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Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki

Österreichisches Verzeichnis

Seit dem Beitritt Österreichs zum Übereinkommen ist die Österreichische UNESCO-Kommission mit der Erstellung eines nationalen Verzeichnisses des immateriellen Kulturerbes in Österreich  betraut. Jede gelistete Tradition trägt in ihrer Individualität dazu bei, über die Bundeslandgrenzen hinaus die kulturelle Vielfalt und den großen Reichtum an lebendigem Kulturerbe in Österreich verständlich zu machen.  
Bewerbungen werden ganzjährlich entgegen genommen. Nähere Informationen zum Bewerbungsablauf und zu den Kriterien finden Sie hier.

Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Innviertler Landler

Die Geschichte des Innviertler Landlers ist untrennbar mit den Innviertler Zechen verbunden. Diese waren ursprünglich bäuerliche Burschenkameradschaften, die im Zechentanz – einer Kombination aus Tanz (die „Eicht“), Musik, Dichtung und Gesang – künstlerische Leistungen hervorbrachten. Die Melodie, der spezielle, angehängte Jodler („Almer“) und der „verzogene“ Rhythmus im ¾-Takt machen den Innviertler Landler zu einer spezifischen Spielform innerhalb der österreichischen Ländlerfamilie.

Pechölbrennen im östlichen Mühlviertel

War das Pechöl in der Volksmedizin ursprünglich weit verbreitet, so dient es heute nur für den Hausgebrauch. Im östlichen Mühlviertel wird das flüssige Harz bis heute mit Hilfe von Pechölsteinen gewonnen. Auf den leicht geneigten Steinen werden kleine Meiler aus harzreichem Kienholz errichtet und mit Erde abgedeckt. Circa zwei Stunden nach dem Entzünden des Meilers beginnt das Pechöl den Blattrippen-Rinnen folgend zu fließen. Diese Form der Harzgewinnung wird noch von einigen Familien ausgeübt.

Österreichische Gebärdensprache

Die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) bildet das soziale und kulturelle Fundament der österreichischen Gebärdensprachgemeinschaft. Sie ist die Muttersprache gehörloser Menschen in Österreich und somit ein wesentlicher Teil ihrer Identität. Sie wird österreichweit verwendet und beinhaltet Dialekte, die sich durch regionale Spezifika auszeichnen. Seit 2005 ist die ÖGS als eigene Sprache anerkannt, jedoch verstehen sich deren AnwenderInnen noch immer als sprachlich-kulturelle Minderheit.

Österreichisches Sensenschmieden

Die Sense zählte vor der Mechanisierung der Landwirtschaft zu den wichtigsten Erntegeräten. Auch nach der Einführung von Mähmaschinen blieb sie für bäuerliche Kleinbetriebe und somit für die regionale Grundversorgung bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ein wesentliches Arbeitsgerät. Damit geht ein über Jahrhunderte erworbenes Fachwissen einher.

Rudentanz in Sierning

Seit 200 Jahren wird am Faschingsdienstag der Sierninger Rudenkirtag abgehalten, an dem die Traunviertler Ruden (Gruppen von ca. vier bis acht Tanzpaaren) ihren Landler darbieten. Neben Musik und Tanz wird dabei besonderes Augenmerk auf die jedes Jahr neugedichteten Gstanzln (gesungene achtzeilige Reime) gelegt, die durch ihre spöttischen sowie kritischen Anspielungen auf lokale, nationale und globale politische wie gesellschaftliche Ereignisse als „moralisches Korrektiv“ dienen.