fasnachtsvorbereitungen eingebunden. Masken wie die Telfer „Wilden“ mit ihren aus „Baumbart“ hergestellten Kostümen, der „Panz’naff“, der „Laternenträger“ und insbesondere die Schleicher sind einzigartig.